Umgangs­pfle­ger – und die Rück­for­de­rung über­zahl­ter Ver­gü­tung

Einer Rück­for­de­rung über­zahl­ter Ver­gü­tung des Umgangs­pfle­gers kann der Ver­trau­ens­grund­satz ent­ge­gen­ste­hen, wenn eine Abwä­gung ergibt, dass dem Ver­trau­en des Umgangs­pfle­gers auf die Bestän­dig­keit der ein­ge­tre­te­nen Ver­mö­gens­la­ge gegen­über dem öffent­li­chen Inter­es­se an der Wie­der­her­stel­lung einer dem Gesetz ent­spre­chen­den Ver­mö­gens­la­ge der Vor­rang ein­zu­räu­men ist 1.

Umgangs­pfle­ger – und die Rück­for­de­rung über­zahl­ter Ver­gü­tung

er Bun­des­ge­richts­hof hat bereits ent­schie­den, dass einer (Neu)Festsetzung der Betreu­er­ver­gü­tung, die eine Rück­for­de­rung über­zahl­ter Beträ­ge zur Fol­ge hät­te, im Ein­zel­fall der Ver­trau­ens­grund­satz ent­ge­gen­ste­hen kann, wenn das Ver­trau­en des Betreu­ers auf die Bestän­dig­keit einer ihm in der Ver­gan­gen­heit rechts­wid­rig gewähr­ten Ver­gü­tung schutz­wür­dig ist. Der öffent­lich­recht­li­che Erstat­tungs­an­spruch auf Rück­for­de­rung über­zahl­ter Betreu­er­ver­gü­tung kann ent­fal­len, wenn eine Abwä­gung im Ein­zel­fall ergibt, dass dem Ver­trau­en des Berufs­be­treu­ers auf die Bestän­dig­keit der ein­ge­tre­te­nen Ver­mö­gens­la­ge gegen­über dem öffent­li­chen Inter­es­se an der Wie­der­her­stel­lung einer dem Gesetz ent­spre­chen­den Ver­mö­gens­la­ge der Vor­rang ein­zu­räu­men ist 2. Ent­spre­chen­des gilt für die Ver­gü­tung eines Umgangs­pfle­gers. Auch wenn von einem berufs­mä­ßig täti­gen Umgangs­pfle­ger die Kennt­nis der Ver­gü­tungs­ab­rech­nungs­vor­schrif­ten erwar­tet wer­den kann, steht dies im Ein­zel­fall der Annah­me eines Ver­trau­ens­tat­be­stan­des zu sei­nen Guns­ten nicht ent­ge­gen.

Der Ver­trau­ens­schutz ist bereits bei der Fest­set­zung der Ver­gü­tung des Umgangs­pfle­gers im gericht­li­chen Ver­fah­ren nach § 168 Abs. 1 Satz 1 FamFG zu prü­fen, da mit der gericht­li­chen Fest­set­zung der Ver­gü­tung im Fal­le bereits zu viel aus­ge­zahl­ter Beträ­ge zugleich der Rechts­grund für deren Rück­for­de­rung geschaf­fen wird 3.

Gemes­sen hier­an hält im hier ent­schie­de­nen Fall die Annah­me des Han­sea­ti­schen Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg 4, dass eine nach­träg­li­che Her­ab­set­zung der Pfle­ger­ver­gü­tung im gericht­li­chen Fest­set­zungs­ver­fah­ren zum Zweck der Rück­for­de­rung über­zahl­ter Ver­gü­tung nach Treu und Glau­ben unter dem Gesichts­punkt des Ver­trau­ens­schut­zes aus­ge­schlos­sen ist, einer recht­li­chen Über­prü­fung des Bun­des­ge­richts­hofs stand.

