Arbeits­lo­sen­geld bei mit­ge­teil­ter kurz­fris­ti­ger Zwi­schen­be­schäf­ti­gung

Bei einer ange­zeig­ten Unter­bre­chung der Arbeits­lo­sig­keit für die Dau­er von höchs­tens sechs Wochen ist eine erneu­te Arbeits­los­mel­dung und Antrag­stel­lung zur Erlan­gung von Arbeits­lo­sen­geld nicht erfor­der­lich. Die inter­nen Wei­sun­gen der Bun­des­agen­tur für Arbeit, wonach dies nur im Fal­le einer Unter­bre­chung auf­grund von Ruhens­tat­be­stän­den gel­ten soll, ste­hen nach einem aktu­el­len Urteil des Sozi­al­ge­richts Spey­er nicht im Ein­klang mit dem Gesetz.

Arbeits­lo­sen­geld bei mit­ge­teil­ter kurz­fris­ti­ger Zwi­schen­be­schäf­ti­gung

In dem jetzt vom SG Spey­er ent­schie­de­nen Fall war die Klä­ge­rin zunächst vom 17. Janu­ar 1994 bis 30. Sep­tem­ber 2002 ver­si­che­rungs­pflich­tig beschäf­tigt. Für die Zeit ab dem 1. Okto­ber 2002 bean­trag­te sie bei der Bun­des­agen­tur für Arbeit Arbeits­lo­sen­geld, das ihr für eine Anspruchs­dau­er von 660 Tagen ab Antrag­stel­lung bewil­ligt wur­de. In der Zeit vom 1. Novem­ber 2003 bis 27. Sep­tem­ber 2006 war die Klä­ge­rin selb­stän­dig tätig, bevor sie am 28. Sep­tem­ber 2006 erneut Arbeits­lo­sen­geld bean­trag­te und für eine Rest­an­spruchs­dau­er von 290 Tagen auch erhielt. Nach­dem sie der Bun­des­agen­tur mit­ge­teilt hat­te, in der Zeit vom 29. Janu­ar 2007 bis 3. Febru­ar 2007 einen Lehr­auf­trag als selb­stän­di­ge Voll­zeit­tä­tig­keit wahr­zu­neh­men, hob die­se die Arbeits­lo­sen­be­wil­li­gung ab dem 29. Janu­ar 2007 wie­der auf. Im Anschluss an ihre selb­stän­di­ge Tätig­keit ver­lang­te die Klä­ge­rin nun­mehr, ihr das Arbeits­lo­sen­geld wei­ter­zu­zah­len. Die­ses Begeh­ren lehn­te die Bun­des­agen­tur jedoch ab, weil die Klä­ge­rin mit ihrem Antrag vom 1. Okto­ber 2002 zwar einen Anspruch auf Arbeits­lo­sen­geld erwor­ben habe. Die­ser Anspruch kön­ne für die Zeit ab dem 4. Febru­ar 2007 aller­dings nicht mehr gel­tend gemacht wer­den, da nach sei­ner Ent­ste­hung bereits vier Jah­re ver­stri­chen sei­en.

Die Speye­rer Sozi­al­rich­ter urteil­ten nun­mehr, dass der Klä­ge­rin ab dem 4. Febru­ar 2007 noch ein Rest­an­spruch auf Arbeits­lo­sen­geld von 169 Tagen zuge­stan­den hat. Anders als die Bun­des­agen­tur für Arbeit meint, hat­te die Klä­ge­rin ihren Anspruch recht­zei­tig, näm­lich bereits am 28. Sep­tem­ber 2006, durch per­sön­li­che Arbeits­los­mel­dung und Antrag­stel­lung gel­tend gemacht. Bei­des wirk­te trotz der vier­tä­gi­gen Zwi­schen­be­schäf­ti­gung vom 29. Janu­ar 2007 bis 3. Febru­ar 2007 fort, wes­halb die Klä­ge­rin ab dem 4. Febru­ar 2007 auto­ma­tisch wie­der Zah­lun­gen bean­spru­chen konn­te. Die Auf­fas­sung der Bun­des­agen­tur, dass eine erneu­te per­sön­li­che Arbeits­los­mel­dung und Antrag­stel­lung nur dann nicht erfor­der­lich sei, wenn der Leis­tungs­be­zug auf­grund von Ruhens­tat­be­stän­den unter­bro­chen wer­de, ist nicht zu fol­gen. Eine der­art ein­schrän­ken­de Aus­le­gung lässt sich zum einen nicht dem Wort­laut des Geset­zes ent­neh­men, das die Wei­ter­gel­tung einer per­sön­li­chen Arbeits­los­mel­dung und Antrag­stel­lung im Fal­le jeg­li­cher kurz­zei­ti­ger mit­ge­teil­ter Unter­bre­chun­gen der Arbeits­lo­sig­keit anord­net. Zum ande­ren aber stüt­zen auch Sinn und Zweck des Geset­zes die Rechts­auf­fas­sung der Bun­des­agen­tur nicht. Es ist näm­lich kein Grund ersicht­lich, den­je­ni­gen, des­sen Zah­lungs­an­spruch für eine kur­ze Zwi­schen­zeit ruht, gegen­über dem­je­ni­gen zu pri­vi­le­gie­ren, des­sen Anspruch dem Grund nach für eine kur­ze Zwi­schen­zeit ent­fal­len ist. Nach dem Wil­len des Gesetz­ge­bers soll­te den Arbeits­lo­sen durch einen ledig­lich kurz­fris­tig unter­bro­che­nen Leis­tungs­be­zug kei­ne Nach­tei­le ent­ste­hen sol­len. Um dem gerecht zu wer­den, muss das für den Fall der Unter­bre­chung wegen Ruhens eben­so gel­ten wie für den Fall der Unter­bre­chung bei vor­über­ge­hen­dem Weg­fall der Anspruchs­vor­aus­set­zun­gen.

Sozi­al­ge­richt Spey­er, Urteil vom 3. Febru­ar 2009 – S 10 AL 220/​07