Das Tablet für den Schü­ler – als pan­de­mie­be­ding­ter Mehr­be­darf

Ein Anspruch auf Kos­ten­über­nah­me durch das Job­cen­ter ist grund­sätz­lich für einen inter­net­fä­hi­gen Com­pu­ter nicht aus­ge­schlos­sen, da der Bedarf für die Anschaf­fung zur Teil­nah­me an dem pan­de­mie­be­ding­ten Schul­un­ter­richt im hei­mi­schen Umfeld im Regel­be­darf nicht berück­sich­tigt ist.

Das Tablet für den Schü­ler – als pan­de­mie­be­ding­ter Mehr­be­darf

So die Auf­fas­sung des Lan­des­so­zi­al­ge­richts Nord­rhein-West­fa­len in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer Schü­le­rin der 8. Klas­se eines Gym­na­si­ums. Sie bezieht SGB II-Leis­tun­gen. Ende Janu­ar 2020 bean­trag­te sie einen inter­net­fä­hi­gen Com­pu­ter. Sie leg­te eine Bestä­ti­gung der Schul­lei­te­rin vor, wonach sie die­sen für Haus­auf­ga­ben benö­ti­ge. Das Job­cen­ter ver­nein­te eben­so wie das Sozi­al­ge­richt Gel­sen­kir­chen [1] im einst­wei­li­gen Rechts­schutz­ver­fah­ren einen Anspruch.

In sei­ner Ent­schei­dungs­be­grün­dung hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len aus­ge­führt, dass die Antrag­stel­le­rin kei­nes Eil­rechts­schut­zes mehr bedür­fe, weil ihr mitt­ler­wei­le durch die Schu­le die Nut­zung eines inter­net­fä­hi­gen Lap­tops auf­grund einer pri­va­ten Spen­de ermög­licht wor­den sei. Die Beschwer­de der Antrag­stel­le­rin war nur in Bezug auf die vom SG ver­sag­te Pro­zess­kos­ten­hil­fe erfolg­reich.

Dar­über hin­aus sei nach dem Lan­des­so­zi­al­ge­richt grund­sätz­lich ein Anspruch nicht aus­ge­schlos­sen, da die gel­tend gemach­ten Kos­ten einen nach § 21 Abs. 6 SGB II anzu­er­ken­nen­den unab­weis­ba­ren, lau­fen­den Mehr­be­darf dar­stell­ten. Der Bedarf für die Anschaf­fung eines inter­net­fä­hi­gen Com­pu­ters zur Teil­nah­me an dem pan­de­mie­be­ding­ten Schul­un­ter­richt im hei­mi­schen Umfeld sei im Regel­be­darf nicht berück­sich­tigt. Es han­de­le sich um einen grund­si­che­rungs­recht­lich rele­van­ten Bedarf für Bil­dung und Teil­ha­be. Denn die Anschaf­fung eines inter­net­fä­hi­gen End­ge­räts sei mit der pan­de­mie­be­ding­ten Schlie­ßung des Prä­senz­schul­be­triebs erfor­der­lich gewor­den.

Wei­ter­hin erklärt das Lan­des­so­zi­al­ge­richt, dass zwar Lern­mit­tel in NRW an Schu­len nur ein­ge­führt wer­den dür­fen, wenn sie zuge­las­sen sei­en, was für Per­so­nal­com­pu­ter, Lap­tops und Tablets der­zeit nicht der Fall sei. Dies gel­te aller­dings nur für den kon­ven­tio­nel­len Prä­senz­un­ter­richt in der Schu­le und nicht im Rah­men eines flä­chen­de­cken­den und dau­er­haf­ten Unter­richts von Zuhau­se aus wäh­rend der aktu­el­len Coro­na-Pan­de­mie. Die Höhe des gel­tend gemach­ten Bedarfs sei mit etwa 150 Euro, ori­en­tiert an dem für ein inter­net­fä­hi­ges Mar­ken­ta­blet (10 Zoll, 16 GB RAM) ermit­tel­ten Preis i.H.v. 145 Euro sowie dem Bedarfs­pa­ket „digi­ta­les Klas­sen­zim­mer“ der Bun­des­re­gie­rung (150 Euro je Schü­ler), zu ver­an­schla­gen.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len, Beschluss vom 22.Mai 2020 – L 7 AS 719/​20 B ER, L 7 AS 720/​20 B

  1. SG Gel­sen­kir­chen – S 33 AS 684/​20[]