Zusätz­li­che Unter­halts­pflich­ten – und die Unter­halts­be­darfs­sät­ze der Düs­sel­dor­fer Tabel­le

Die Unter­halts­be­darfs­sät­ze der Düs­sel­dor­fer Tabel­le sind auf all­ge­mei­ner Erfah­rung beru­hen­de Richt­sät­ze, die dem Rechts­an­wen­der die Aus­fül­lung des unbe­stimm­ten Rechts­be­griffs des "ange­mes­se­nen Unter­halts" erleich­tern sol­len. Der Höhe nach sind sie auf den Durch­schnitts­fall zuge­schnit­ten, dass der Unter­halts­pflich­ti­ge zwei Unter­halts­be­rech­tig­ten ohne Rück­sicht auf den Rang Unter­halt zu gewäh­ren hat 1.

Zusätz­li­che Unter­halts­pflich­ten – und die Unter­halts­be­darfs­sät­ze der Düs­sel­dor­fer Tabel­le

Weil die Wer­te nur Hilfs­mit­tel für die Unter­halts­be­mes­sung sind, ist das mit ihrer Hil­fe gewon­ne­ne Ergeb­nis nach den jewei­li­gen Umstän­den des Ein­zel­falls stets auf sei­ne Ange­mes­sen­heit und Aus­ge­wo­gen­heit hin zu über­prü­fen 2. Hier­zu hält die Düs­sel­dor­fer Tabel­le die Mög­lich­keit der Her­auf- oder Her­ab­stu­fung nach der Anzahl der Unter­halts­be­rech­tig­ten bzw. mit­tels der Bedarfs­kon­troll­be­trä­ge bereit. Liegt eine über- oder unter­durch­schnitt­li­che Unter­halts­be­las­tung mit mehr oder weni­ger Unter­halts­be­rech­tig­ten vor, soll durch eine Höher- oder Nied­ri­ger­grup­pie­rung in den Gehalts­stu­fen oder durch Bil­dung von indi­vi­du­ell geschätz­ten Zu- oder Abschlä­gen eine den Beson­der­hei­ten des Falls ange­mes­se­ne Unter­halts­be­mes­sung erreicht wer­den 3.

Die Ein­stu­fung in eine höhe­re oder nied­ri­ge­re Gehalts­grup­pe der Tabel­le je nach Zahl der Unter­halts­be­rech­tig­ten und der damit ver­bun­de­nen Unter­halts­last liegt aller­dings im tatrich­ter­li­chen Ermes­sen 4.

Die tabel­len­mä­ßi­gen Selbst­be­halts­be­trä­ge beinhal­ten eine pau­scha­lier­te Betrach­tung. Ob eine Anpas­sung des Selbst­be­halts erfor­der­lich ist, wenn der Unter­halts­pflich­ti­ge, der sich im Aus­land auf­hält, einem von den Annah­men der Tabel­le wesent­lich abwei­chen­den Preis­ni­veau aus­ge­setzt ist, unter­liegt eben­falls der tatrich­ter­li­chen Beur­tei­lung 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. Juli 2014 – XII ZB 661/​12

  1. Düs­sel­dor­fer Tabel­le Stand 1.01.2010 und 2011 (jew.) Anm. 1[]
  2. BGH, Beschluss vom 12.03.2014 XII ZB 234/​13 Fam­RZ 2014, 917 Rn. 37 mwN[]
  3. BGH, Urteil vom 19.07.2000 XII ZR 161/​98 Fam­RZ 2000, 1492, 1493[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 19.07.2000 XII ZR 161/​98 Fam­RZ 2000, 1492, 1493[]
  5. BGH, Beschluss vom 03.07.2013 XII ZB 220/​12 Fam­RZ 2013, 1375 Rn. 29[]