Pro­zess­kos­ten­hil­fe – und die Rechts­schutz­gleich­heit vor dem Sozi­al­ge­richt

Es ver­letzt die ver­fas­sungs­recht­lich gewähr­leis­te­te Rechts­schutz­gleich­heit, wenn Pro­zess­kos­ten­hil­fe im Hin­blick auf die (zuspre­chen­de) Haupt­sa­che­ent­schei­dung ver­sagt wird, obwohl das Kos­ten­ri­si­ko des Klä­gers auf­grund der Anfecht­bar­keit der Haupt­sa­che­ent­schei­dung nicht voll­stän­dig ent­fal­len ist.

Pro­zess­kos­ten­hil­fe – und die Rechts­schutz­gleich­heit vor dem Sozi­al­ge­richt

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts gebie­tet das Grund­ge­setz mit Art. 3 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art.19 Abs. 4 und Art.20 Abs. 3 GG eine weit­ge­hen­de Anglei­chung der Situa­ti­on von Bemit­tel­ten und Unbe­mit­tel­ten bei der Ver­wirk­li­chung des Rechts­schut­zes.

Zwar wird weit­hin ver­tre­ten, dass das Rechts­schutz­be­dürf­nis für einen Pro­zess­kos­ten­hil­fe­an­trag ent­fällt, wenn der Ver­fah­rens­geg­ner (end­gül­tig) kos­ten­er­stat­tungs­pflich­tig ist, oder dass die per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Grün­de für die Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe feh­len, da Unbe­mit­tel­te bereits durch die Kos­ten­er­stat­tung Bemit­tel­ten gleich­ge­stellt wer­den 1.

Dies kann jedoch nur gel­ten, wenn das Kos­ten­ri­si­ko tat­säch­lich voll­stän­dig ent­fal­len ist. So liegt es, wenn sich der Ver­fah­rens­geg­ner frei­wil­lig zur Kos­ten­über­nah­me ver­pflich­tet, aber dar­an fehlt es bei der Ver­pflich­tung des Ver­fah­rens­geg­ners zur Kos­ten­über­nah­me durch eine anfecht­ba­re Haupt­sa­che­ent­schei­dung, da die­se im Rechts­mit­tel­ver­fah­ren auf­ge­ho­ben wer­den kann, wor­auf­hin die zunächst begüns­tig­te Par­tei ihre Kos­ten für das erst­in­stanz­li­che Ver­fah­ren letzt­lich selbst zu tra­gen hat.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 25. August 2015 – 1 BvR 3474/​13

  1. vgl. Thü­rin­ger LSG, Beschluss vom 13.02.2012 – L 4 AS 1197/​11 B; Säch­si­sches LSG, Beschluss vom 22.06.2011 – L 3 AS 290/​10 B PKH[]