Zwar ist den Aus­füh­run­gen des Ober­lan­des­ge­richts nicht ein­deu­tig zu ent­neh­men, ob es den Ver­trau­ens­schutz als Anspruchs­grund­la­ge oder als eine die Rück­for­de­rung aus­schlie­ßen­de Ein­wen­dung betrach­tet hat. Dies ist indes unschäd­lich. Zum einen hat das Ober­lan­des­ge­richt die Grund­satz­ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs vom 06.11.2013 5 in Bezug genom­men. Die­se ver­hält sich allein zu – einer Rück­for­de­rung ent­ge­gen­ste­hen­den – Ein­wen­dun­gen. Zum ande­ren steht vor­lie­gend nur die Rück­for­de­rung im Streit, weil der Umgangs­pfle­ger nach Been­di­gung der Umgangs­pfleg­schaft die von ihm begehr­te Ver­gü­tung bereits im Ver­wal­tungs­we­ge erhal­ten hat und die von der Staats­kas­se begehr­te Fest­set­zung der Ver­gü­tung nach § 168 FamFG allein die Rück­for­de­rung ermög­li­chen soll.

Nach den Fest­stel­lun­gen des Ober­lan­des­ge­richts hat der Umgangs­pfle­ger gegen­über dem Fami­li­en­ge­richt regel­mä­ßig über sei­ne Akti­vi­tä­ten berich­tet und hier­bei sehr aus­führ­lich vor allem sei­ne Anwe­sen­heit bei den Umgän­gen her­vor­ge­ho­ben. Bereits in sei­nem ers­ten Bericht vom 31.08.2015 hat er aus­drück­lich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass er die Umgangs­be­glei­tun­gen von dem zuvor hier­mit befass­ten Jugend­hil­fe­trä­ger über­nom­men habe und den Ablauf der beglei­te­ten Umgän­ge geschil­dert. Wenn das Ober­lan­des­ge­richt in die­sem Zusam­men­hang dar­auf hin­weist, der Umgangs­pfle­ger habe davon aus­ge­hen dür­fen, dass das Fami­li­en­ge­richt hier­von Kennt­nis neh­men und ihn gege­be­nen­falls dar­auf hin­wei­sen wer­de, wenn es sei­ne Anwe­sen­heit bei den Umgangs­kon­tak­ten nicht für erfor­der­lich hal­ten wür­de, ist die­se tatrich­ter­li­che Wür­di­gung rechts­be­schwer­de­recht­lich nicht zu bean­stan­den. Ein sol­cher Hin­weis ist jedoch nicht erfolgt. Viel­mehr sind – so die wei­te­ren Fest­stel­lun­gen des Ober­lan­des­ge­richts – in der Fol­ge­zeit auch die bean­trag­ten Ver­gü­tun­gen für die Anwe­sen­heit bei den Umgän­gen an den Umgangs­pfle­ger aus­ge­zahlt wor­den. Zudem ist die Umgangs­pfleg­schaft selbst mehr­fach ver­län­gert wor­den, ohne dass dabei kor­ri­gie­ren­de Hin­wei­se zum Umfang der Beauf­tra­gung erfolgt sind. Rechts­feh­ler­frei geht das Ober­lan­des­ge­richt davon aus, ange­sichts die­ser Sach­la­ge habe sich der Umgangs­pfle­ger dar­auf ver­las­sen dür­fen, dass die Ver­gü­tungs­fä­hig­keit für sei­ne Anwe­sen­heit bei den Umgangs­kon­tak­ten in der Fol­ge­zeit nicht in Zwei­fel gezo­gen wer­de. Hin­zu kommt, dass bereits die Sach­ver­stän­di­ge in ihrem Gut­ach­ten vor der Bestel­lung des Umgangs­pfle­gers emp­foh­len hat­te, der Umgangs­pfle­ger sol­le den Umgang zwi­schen Mut­ter und Kind pro­fes­sio­nell beglei­ten.

