Das Finanz­ge­richt und die unan­ge­mes­sen lan­ge Ver­fah­rens­dau­er

Gemäß § 198 Abs. 1 Satz 2 GVG rich­tet sich die Ange­mes­sen­heit der Ver­fah­rens­dau­er nach den Umstän­den des Ein­zel­falls, ins­be­son­de­re nach der Schwie­rig­keit und Bedeu­tung des Ver­fah­rens und nach dem Ver­hal­ten der Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten und Drit­ter.

Das Finanz­ge­richt und die unan­ge­mes­sen lan­ge Ver­fah­rens­dau­er

Vor­be­halt­lich etwai­ger Beson­der­hei­ten des kon­kre­ten Ein­zel­falls spricht aller­dings bei einem finanz­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren, das im Ver­gleich zu dem bei der­ar­ti­gen Ver­fah­ren typi­schen Ablauf kei­ne wesent­li­chen Beson­der­hei­ten auf­weist, eine Ver­mu­tung dafür, dass die Dau­er des Ver­fah­rens ange­mes­sen ist, wenn das Gericht gut zwei Jah­re nach Ein­gang der Kla­ge mit Maß­nah­men beginnt, die das Ver­fah­ren einer Ent­schei­dung zufüh­ren sol­len, und die damit begon­ne­ne Pha­se der gericht­li­chen Akti­vi­tät nicht durch nen­nens­wer­te Umstän­de unter­bro­chen wird, in denen das Gericht das Ver­fah­ren unbe­ar­bei­tet lässt1.

Dies gilt dann nicht, wenn der Ver­fah­rens­be­tei­lig­te recht­zei­tig und in nach­voll­zieh­ba­rer Wei­se auf Umstän­de hin­weist, aus denen eine beson­de­re Eil­be­dürf­tig­keit des Ver­fah­rens folgt.

Dass der Klä­ger einem Ruhen des Ver­fah­rens nicht zuge­stimmt hat, berech­tigt zwar das Finanz­ge­richt nicht, das Ver­fah­ren gleich­wohl ent­ge­gen dem Wil­len des Klä­gers ruhen zu las­sen, weil die Anord­nung des Ruhens des Ver­fah­rens gemäß § 155 Satz 1 FGO i.V.m. § 251 ZPO das Ein­ver­ständ­nis des Klä­gers und des Beklag­ten vor­aus­setzt2. Das feh­len­de Ein­ver­ständ­nis eines Betei­lig­ten bedeu­tet aber umge­kehrt nicht, dass das Ver­fah­ren allein schon wegen der ver­wei­ger­ten Zustim­mung zur Ver­fah­rens­ru­he als Eil­fall zu behan­deln ist. Viel­mehr ist eine Behand­lung im nor­ma­len Geschäfts­gang gebo­ten.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 9. April 2014 – X K 10/​13

  1. vgl. BFH, Urteil in BFHE 243, 126, BSt­Bl II 2014, 179 []
  2. Gräber/​Koch, Finanz­ge­richts­ord­nung, 7. Aufl., § 74 Rz 23 []