Spä­te­re Hei­rat – und die elter­li­che Sor­ge

Dass ein Kin­des­va­ter, der spä­ter mit der Mut­ter eines gemein­sa­men Kin­des die Ehe geschlos­sen hat, Mit­in­ha­ber der elter­li­chen Sor­ge für die­ses Kind ist, auch wenn die förm­li­che Vater­schafts­an­er­ken­nung erst nach der Hei­rat erfolg­te, stellt ins­be­son­de­re nach dem Beschluss des Bun­des­ge­richts­ho­fes vom 16.03.2011 1 im Rah­men der Ver­fah­rens­kos­ten­be­wil­li­gung kei­ne "schwie­ri­ge Rechts­fra­ge" (mehr) dar.

Spä­te­re Hei­rat – und die elter­li­che Sor­ge

Die im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren auf­ge­wor­fe­ne Rechts­fra­ge, ob der Antrag­stel­ler auf­grund Aner­kennt­nis­ses der Vater­schaft und bereits zuvor erfolg­ter Hei­rat der Kin­des­mut­ter die elter­li­che Sor­ge für das gemein­sa­me Kind auch nach der Tren­nung der Ehe­leu­te mit der Kin­des­mut­ter gemein­sam aus­übt, stellt sich aber nicht im Sin­ne der genann­ten ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen und höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung als "schwie­rig" dar. Denn PKH/​VKH muß bereits dann nicht bewil­ligt wer­den, wenn die ent­schei­dungs­er­heb­li­che Rechts­fra­ge zwar noch nicht höchst­rich­ter­lich geklärt ist, ihre Beant­wor­tung aber im Hin­blick auf die ein­schlä­gi­ge gesetz­li­che Rege­lung oder durch die in der Recht­spre­chung gewähr­ten Aus­le­gungs­hil­fen nicht in dem genann­ten Sin­ne als schwie­rig "erscheint" sowie in Recht­spre­chung und Lite­ra­tur nicht umstrit­ten ist 2.

Weder in der Recht­spre­chung noch im Schrift­tum wird – soweit ersicht­lich – auch nur die Auf­fas­sung ver­tre­ten, daß es für die grund­sätz­li­che Begrün­dung der elter­li­chen Sor­ge maß­geb­lich auf die Rei­hen­fol­ge von Vater­schafts­an­er­ken­nung und Hei­rat der Eltern ankä­me. Viel­mehr fin­det sich inso­fern – soweit die­se Fra­ge über­haupt ange­spro­chen wird – durch­ge­hend sogar die aus­drück­li­che Aus­sa­ge, daß die nach Hei­rat der Kin­des­el­tern "spä­te­re Vater­schafts­fest­stel­lung … grund­sätz­lich zurück­wirkt" 3. Soweit dies­be­züg­lich im Schrift­tum – im wesent­li­chen ohne­hin auf die Fra­ge der Begrün­dung der gemein­sa­men Sor­ge durch eine Sor­ge­er­klä­rung bezo­gen – allein pro­ble­ma­ti­siert wird, inwie­weit sich eine Rück­wir­kung auf ein­zel­ne zuvor getrof­fe­nen Ent­schei­dun­gen im Rah­men der elter­li­chen Sor­ge aus­wirkt 4, spielt dies im vor­lie­gen­den Zusam­men­hang offen­kun­dig kei­ner­lei Rol­le.

Hin­zu kommt, dass auch der Bun­des­ge­richts­hof bereits in sei­nem Beschluss vom 16.03.2011 5 offen­kun­dig davon aus­ge­gan­gen ist, daß es auf die Rei­hen­fol­ge der Vater­schafts­fest­stel­lung 6 und des Begrün­dungs­akts der gemein­sa­men Sor­ge 7 nicht ent­schei­dend ankommt. Selbst wenn man dar­in nicht eine unmit­tel­ba­re Ent­schei­dung der vor­lie­gend auf­ge­wor­fe­nen Kern­fra­ge sehen woll­te, läßt sich letz­te­re danach aber jeden­falls unschwer in der auch bereits vom Amts­ge­richt inhalt­lich zutref­fend gewähl­ten Wei­se beant­wor­ten.

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, Beschluss vom 15. August 2014 – 10 WF 42/​14

  1. BGH, Beschluss vom 16.03.2011 – XII ZB 407/​10 , Fam­RZ 2011, 796 ff. = NJW 2011, 2360 ff. = MDR 2011, 468 ff.[]
  2. vgl. BGH aaO m.w.N.[]
  3. Stau­din­ger-Coes­ter (2007), BGB § 1626a Rz. 16; NK3-Rake­te-Dom­beck, BGB § 1626a Rz. 18; Bam­ber­ger/Ro­th3-Veit, BGB § 1626a Rz. 2[]
  4. vgl. etwa Stau­din­ger-Coes­ter aaO; NK3-Rake­te-Dom­beck aaO; Bam­ber­ger/Ro­th3-Veit aaO; Veit, Fam­RZ 1999, 902, 905[]
  5. BGH, Beschluss vom 16.03.2011 – XII ZB 407/​10 , Fam­RZ 2011, 796 ff. = NJW 2011, 2360 ff. = MDR 2011, 468 ff. = juris[]
  6. im dor­ti­gen Fall durch Beschluss des KG vom 23.09.2010 – vgl. Tz. 28[]
  7. dort die – als sol­ches durch Aus­le­gung ermit­tel­te – Sor­ge­er­klä­rung vom 06.06.2005[]