Rabatt­ver­trä­ge und die Apotheker

Kran­ken­kas­sen dür­fen bei der Aus­schrei­bung von Rabatt­ver­trä­gen für wirk­stoff­glei­che Medi­ka­men­te den Zuschlag an drei phar­ma­zeu­ti­sche Unter­neh­men gleich­zei­tig ertei­len; dies ver­stößt nicht gegen das ver­ga­be­recht­li­che Trans­pa­renz­ge­bot oder das Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot. Die Aus­wahl des kon­kret an den Ver­si­cher­ten abzu­ge­ben­den Arz­nei­mit­tels darf dann der Apo­the­ker tref­fen, nach Maß­ga­be der gesetz­li­chen Vor­schrif­ten und der bestehen­den ver­trag­li­chen Vereinbarungen. 

Rabatt­ver­trä­ge und die Apotheker

Mit die­ser Ent­schei­dung hob jetzt das Lan­des­so­zi­al­ge­richts Nord­rhein-West­fa­len in Essen in einem von gesetz­li­chem Kran­ken­kas­sen betrie­be­nen Eil­ver­fah­ren eine ent­ge­gen­ste­hen­de Ent­schei­dung der Ver­ga­be­kam­mer des Bun­des auf; die für eine Aus­schrei­bung, die 18 ver­schie­de­ne Wirk­stof­fe betraf, eine Beschrän­kung auf nur ein Unter­neh­men je Ver­ga­be­los gefor­dert hatte. 

Anders als die Ver­ga­be­kam­mer des Bun­des sah das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len in dem Abschluss eines Rah­men­ver­tra­ges mit drei Ver­trags­part­nern kei­nen Ver­stoß gegen das Wett­be­werbs­prin­zip, schon weil die­se Mög­lich­keit gesetz­lich aus­drück­lich vor­ge­se­hen sei. Ent­schei­dend dafür spre­che ins­be­son­de­re der Gesichts­punkt der Com­pli­an­ce, also der Akzep­tanz und ver­schrei­bungs­ge­mä­ßen Ein­nah­me von Medi­ka­men­ten durch die Pati­en­ten. Stün­den den Ver­si­cher­ten meh­re­re wirk­stoff­glei­che Medi­ka­men­te zur Wahl, sei eher damit zu rech­nen, dass auch den Ver­si­cher­ten bekann­te und von ihnen akzep­tier­te Medi­ka­men­te dar­un­ter seien.

Eben­so wenig sah das Lan­des­so­zi­al­ge­richt die von der Aus­schrei­bung vor­ge­se­he­ne Aus­wahl des abzu­ge­ben­den Medi­ka­ments durch den Apo­the­ker als ver­ga­be­rechts­wid­rig an. Der Gesetz­ge­ber habe, so die Esse­ner Rich­ter, den Apo­the­kern eine auto­no­me Ent­schei­dungs­be­fug­nis bei der Abga­be von Arz­nei­mit­teln ein­ge­räumt und sie für rabat­tier­te Arz­nei­mit­tel nicht ein­ge­schränkt. Auch inso­weit sei­en Apo­the­kern ver­ant­wort­li­che Teil­neh­mer bei der Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung der Bevölkerung.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len, Beschluss vom 3. Sep­tem­ber 2009 -L 21 KR 51/​09 SFB (rechts­kräf­tig)