Begründung(sfrist) eines Wiedereinsetzungsantrags

Innerhalb der Frist zur Begründung eines Antrags auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand (hier: gemäß § 110 AO) müssen grundsätzlich auch die Umstände dargelegt werden, aus denen sich ergibt, dass der Antragsteller die Wiedereinsetzung rechtzeitig nach Behebung des Hindernisses beantragt hat (Bestätigung der Rechtsprechung).

Begründung(sfrist) eines Wiedereinsetzungsantrags

Die Rechtsfrage, ob zum Vortrag der wesentlichen Tatsachen i.S. des § 110 Abs. 2 AO hinsichtlich der Beschreibung des Hindernisses auch die Bezeichnung des Datums gehöre, zu dem das Hindernis weggefallen sei, ist sowohl vom Bundesfinanzhof wie von den anderen obersten Bundesgerichten  -zu entsprechenden Regelungen über die Wiedereinsetzung in anderen Verfahrensordnungen- bereits entschieden.  Danach muss innerhalb der Antragsfrist für die Wiedereinsetzung auch dargelegt werden, dass die Antragsfrist gewahrt ist, und müssen daher auch die Umstände dargelegt werden, aus denen sich ergibt, dass der Antragsteller die Wiedereinsetzung rechtzeitig nach Behebung des Hindernisses beantragt hat1.

Etwas anderes gilt nur, sofern es sich um allgemein- oder gerichtskundige, insbesondere aktenkundige Tatsachen handelt2. Gründe dafür, die Rechtslage im Rahmen von § 110 Abs. 2 AO abweichend von den Wiedereinsetzungsvorschriften der genannten Verfahrensordnungen zu beurteilen, sind für den Bundesfinanzhof nicht erkennbar.

Bundesfinanzhof, Beschluss vom 5. April 2023 – I B 98/21

  1. zu § 56 FGO: BFH, Urteil vom 08.03.2007 – IV R 41/05, BFH/NV 2007, 1813; BFH, Beschlüsse vom 05.12.1990 – II B 66/90, BFH/NV 1991, 335; vom 13.10.1993 – II B 130/93, BFH/NV 1994, 254; vom 27.08.1997 – XI B 118, 119, 149/96, – XI S 43, 44, 50/96, BFH/NV 1998, 617; zu § 60 VwGO: BVerwG, Beschluss vom 05.10.1984 – 9 B 10668.83, Buchholz, Sammel- und Nachschlagewerk der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts, Nr. 143 zu § 60 VwGO; zu § 236 ZPO: BGH, Beschluss vom 20.09.1989 – IVb ZB 91/89, HFR 1991, 238; s.a. Söhn in Hübschmann/Hepp/Spitaler, § 110 AO Rz 495; Klein/Rätke, AO, 16. Aufl., § 110 Rz 102, Brandis in Tipke/Kruse, § 56 FGO Rz 18; Bruns in Gosch, FGO § 56 Rz 42[]
  2. vgl. BVerfG, Beschluss vom 30.03.1995 – 2 BvR 2119/94, NJW, 1995, 2544[]
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