Wider­spruchs­be­schei­de in Schwer­be­hin­der­ten­an­ge­le­gen­hei­ten in NRW

Die Son­der­zu­stän­dig­keit der Bezirks­re­gie­rung Müns­ter für den Erlass von Wider­spruchs­be­schei­den in Ange­le­gen­hei­ten des Schwer­be­hin­der­ten­rechts in Nord­rhein-West­fa­len ist rück­wir­kend seit dem 01.01.2008 rechts­wirk­sam. Das jeden­falls ent­schied das Sozi­al­ge­richt Dort­mund im Fal­le eines behin­der­ten Man­nes aus Nach­rodt-Wib­lingwer­de, der gegen einen Bescheid des Mär­ki­schen Kreis zur fest­ge­stell­ten Höhe sei­nes Gra­des der Behin­de­rung (GdB) Wider­spruch ein­ge­legt hat­te. Die Bezirks­re­gie­rung Müns­ter wies den Wider­spruch im Juli 2008 als unbe­grün­det zurück.

Wider­spruchs­be­schei­de in Schwer­be­hin­der­ten­an­ge­le­gen­hei­ten in NRW

Die hier­ge­gen von dem behin­der­ten Mann erho­be­ne Kla­ge blieb ohne Erfolg. Das Sozi­al­ge­richt Dort­mund sah in der Bezirks­re­gie­rung Müns­ter die sach­lich und ört­lich zustän­di­ge Wider­spruchs­be­hör­de. Mit dem rück­wir­kend zum 01.01.2008 in Kraft gesetz­ten § 4a des Geset­zes zur Aus­füh­rung des Sozi­al­ge­richts­ge­set­zes in NRW i.d.F. vom 26.01.2010 habe der Lan­des­ge­setz­ge­ber die Son­der­zu­stän­dig­keit der Behör­de begrün­det. Dies sei als Reak­ti­on auf ein Urteil des Lan­des­so­zi­al­ge­richts Nord­rhein-West­fa­len 1 erfolgt und sol­le ver­hin­dern, dass seit der Auf­lö­sung der Ver­sor­gungs­ver­wal­tung erlas­se­ne Wider­spruchs­be­schei­de der Bezirks­re­gie­rung Müns­ter in gericht­li­chen Ver­fah­ren auf­zu­he­ben sei­en.

Die ange­ord­ne­te Rück­wir­kung der Vor­schrift begeg­net zumin­dest nach Auf­fas­sung des Sozi­al­ge­richts Dort­mund kei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken. Die betrof­fe­nen behin­der­ten Men­schen hät­ten kein schutz­wür­di­ges Ver­trau­en dar­in ent­wi­ckeln kön­nen, dass es sich bei den Fest­stel­lungs­ver­fah­ren im Schwer­be­hin­der­ten­recht um kom­mu­na­le Selbst­ver­wal­tungs­auf­ga­ben han­de­le und des­halb die Bezirks­re­gie­rung Müns­ter als Wider­spruchs­be­hör­de unzu­stän­dig gewe­sen sei­en kön­ne. Viel­mehr sei seit der Auf­lö­sung der Ver­sor­gungs­ver­wal­tung im Hin­blick auf die behörd­li­chen Zustän­dig­kei­ten eine unkla­re und ver­wor­re­ne Rechts­la­ge ent­stan­den, die sich in zahl­rei­chen gegen­läu­fi­gen sozi­al­ge­richt­li­chen Ent­schei­dun­gen zei­ge. Bei der Bestim­mung der zustän­di­gen Wider­spruchs­be­hör­de han­de­le es sich zudem um eine Ver­fah­rens­re­ge­lung, die für den Bür­ger gerin­ge Bedeu­tung habe.

Sozi­al­ge­richt Dort­mund, Urteil vom 12. Febru­ar 2010 – S 51 (3) SB 205/​08

  1. LSG NRW, Urteil vom 16.12.2009 – L 10 SB 39/​09[]