Andro­hung von Ver­zö­ge­rungs­geld

Die Andro­hung von Ver­zö­ge­rungs­geld ist nach Ansicht des Finanz­ge­richts Rhein­land-Pfalz kein Ver­wal­tungs­akt.

Andro­hung von Ver­zö­ge­rungs­geld

Im hier ent­schie­de­nen Streit­fall hat­te der Außen­prü­fer des Finanz­am­tes im Rah­men einer steu­er­li­chen Außen­prü­fung bei einer GmbH die Vor­la­ge ganz bestimm­ter Unter­la­gen ange­for­dert. Nach­dem die­se Anfor­de­rung nicht erfüllt wor­den war, for­der­te das Finanz­amt mit Schrei­ben vom 19. Janu­ar 2011 die Vor­la­ge ver­schie­de­ner Belege/​Unterlagen zur Fort­set­zung der Außen­prü­fung an. Ergän­zend wur­de in dem Schrei­ben mit­ge­teilt, dass beab­sich­tigt sei, ein Ver­zö­ge­rungs­geld von 2.500.- € fest­zu­set­zen, wenn der Auf­for­de­rung in der gesetz­ten Frist nicht nach­ge­kom­men wer­de. Dem Schrei­ben war eine Rechts­be­helfs­be­leh­rungEin­spruch- bei­gefügt.

Im dar­auf­hin erho­be­nen Ein­spruch „gegen den Ver­wal­tungs­akt vom 19. Janu­ar 2011“ ver­trat die GmbH u.a. die Ansicht, dass der ange­foch­te­ne Ver­wal­tungs­akt nicht hin­rei­chend bestimmt sei.

Das Finanz­amt wies den Ein­spruch zurück und lehn­te die gleich­zei­tig bean­trag­te Aus­set­zung der Voll­zie­hung ab. Dage­gen wand­te sich die GmbH mit dem Begeh­ren der Aus­set­zung der Voll­zie­hung an das Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz in Neu­stadt mit der Begrün­dung, für den ange­foch­te­nen Ver­wal­tungs­akt gebe es kei­ne Rechts­grund­la­ge (über die gleich­zei­tig erho­be­ne Kla­ge ist noch nicht ent­schie­den).

Das Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz war dage­gen u.a. der Ansicht, die Vor­aus­set­zun­gen für die Gewäh­rung einer Aus­set­zung der Voll­zie­hung lägen nicht vor. Der Aus­set­zungs­an­trag habe im Ergeb­nis des­halb kei­nen Erfolg, weil es im Streit­fall ersicht­lich an einem der Aus­set­zung der Voll­zie­hung fähi­gen Ver­wal­tungs­akt feh­le. Die GmbH wen­de sich aus­schließ­lich gegen die Andro­hung der Fest­set­zung eines Ver­zö­ge­rungs­gel­des. Bei dem Schrei­ben des Finanz­am­tes vom 19. Janu­ar 2011 han­de­le es jedoch nicht um einen Ver­wal­tungs­akt. Nach dem kla­ren Wort­laut des Schrei­bens habe das Finanz­amt ein Ver­zö­ge­rungs­geld gera­de nicht fest­ge­setzt, son­dern ledig­lich auf die Fol­gen der Nicht­vor­la­ge der Unter­la­gen ver­wie­sen. Die­se ledig­lich vor­be­rei­ten­de Absichts­er­klä­rung ent­fal­te kei­ner­lei Rechts­wir­kung. Dem ste­he auch nicht ent­ge­gen, dass dem Schrei­ben eine Rechts­be­helfs­be­leh­rung bei­gefügt gewe­sen sei, denn das Vor­han­den­sein einer sol­chen habe ledig­lich indi­zi­el­le Bedeu­tung. Die Rechts­be­helfs­be­leh­rung erwäh­ne zudem aus­drück­lich die „bekannt gege­be­ne Ent­schei­dung“. Zur Fra­ge eines Ver­zö­ge­rungs­gel­des habe das Finanz­amt indes kei­ne Ent­schei­dung getrof­fen.

Etwas ande­res kön­ne auch nicht dar­aus geschlos­sen wer­den, dass beim – hier nicht gege­be­nen – Zwangs­geld ein gesetz­li­ches Gebot vor­han­den sei, ein sol­ches schrift­lich anzu­dro­hen. Die Andro­hung eines Zwangs­gel­des sei zwar ein selb­stän­di­ger Ver­wal­tungs­akt. Das Zwangs­geld habe jedoch prä­ven­ti­ven Cha­rak­ter, wäh­rend das Ver­zö­ge­rungs­geld gera­de kein Zwangs­mit­tel sei. Das Ver­zö­ge­rungs­geld sol­le nach der Geset­zes­be­grün­dung den Steu­er­pflich­ti­gen zur zeit­na­hen Mit­wir­kung anhal­ten, es sei ein Druck­mit­tel eige­ner Art und habe auch repres­si­ven Cha­rak­ter. Da Zwangs­geld (§§ 328 ff AO) und Ver­zö­ge­rungs­geld (§ 146 Abs. 2b AO) nicht ver­gleich­bar sei­en, kom­me hier eine ana­lo­ge Anwen­dung der Vor­schrif­ten über das Zwangs­geld nicht in Betracht. Han­de­le es sich dem­nach im Schrei­ben des Finanz­am­tes vom 19. Janu­ar 2011 nicht um eine Andro­hung im Sin­ne eines Zwangs­mit­tels, kom­me ihm auch nicht die recht­li­che Wir­kung eines selb­stän­di­gen Ver­wal­tungs­ak­tes zu.

Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Beschluss vom 29. Juli 2011 – 1 V 1151/​11