Soweit schließ­lich auf die Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ver­wie­sen wird, wonach ein Ver­gü­tungs­an­spruch des Betreu­ers bzw. Pfle­gers nicht auf Ver­trau­ens­schutz­ge­sichts­punk­te iSd § 242 BGB gestützt wer­den kann 6, führt dies eben­falls nicht zum Erfolg. Die­se Bun­des­ge­richts­hofs­recht­spre­chung hat Fall­kon­stel­la­tio­nen zum Gegen­stand, in denen bereits der erst­ma­lig gel­tend gemach­te Ver­gü­tungs­an­spruch strei­tig und daher zur gericht­li­chen Über­prü­fung gestellt wor­den ist. Dazu hat der Bun­des­ge­richts­hof aus­ge­führt, dass der Rechts­pfle­ger weder im Ver­gü­tungs­fest­set­zungs­ver­fah­ren dazu beru­fen ist, über Ein­wen­dun­gen zu ent­schei­den, die nicht im Ver­gü­tungs­recht wur­zeln, noch dar­über ent­schei­den darf, ob einem Vor­mund außer­halb des Ver­gü­tungs­rechts Zah­lungs­an­sprü­che zuste­hen 7. Dem­ge­gen­über geht es vor­lie­gend um die Fra­ge, ob der Ver­trau­ens­schutz einer Rück­for­de­rung ent­ge­gen­ste­hen kann. Die­se Fra­ge hat der Bun­des­ge­richts­hof in stän­di­ger Recht­spre­chung bejaht 8. Dazu hat der Bun­des­ge­richts­hof aus­ge­führt, dass der Rechts­pfle­ger zur Ent­schei­dung über Ein­wen­dun­gen beru­fen ist, die im Ver­gü­tungs­recht ihren Grund haben 9. Wen­det der Ver­gü­tungs­emp­fän­ger im Rück­for­de­rungs­ver­fah­ren Ver­trau­ens­schutz­ge­sichts­punk­te ein, han­delt es sich dabei um eine im Ver­gü­tungs­recht zu ver­or­ten­de Ein­wen­dung nach § 242 BGB. Bil­lig­keits­er­wä­gun­gen ver­mö­gen indes­sen kei­nen im Ver­gü­tungs­fest­set­zungs­ver­fah­ren zu berück­sich­ti­gen­den Anspruch zu begrün­den 10.

Zwar wird in dem hier ange­streng­ten Ver­fah­ren nach § 168 FamFG for­mal der Ver­gü­tungs­an­spruch des Umgangs­pfle­gers fest­ge­setzt. Tat­säch­lich wird mit der gericht­li­chen Fest­set­zung der Ver­gü­tung im Fal­le – wie hier – bereits zu viel aus­ge­zahl­ter Beträ­ge aber der Rechts­grund für deren Rück­for­de­rung geschaf­fen 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 31. Okto­ber 2018 – XII ZB 135/​18

  1. im Anschluss an den BGH, Beschluss vom 06.11.2013 XII ZB 86/​13 Fam­RZ 2014, 113[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 06.07.2016 XII ZB 493/​14 Fam­RZ 2016, 1759 Rn.20; und vom 06.11.2013 XII ZB 86/​13 Fam­RZ 2014, 113 Rn. 24 ff.[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 06.07.2016 XII ZB 493/​14 Fam­RZ 2016, 1759 Rn. 21[][]
  4. OLG Ham­burg, Beschluss vom 20.02.2018 2 WF 132/​17[]
  5. BGH, Beschluss vom 06.11.2013 – XII ZB 86/​13, Fam­RZ 2014, 113[]
  6. BGH, Beschluss vom 13.12 2017 XII ZB 436/​17 Fam­RZ 2018, 513 Rn. 15 ff. mwN[]
  7. vgl. BGH, Beschluss vom 13.12 2017 XII ZB 436/​17 Fam­RZ 2018, 513 Rn. 16[]
  8. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 06.07.2016 XII ZB 493/​14 Fam­RZ 2016, 1759 Rn.20 mwN; und vom 06.11.2013 XII ZB 86/​13 Fam­RZ 2014, 113 Rn. 24 ff.[]
  9. BGH, Beschluss vom 05.11.2014 XII ZB 186/​13 Fam­RZ 2015, 248 Rn. 18[]
  10. BGH, Beschluss vom 02.03.2016 XII ZB 196/​13 Fam­RZ 2016, 1072 Rn. 10[]