Berich­ti­gung eines Steu­er­be­scheids wegen offen­ba­rer Unrich­tig­keit

Nach § 129 Satz 1 AO kön­nen Schreib­feh­ler, Rechen­feh­ler und ähn­li­che offen­ba­re Unrich­tig­kei­ten, die beim Erlass eines Ver­wal­tungs­akts unter­lau­fen sind, jeder­zeit berich­tigt wer­den. Bei berech­tig­tem Inter­es­se des Betei­lig­ten ist zu berich­ti­gen (Satz 2).

Berich­ti­gung eines Steu­er­be­scheids wegen offen­ba­rer Unrich­tig­keit

Ähn­li­che offen­ba­re Unrich­tig­kei­ten sind sol­che, die mit Schreib- und Rechen­feh­lern wer­tungs­mä­ßig ver­gleich­bar sind. Sie müs­sen eben­so mecha­nisch sein wie Schreib- oder Rechen­feh­ler, also ohne wei­te­re Prü­fung erkannt und berich­tigt wer­den kön­nen.

§ 129 AO ist nicht anwend­bar, wenn auch nur die ernst­haf­te Mög­lich­keit besteht, dass die Nicht­be­ach­tung einer fest­ste­hen­den Tat­sa­che in einer feh­ler­haf­ten Tat­sa­chen­wür­di­gung oder einem sons­ti­gen sach­ver­halts­be­zo­ge­nen Denk­feh­ler oder Über­le­gungs­feh­ler begrün­det ist oder auf man­geln­der Sach­ver­halts­auf­klä­rung beruht 1.

Im Übri­gen kann eine offen­ba­re Unrich­tig­keit im Sin­ne die­ser Vor­schrift auch vor­lie­gen, wenn in einem Steu­er­be­scheid die von der Behör­de beab­sich­tig­te Anord­nung eines Nach­prü­fungs­vor­be­halts ver­se­hent­lich unter­blie­ben ist. Das wie­der­um ist regel­mä­ßig anzu­neh­men, wenn ein in der Akten­ver­fü­gung ent­hal­te­ner Vor­be­halts­ver­merk nicht in den bekannt zu geben­den Bescheid über­nom­men wur­de; sofern kei­ne Anhalts­punk­te dafür vor­lie­gen, dass die­ses Vor­ge­hen auf einer bewuss­ten Ent­schei­dung des den Bescheid erstel­len­den Bear­bei­ters beruht, kann des­halb die Anord­nung des Vor­be­halts im Wege der Berich­ti­gung nach­ge­holt wer­den 2.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 20. August 2014 – I R 60/​13

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung, z.B. BFH, Urteil vom 19.03.2009 – IV R 84/​06, BFH/​NV 2009, 1394[]
  2. BFH, Urteil vom 22.02.2006 – I R 125/​04, BFHE 211, 424, BSt­Bl II 2006, 400, m.w.N.[]