Tre­nungs­un­ter­halt – und die Auf­he­bung der Anord­nung der sofor­ti­gen Wirk­sam­keit

Eine Auf­he­bung der Anord­nung der sofor­ti­gen Wirk­sam­keit gem. § 116 Abs. 3 Satz 3 FamFG durch das Beschwer­de­ge­richt kommt nicht in Betracht. § 120 Abs. 2 Satz 3 FamFG ent­hält mit dem Ver­weis auf §§ 707 Abs. 1, § 719 Abs. 1 ZPO eine spe­zi­el­le Rege­lung, die den Rück­griff über § 120 Abs. 1 FamFG auf die all­ge­mei­nen Rege­lun­gen über die Zwangs­voll­stre­ckung in der ZPO – hier: § 718 ZPO – aus­schließt.

Tre­nungs­un­ter­halt – und die Auf­he­bung der Anord­nung der sofor­ti­gen Wirk­sam­keit

Eine Auf­he­bung der Anord­nung der sofor­ti­gen Wirk­sam­keit, die allein auf der Grund­la­ge der §§ 120 Abs. 1 FamFG, 718 ZPO erfol­gen könn­te, kommt nicht in Betracht. Inso­fern ent­hält § 120 Abs. 2 Satz 3 FamFG mit dem Ver­weis auf §§ 707 Abs. 1, § 719 Abs. 1 ZPO eine spe­zi­el­le Rege­lung, die die Anwend­bar­keit des Gene­ral­ver­wei­ses in § 120 Abs. 1 FamFG auf die all­ge­mei­nen Rege­lun­gen über die Zwangs­voll­stre­ckung in der ZPO aus­schließt.

Die Vor­schrif­ten zur vor­läu­fi­gen Voll­stre­ckung nach §§ 708713 ZPO sind in Unter­halts­sa­chen nicht anzu­wen­den, da das FamFG inso­fern in §§ 120 Abs. 1, 116 Abs. 3 FamFG Son­der­re­ge­lun­gen vor­sieht 1. Vor­lie­gend beruht die Anord­nung der sofor­ti­gen Wirk­sam­keit auf § 116 Abs. 3 Satz 2 FamFG. Die­se Vor­schrift wird durch § 120 Abs. 2 Satz 2 und 3 ZPO zum Schutz des Schuld­ners ergänzt 2. Aus die­sem Rege­lungs­zu­sam­men­hang ergibt sich, dass die §§ 714 bis 720 ZPO trotz der Glo­bal­ver­wei­sung in § 120 Abs. 1 ZPO nur anzu­wen­den sind, soweit sie nicht mit dem Rege­lungs­be­reich in § 120 Abs. 2 Satz 2 bzw. 3 ZPO in Kon­flikt gera­ten 3. In die­sem Kon­text bestimmt das FamFG durch den aus­drück­li­chen Ver­weis auf §§ 707, 719 ZPO, dass die Voll­stre­ckung nur unter der engen Vor­aus­set­zung vor­läu­fig ein­ge­stellt wer­den kann, dass der Schuld­ner glaub­haft macht, dass die Voll­stre­ckung ihm einen nicht zu erset­zen­den Nach­teil brin­gen wür­de. Damit wird allein auf die Fol­gen der Anord­nung der sofor­ti­gen Wirk­sam­keit abge­stellt, eine Über­prü­fungs­mög­lich­keit betref­fend die Vor­aus­set­zun­gen für die­se Anord­nung aber nicht eröff­net. Dem­entspre­chend kommt eine Über­prü­fung der Anord­nung der sofor­ti­gen Wirk­sam­keit sel­ber nicht in Betracht. Inso­fern fehlt es in § 120 Abs. 2 FamFG an einem Ver­weis auch auf § 718 ZPO 4. Auch im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren wur­de der ein­ge­schränk­te Schutz, den § 120 Abs. 2 Satz 3 FamFG iVm. §§ 707, 719 ZPO dem Schuld­ner bie­tet mit der Fol­ge, dass aus der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung bereits vor Rechts­kraft voll­streckt wird und die Beträ­ge wegen Ver­mö­gens­lo­sig­keit des Gläu­bi­gers nicht nach einer abän­dern­den Beschwer­de­ent­schei­dung zurück­ge­for­dert wer­den kön­nen, dis­ku­tiert, die Beden­ken aber zuguns­ten des Inter­es­ses des Gläu­bi­gers an der Erlan­gung der Unter­halts­leis­tung zurück­ge­stellt 5. Inso­fern wur­de es für aus­rei­chend ange­se­hen, dass die gegen­sei­ti­gen Inter­es­sen allein im Rah­men des § 116 Abs. 3 FamFG über­prüft wer­den 6.

