Das wäh­rend des Kla­ge­ver­fah­rens geän­der­te Aus­kunfts­er­su­chen

Wird ein Aus­kunfts­er­su­chen wäh­rend des Kla­ge­ver­fah­rens geän­dert, ist für die gericht­li­che Kon­trol­le auf die Sach- und Rechts­la­ge im Zeit­punkt des Erlas­ses des geän­der­ten Bescheids abzu­stel­len.

Das wäh­rend des Kla­ge­ver­fah­rens geän­der­te Aus­kunfts­er­su­chen

§ 68 Satz 1 FGO greift auch ein, wenn der ersetz­te Bescheid eine Ermes­sens­ent­schei­dung zum Gegen­stand hat. § 68 Satz 1 FGO erlaubt die voll­stän­di­ge Erset­zung des ange­foch­te­nen Bescheids und ent­hält ‑anders als § 102 Satz 2 FGO- im Hin­blick auf die Ermes­sens­aus­übung kei­ne Ein­schrän­kung 1. Bei einer geän­der­ten Ermes­sens­ent­schei­dung liegt es typi­scher­wei­se eben­falls im Inter­es­se des Klä­gers, dass die strei­ti­gen Sach- und Rechts­fra­gen im bereits anhän­gi­gen Ver­fah­ren geklärt wer­den 2. Ent­spre­chen­des gilt, wenn die Finanz­be­hör­de im finanz­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren ein Aus­kunfts­er­su­chen abän­dert, das auf die Ertei­lung von Aus­künf­ten für zukünf­ti­ge, inzwi­schen aber abge­lau­fe­ne Zeit­räu­me gerich­tet war und inso­weit kei­ne geson­der­ten Ermes­sens­er­wä­gun­gen ent­hielt. Auch in die­sem Fall ent­spricht es dem Inter­es­se des Klä­gers, eine abschlie­ßen­de Klä­rung der Streit­sa­che her­bei­zu­füh­ren, ohne ein erneu­tes Vor­ver­fah­ren (gegen den Ände­rungs­be­scheid) durch­füh­ren zu müs­sen.

Nach die­sen Grund­sät­zen ist der in der münd­li­chen Ver­hand­lung vom Finanz­amt erlas­se­ne Bescheid Gegen­stand des Ver­fah­rens gewor­den. Hier­in liegt eine Ände­rung des Aus­gangs­be­scheids in Gestalt der Ein­spruchs­ent­schei­dung vor, wobei die ursprüng­li­chen Ermes­sens­er­wä­gun­gen über­nom­men wur­den.

Für die gericht­li­che Kon­trol­le ist die Sach- und Rechts­la­ge im Zeit­punkt der letz­ten Ver­wal­tungs­ent­schei­dung zugrun­de zu legen. Maß­geb­li­cher Zeit­punkt ist daher regel­mä­ßig der Zeit­punkt des Erlas­ses der Ein­spruchs­ent­schei­dung. Ist, wie auch im Streit­fall, nach Erlass der Ein­spruchs­ent­schei­dung ein geän­der­ter Bescheid erlas­sen wor­den, der gemäß § 68 Satz 1 FGO zum Gegen­stand des Kla­ge­ver­fah­rens gewor­den ist, ist für die gericht­li­che Kon­trol­le auf die Sach- und Rechts­la­ge im Zeit­punkt des Erlas­ses die­ses geän­der­ten Bescheids abzu­stel­len 3.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 12. Mai 2016 – II R 17/​14

  1. vgl. BFH, Urteil vom 16.12 2008 – I R 29/​08, BFHE 224, 195, BSt­Bl II 2009, 539, unter II. 2.c und II. 2.d[]
  2. vgl. Gräber/​Herbert, Finanz­ge­richts­ord­nung, 8. Aufl., § 68 Rz 10[]
  3. vgl. BFH, Urteil in BFH/​NV 2014, 1507, Rz 26, m.w.N.[]