Haf­tung für Bilanz­ma­ni­pu­la­tio­nen bei einer Kran­ken­kas­se

Ein Kran­ken­kas­sen-Vor­stand muss für Bilanz­ma­ni­pu­la­tio­nen Scha­dens­er­satz zah­len, ent­schied jetzt das Bun­des­so­zi­al­ge­richt.

Haf­tung für Bilanz­ma­ni­pu­la­tio­nen bei einer Kran­ken­kas­se

In dem vom BSG zu ent­schei­den­den Fall ver­schob die Beklag­te als allei­ni­ger Vor­stand einer Betriebs­kran­ken­kas­se Anfang 1997 in der BKK-Bilanz eine Viel­zahl von bereits im Jahr 1996 ange­fal­le­nen Rech­nungs­po­si­tio­nen in das Jahr 1997, um das hohe Defi­zit zu ver­schlei­ern und einer Schlie­ßung der BKK vor­zu­beu­gen. Die Pas­si­va in der Bilanz hät­ten bei ord­nungs­ge­mä­ßer Ver­bu­chung um ca 5,8 Mio DM höher aus­fal­len müs­sen und 1997 zu Bei­trags­satz­er­hö­hun­gen geführt. Ande­re BKKn ver­ei­nig­ten sich in Unkennt­nis die­ser Mani­pu­la­tio­nen zum 1. Janu­ar 1998 mit der BKK L. zu einer neu­en BKK, der ursprüng­li­chen Klä­ge­rin. Die­se neue BKK über­nahm die Beklag­te zunächst als Regio­nal­lei­te­rin und been­de­te die Anstel­lung nach Auf­de­ckung der Vor­gän­ge frist­los. Die jet­zi­ge Klä­ge­rin ist nach wei­te­ren Fusio­nen Rechts­nach­fol­ge­rin der ursprüng­li­chen Klä­ge­rin. Wäh­rend das Sozi­al­ge­richt Hal­le die Beklag­te an trags­ge­mäß auf Zah­lung von 265.645,94 € Scha­dens­er­satz als Teil einer Gesamt­for­de­rung von ca 15,6 Mio DM wegen vor­sätz­lich sit­ten­wid­ri­ger Schä­di­gung der Klä­ge­rin ver­ur­teilt hat, hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Sach­sen-Anhalt auf die Beru­fung der Beklag­ten hin den Haf­tungs­be­trag auf 51.129,19 € redu­ziert: Zwar habe die Beklag­te bei der Anbah­nung des An­stellungsvertrages mit der fusio­nier­ten BKK Auf­klä­rungs­pflich­ten ver­letzt, doch tref­fe, so das LSG, die BKK-Sei­te ein mit 4/​5 zu bewer­ten­des Mit­ver­schul­den.

Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt hat auf die Revi­si­on der kla­gen­den BKK hin das erst­in­stanz­li­che Urteil wie­der­her­ge­stellt und die Revi­si­on der Beklag­ten zurück­ge­wie­sen: Die Klä­ge­rin ver­langt, so das BSG, zu Recht u.a. Ersatz des Scha­dens, der bereits der ursprüng­li­chen BKK, deren Allein­vor­stand die Beklag­te war, durch die Mani­pu­la­ti­on ihrer Bilanz für das Jahr 1996 ent­stand. Die BKK konn­te den Scha­dens­er­satz wegen Ver­let­zung von Pflich­ten des Anstel­lungs­ver­trags ver­lan­gen. Denn die Beklag­te ver­schwieg ihre ver­fäl­schen­den Ein­grif­fe in die BKK-Bilanz im Jah­re 1997 und ver­letz­te damit fort­ge­setzt und vor­sätz­lich gegen­über ihrer dama­li­gen Arbeit­ge­be­rin die Pflicht, zutref­fend über die Ver­mö­gens­si­tua­ti­on der BKK zu infor­mie­ren. Dadurch unter­ließ die BKK die recht­lich an sich gebo­te­ne Bei­trags­satz­er­hö­hun­gen, und es ent­gin­gen ihr Bei­trags­ein­nah­men, die sie spä­ter nach der Kran­ken­kas­sen-Fusi­on nicht mehr rea­li­sie­ren konn­te. Der Scha­dens­er­satz­an­spruch ist auf die Klä­ge­rin im Rah­men der Rechts­nach­fol­ge über­ge­gan­gen. Die BKK traf kei­ner­lei Mit­ver­schul­den.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 5. Mai 2009 – B 1 KR 9/​08 R