Dro­hen­de Obdach­lo­sig­keit – und die Ver­weh­rung sozi­al­ge­richt­li­chen Eil­rechts­schut­zes

Aus Art.19 Abs. 4 GG erge­ben sich für die Gerich­te Anfor­de­run­gen an die Aus­le­gung und Anwen­dung der jewei­li­gen Geset­zes­be­stim­mun­gen über den Eil­rechts­schutz.

Dro­hen­de Obdach­lo­sig­keit – und die Ver­weh­rung sozi­al­ge­richt­li­chen Eil­rechts­schut­zes

So sind die Fach­ge­rich­te gehal­ten, vor­läu­fi­gen Rechts­schutz zu gewäh­ren, wenn sonst dem Antrag­stel­ler eine erheb­li­che, über Rand­be­rei­che hin­aus­ge­hen­de Ver­let­zung in sei­nen Rech­ten droht, die durch die Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che nicht mehr besei­tigt wer­den kann, es sei denn, dass aus­nahms­wei­se über­wie­gen­de, beson­ders gewich­ti­ge Grün­de ent­ge­gen­ste­hen 1.

Ob Art.19 Abs. 4 GG erst bei dro­hen­der Woh­nungs­lo­sig­keit die Gewäh­rung von Eil­rechts­schutz gebie­tet, oder ob im Ein­zel­fall auch aus ande­ren, der dro­hen­den Woh­nungs­lo­sig­keit vor­ge­la­ger­ten nen­nens­wer­ten Beein­träch­ti­gun­gen 2 von Ver­fas­sungs wegen ein zwin­gen­des Bedürf­nis nach der Gewäh­rung von Eil­rechts­schutz ent­ste­hen kann, konn­te das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in dem hier ent­schie­de­nen Fall dahin­ste­hen. Denn dem Vor­brin­gen des Beschwer­de­füh­rers lies sich nicht ent­neh­men, dass der dro­hen­den Woh­nungs­lo­sig­keit vor­ge­la­ger­te nen­nens­wer­te Beein­träch­ti­gun­gen dro­hen.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 18. April 2016 – 1 BvR 704/​16

  1. BVerfGE 93, 1, 13 f.[]
  2. vgl. hier­zu Baye­ri­sches LSG, Beschluss vom 19.03.2013 – L 16 AS 61/​13 B ER 30; LSG Nie­der­sach­sen-Bre­men, Beschluss vom 28.01.2015 – L 11 AS 261/​14 B 13; LSG Nord­rhein-West­fa­len, Beschluss vom 17.06.2015 – L 6 AS 833/​15 B ER 32 ff.[]