Stun­den­satz eines Berufs­be­treu­ers

Zur Höhe des dem Berufs­be­treu­er gemäß § 4 VBVG zu ver­gü­ten­den Stun­den­sat­zes hat jetzt erneut der Bun­des­ge­richts­hof Stel­lung genom­men. Anlass hier­für bot ihm der Fall einer Berufs­be­treue­rin, die im Jahr 2004 erfolg­reich die Aus­bil­dung zur Sozi­al­wir­tin (BFZ-FH) bei den beruf­li­chen Fort­bil­dungs­zen­tren der Baye­ri­schen Wirt­schaft in Koope­ra­ti­on mit der Fach­hoch­schu­le Ravens­burg­Wein­gar­ten abge­schlos­sen hat­te.

Stun­den­satz eines Berufs­be­treu­ers

Nach § 4 VBVG beträgt der Stun­den­satz eines Berufs­be­treu­ers 27,- €. Ver­fügt der Betreu­er über beson­de­re Kennt­nis­se, die für die Füh­rung der Betreu­ung nutz­bar sind, so erhöht sich der Stun­den­satz auf 33,50 €, wenn die­se Kennt­nis­se durch eine abge­schlos­se­ne Leh­re oder eine ver­gleich­ba­re abge­schlos­se­ne Aus­bil­dung erwor­ben sind, und auf 44,- €, wenn die­se Kennt­nis­se durch eine abge­schlos­se­ne Aus­bil­dung an einer Hoch­schu­le oder durch eine ver­gleich­ba­re abge­schlos­se­ne Aus­bil­dung erwor­ben sind.

Der Bun­des­ge­richt­hof bil­lig­te der Sozi­al­wiir­tin einen Stun­den­satz von 33,50 € zu. Dabei bil­lig­te der Bun­des­ge­richts­hof die tatrich­ter­li­che Wür­di­gung, nach der die Betreue­rin nicht über beson­de­re für die Betreu­ung nutz­ba­re Kennt­nis­se ver­fügt, die sie durch eine abge­schlos­se­ne Aus­bil­dung an einer Hoch­schu­le oder eine ver­gleich­ba­re abge­schlos­se­ne Aus­bil­dung erwor­ben hat. Unter Berück­sich­ti­gung der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zu den Vor­aus­set­zun­gen einer mit einer Hoch­schul­aus­bil­dung ver­gleich­ba­ren Aus­bil­dung [1] befand der Bun­des­ge­richts­hof, dass die von der Betreue­rin absol­vier­te Aus­bil­dung zur Sozi­al­wir­tin schon im Hin­blick auf Art und Umfang nicht mit einer Aus­bil­dung an einer Hoch­schu­le zu ver­glei­chen ist.

Der Bun­des­ge­richts­hof sah auch unter dem Gesichts­punkt des Ver­trau­ens­schut­zes kei­ne Ver­pflich­tung, an dem zuvor von dem Rechts­pfle­ger im Ver­wal­tungs­ver­fah­ren der Betreue­rin zuge­bil­lig­ten Stun­den­satz von 44 € für die Zukunft fest­zu­hal­ten, viel­mehr müs­se auf den neu gestell­ten Ver­gü­tungs­fest­set­zungs­an­trag das Vor­lie­gen der Vor­aus­set­zun­gen für die Höhe der Ver­gü­tung erneut geprüft wer­den. Nach­dem das Gericht dabei abwei­chend von der frü­he­ren Wer­tung des Rechts­pfle­gers zu dem Ergeb­nis gelangt ist, dass die Betreue­rin die Vor­aus­set­zun­gen für eine Erhö­hung des Stun­den­sat­zes gemäß § 4 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 VBVG nicht erfüllt, war es sei­ne Auf­ga­be, ent­spre­chend zu ent­schei­den [2]. Die Betreue­rin muss­te auch schon frü­her stets damit rech­nen, dass der im Ver­wal­tungs­ver­fah­ren zuge­bil­lig­te Stun­den­satz bei einer gericht­li­chen Fest­set­zung und Über­prü­fung her­ab­ge­setzt wird [3].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 27. Febru­ar 2013 – XII ZB 492/​12

  1. BGH, Beschlüs­se vom 18.01.2012 – XII ZB 409/​10 FamRZ 2012, 629 Rn. 11 [staat­lich aner­kann­te Sozi­al­wir­tin]; und vom 04.04.2012 – XII ZB 447/​11 NJW-RR 2012, 774 Rn. 16 ff. [Spar­kas­sen­be­triebs­wir­tin][]
  2. vgl. BVerfGE 18, 224, 240, 241; BGH Urteil vom 02.12.1976 – VII ZR 88/​75, NJW 1977, 375, 376[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 08.02.2012 – XII ZB 231/​11[]