Sozi­al­ver­si­che­rungs­pflicht für Kung-Fu-Leh­rer

Selb­stän­di­ge Leh­rer für Tai Chi und Kung Fu unter­lie­gen der Ver­si­che­rungs­pflicht in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung. Sie sind jedoch kei­ne Künst­ler im Sin­ne der Sozi­al­ver­si­che­rung. Des­halb sind sie, sofern sie kei­ne ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Arbeit­neh­mer beschäf­ti­gen, als selb­stän­di­ge Leh­rer in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung ver­si­che­rungs­pflich­tig.

Sozi­al­ver­si­che­rungs­pflicht für Kung-Fu-Leh­rer

Dies hat das Sozi­al­ge­richt Mainz in einer jüngst ver­öf­fent­lich­ten Ent­schei­dung bezüg­lich eines Klä­gers ent­schie­den, der in Schu­len und Sport­hal­len die aus der chi­ne­si­schen Kampf­kunst abge­lei­te­ten Bewe­gungs­me­tho­den unter­rich­tet. Der Argu­men­ta­ti­on des Klä­gers, er sei ein nicht ver­si­che­rungs­pflich­ti­ger Künst­ler, weil im Zen­trum der von ihm gelehr­ten Übun­gen For­men ste­hen, die sich aus meh­re­ren Bil­dern und Ein­zel­be­we­gun­gen zusam­men­set­zen und die Dar­bie­tun­gen in Grup­pen mit Bal­lett­auf­füh­run­gen ver­gleich­bar sei­en, hat sich das Sozi­al­ge­richt Mainz nicht ange­schlos­sen.

In sei­ner Ent­schei­dung hat es aus­ge­führt, der Gesetz­ge­ber habe den Begriff der Kunst nicht abschlie­ßend defi­niert. Was als Kunst zu bewer­ten sei, sei im Sozi­al­recht des­halb unter Berück­sich­ti­gung des Rege­lungs­wer­kes des Künst­ler­so­zi­al­ver­si­che­rungs­ge­set­zes, der all­ge­mei­nen Ver­kehrs­auf­fas­sung und der his­to­ri­schen Ent­wick­lung zu bestim­men. Danach sei Kunst das, was Ergeb­nis eines krea­ti­ven Pro­zes­ses sei und von der jewei­li­gen Gesell­schaft als Kunst aner­kannt wer­de. Bei dar­stel­len­der Kunst wer­de zwi­schen den Haupt­spar­ten Thea­ter, Tanz und Film unter­schie­den.

Unter Anwen­dung die­ser Kri­te­ri­en sei der vom Klä­ger erteil­te Unter­richt nach sei­nem Gesamt­bild mehr dem Unter­richt eines Fit­ness- und Gym­nas­tik­leh­rers als der Tätig­keit eines Künst­lers zuzu­ord­nen. Es han­de­le sich nicht um „Leh­re von Kunst“, weil Thai Chi und Kung Fu über­wie­gend päd­ago­gi­sche, the­ra­peu­ti­sche, gym­nas­ti­sche und medi­ta­ti­ve Ele­men­te hät­ten. So sei­en die­se Bewe­gungs­for­men bei­spiels­wei­se in Chi­na eine Art Volks­sport, des­sen Ziel es sei, auf Kör­per und See­le der Men­schen posi­ti­ve Aus­wir­kun­gen zu erzie­len. Die Art der Bewe­gungs­ab­läu­fe habe zwar bei bei­den Aus­übungs­for­men künst­le­ri­sche Ele­men­te. Dies sei jedoch – ähn­lich wie bei der rhyth­mi­schen Sport­gym­nas­tik – nicht aus­rei­chend, um den Unter­richt oder Auf­füh­run­gen von Tai Chi und Kung Fu als dar­stel­len­de Kunst zu bewer­ten. Der beklag­te Ren­ten­ver­si­che­rungs­trä­ger hat daher zu Recht ent­schie­den, dass der Klä­ger, ähn­lich wie ein selb­stän­dig tätig wer­den­der Aero­bic-Leh­rer, grund­sätz­lich der Ver­si­che­rungs­pflicht unter­liegt.

Sozi­al­ge­richt Mainz, Urteil vom 26. März 2012 – S 1 R 340/​09