Offen­blei­ben kann, ob der Antrag des Antrag­stel­lers auf Auf­he­bung der Anord­nung der sofor­ti­gen Wirk­sam­keit als Voll­stre­ckungs­schutz­an­trag nach § 120 Abs. 2 Satz 3 FamFG, §§ 719 Abs. 1, 707 Abs. 1 Satz 2 ZPO aus­zu­le­gen ist, da er als sol­cher jeden­falls unbe­grün­det ist. Der Antrags­geg­ner hat nicht glaub­haft gemacht, dass ihm durch die Zwangs­voll­stre­ckung ein nicht zu erset­zen­der Nach­teil im Sin­ne von § 120 Abs. 2 Satz 3 FamFG, §§ 719 Abs. 1, 707 Abs. 1 Satz 2 ZPO droht. Viel­mehr beruft er sich allein dar­auf, dass das Amts­ge­richt das Ermes­sen bei der Anord­nung nach § 116 Abs. 3 Satz 3 FamFG nicht rich­tig aus­ge­übt habe.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Beschluss vom 20. August 2013 – 18 UF 151/​13

  1. vgl. Wendl/​Dose/​Schmitz, Unter­halts­recht, 8. Auf­la­ge 2011, § 10 Rn 84; BT-Drucks. 16/​6308 S. 226[]
  2. Musielak/​Borth/​Grandel FamFG, 4. Auf­la­ge 2013, § 120 Rn 2; BT-Drucks. 16/​6308 S. 412[]
  3. Musielak/​Borth/​Grandel, a.a.O., § 120 Rn 2; s. auch Prütting/​Helms, FamFG, 2. Auf­la­ge 2011, § 120 Rn 3[]
  4. OLG Karls­ru­he, Beschluss v. 28.02.2013 – 18 UF 363/​12; im Ergeb­nis eben­so Wendl/​Dose/​Schmitz, a.a.O., § 10 Rn 85; Bumiller/​Harders, FamFG, 10. Auf­la­ge 2011, § 120 Rn 2 – 4, die die Anwen­dung ande­rer Vor­schrif­ten als §§ 120 Abs. 2 FamFG, 707, 719 ZPO gar nicht erör­tern, son­dern davon aus­ge­hen, dass die Ein­stel­lung der Zwangs­voll­stre­ckung abwei­chend von den ZPO-Vor­schrif­ten gere­gelt wur­de; s. auch MüKo/​Fischer, ZPO, 3. Auf­la­ge 2010, § 120 FamFG Rn 8 m.w.N.; a.A. ohne nähe­re Begrün­dung Keidel/​Weber, FamFG, 17. Auf­la­ge 2011, § 116 Rn 9; vgl. auch OLG Bam­berg Fam­RZ 2013, 481, 482 zur Fra­ge der Nach­hol­bar­keit der Anord­nung der sofor­ti­gen Wirk­sam­keit in der Beschwer­de­instanz; zwei­felnd Prütting/​Helms, FamFG, 2. Auf­la­ge 2011, § 116 Rn 30, anders aber wohl in § 120 Rn 6 ff.[]
  5. BT-Drucks. 16/​6308 S. 373 einer­seits und S. 412 ande­rer­seits[]
  6. vgl. BT-Drucks. 16/​6308 S. 412[]