Ein­rich­tun­gen der Ein­glie­de­rungs­hil­fe – und die häus­li­che Kran­ken­pfle­ge

Kran­ken­kas­sen müs­sen häus­li­che Kran­ken­pfle­ge auch in Hei­men für obdach­lo­se Män­ner gewäh­ren, die als Ein­rich­tun­gen der Ein­glie­de­rungs­hil­fe nach dem SGB XII betrie­ben wer­den. Sol­che Hei­me kön­nen "sonst geeig­ne­te Orte" im Sin­ne des § 37 Abs 2 Satz 1 SGB V sein; Per­so­nen die sich dort auf­hal­ten, sol­len nicht schlech­ter ste­hen als Men­schen, die in ihrem eige­nen Haus­halt leben. Die Leis­tungs­pflicht der Kran­ken­kas­se setzt ein, wenn und soweit die Ein­rich­tung nicht selbst ver­pflich­tet ist, die Maß­nah­men der medi­zi­ni­schen Behand­lungs­pfle­ge zu gewäh­ren, auf die die Betrof­fe­nen in der Ein­rich­tung kon­kret ange­wie­sen sind. Dies hat jetzt das Bun­des­so­zi­al­ge­richt in zwei bei ihm anhän­gi­gen Fäl­len ent­schie­den, bei denen die Ver­si­cher­ten in einer Ein­rich­tung der Heils­ar­mee leb­ten.

Ein­rich­tun­gen der Ein­glie­de­rungs­hil­fe – und die häus­li­che Kran­ken­pfle­ge

Ein­rich­tun­gen der Ein­glie­de­rungs­hil­fe sind nach den gesetz­li­chen Bestim­mun­gen grund­sätz­lich nur soweit ver­pflich­tet, medi­zi­ni­sche Behand­lungs­pfle­ge zu erbrin­gen, wie sie dazu auf­grund der von ihnen vor­zu­hal­ten­den säch­li­chen und per­so­nel­len Aus­stat­tung in der Lage sind. Die medi­zi­ni­sche Behand­lungs­pfle­ge ist vor­ran­gig Auf­ga­be der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung. Der Trä­ger der Sozi­al­hil­fe hat daher grund­sätz­lich nicht durch ent­spre­chen­de Ver­trä­ge dafür Sor­ge zu tra­gen, dass die­se Leis­tung durch Ein­rich­tun­gen der Ein­glie­de­rungs­hil­fe erbracht wird. Aller­dings sind ein­fachs­te Maß­nah­men der Kran­ken­pfle­ge, für die es kei­ner beson­de­ren Sach­kun­de oder Fer­tig­kei­ten bedarf, in der Regel untrenn­bar mit der Gewäh­rung von Ein­glie­de­rungs­hil­fe durch den Sozi­al­hil­fe­trä­ger in einer sta­tio­nä­ren Ein­rich­tung ver­bun­den, weil sie zu den Hil­fen bei der Füh­rung eines gesun­den Lebens gehö­ren, zu dem der Auf­ent­halt in der Ein­rich­tung den Betrof­fe­nen befä­hi­gen soll. In der Regel – so auch in den hier ent­schie­de­nen Fäl­len – gehört die Hil­fe zur Gesund­heits­vor­sor­ge in die­sem ele­men­ta­ren Sin­ne zum Leis­tungs­an­ge­bot der Ein­rich­tung, wie es in den Ver­trä­gen nach § 75 Abs 3 SGB XII näher beschrie­ben wird. Des­halb sind die­se ein­fachs­ten Maß­nah­men der Kran­ken­pfle­ge, die für Ver­si­cher­te, die in einem Haus­halt leben, von jedem erwach­se­nen Haus­halts­an­ge­hö­ri­gen erbracht wer­den kön­nen, regel­mä­ßig von der Ein­rich­tung selbst zu erfül­len. Wei­ter­ge­hen­de medi­zi­ni­sche Behand­lungs­pfle­ge schul­det eine Ein­rich­tung nur, wenn sich dies aus ihren Ver­trä­gen, ihrer Leis­tungs­be­schrei­bung, ihrem Auf­ga­ben­pro­fil unter Berück­sich­ti­gung des Bewoh­ner­ziel­grup­pe und ihrer säch­li­chen und per­so­nel­len Aus­stat­tung ergibt.

Eine Ein­rich­tung, die nach ihrem Pro­fil ein nie­der­schwel­li­ges Leis­tungs­an­ge­bot für obdach­lo­se Men­schen vor­hält und die­sen Hil­fen bei Stö­run­gen in kör­per­li­chen, psy­chi­schen und sozia­len Berei­chen gewäh­ren will, muss in der Lage sein, die von ihr auf­ge­nom­me­nen Men­schen auch mit der erfor­der­li­chen Hil­fe­stel­lung bei den not­wen­di­gen gesund­heit­li­chen Maß­nah­men zu ver­sor­gen, wie das im Ver­trag der hier betrof­fe­nen Ein­rich­tung der Bei­gela­de­nen aus­drück­lich for­mu­liert ist. Das Bereit­stel­len von Medi­ka­men­ten und die Hil­fe bei deren regel­mä­ßi­ger Ein­nah­me sowie die Blut­druck­mes­sun­gen sind danach als ein­fachs­te Maß­nah­men medi­zi­ni­scher Behand­lungs­pfle­ge typi­scher­wei­se von der Ein­rich­tung zu erbrin­gen; ein Anspruch auf häus­li­che Kran­ken­pfle­ge gegen die Kran­ken­kas­se besteht daher nicht. Der Wech­sel von Wund­ver­bän­den und die Ver­ab­rei­chung von Injek­tio­nen wird hin­ge­gen von einer Ein­rich­tung der Ein­glie­de­rungs­hil­fe, die aus­schließ­lich mit Fach­per­so­nal aus den Berei­chen Sozi­al­ar­beit, Sozi­al­päd­ago­gik und Päd­ago­gik arbei­tet, nicht geschul­det. Für die Ver­sor­gung mit die­sen Leis­tun­gen ist daher von der Kran­ken­kas­se häus­li­che Kran­ken­pfle­ge zu gewäh­ren.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urtei­le vom 25. Febru­ar 2015 – B 3 KR 10/​14 R und B 3 KR 11/​14 R