Die Bindung an das zurückverweisende Revisionsurteil nach § 126 Abs. 5 der Finanzgerichtsordnung (FGO) tritt nicht nur hinsichtlich der Gründe ein, die zur Aufhebung des Urteils des Finanzgerichts führen, sondern besteht auch hinsichtlich der abschließenden rechtlichen Beurteilung anlässlich der Zurückverweisung.
Das Finanzgericht verstößt gegen § 126 Abs. 5 FGO, indem es seiner Entscheidung nicht die rechtliche Beurteilung des Revisionsurteils des Bundesfinanzhofs zugrundelegt.
Gemäß § 126 Abs. 5 FGO hat das Gericht, an das die Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung zurückverwiesen worden ist, seiner Entscheidung die rechtliche Beurteilung des Bundesfinanzhofs zugrunde zu legen. Die Bindung tritt nicht nur hinsichtlich der Gründe ein, die zur Aufhebung des Finanzgerichtes, Urteils führen, sondern auch hinsichtlich der Gründe, die zur Zurückverweisung der Sache an das Finanzgericht führen1. Eine Bindung besteht insbesondere hinsichtlich der abschließenden rechtlichen Beurteilung anlässlich der Zurückverweisung durch den Bundesfinanzhof2. Die Bindung bestünde selbst dann, wenn das Urteil des Bundesfinanzhofs rechtsfehlerhaft wäre3. Entzieht sich das Finanzgericht der Bindungswirkung, ohne dass eine Ausnahme hiervon vorliegt (hierzu unter c), handelt es sich um einen Verfahrensmangel4.
Die Bindung kann nur entfallen, wenn sich nachträglich die maßgebenden Umstände geändert haben, und zwar entweder, weil sich der zugrunde gelegte Sachverhalt in einer für die Entscheidung erheblichen Weise geändert hat5, sich einschlägige Gesetzesbestimmungen rückwirkend geändert haben oder sich die höchstrichterliche Rechtsprechung des entscheidenden Senats des Bundesfinanzhofs, des Großen Senats des Bundesfinanzhofs, des Gemeinsamen Senats der obersten Gerichtshöfe des Bundes oder des Gerichtshofs der Europäischen Union -unabhängig von dem Streitfall- geändert hat6.
Grundsätzlich im selben Umfang wie das Finanzgericht ist auch der Bundesfinanzhof an die dem zurückverweisenden Urteil zugrunde liegende Rechtsauffassung gebunden (sogenannte Selbstbindung des Revisionsgerichts im zweiten Rechtsgang)7. Diese Bindung ist unabhängig davon, ob das Urteil formell- oder materiell-rechtlich richtig ist8.
Bundesfinanzhof, Urteil vom 11. März 2025 – IX R 11/22
- BFH, Urteile vom 04.11.2004 – III R 38/02, BFHE 208, 155, BStBl II 2005, 271, unter II. 3.a; vom 17.05.2006 – VIII R 21/04, BFH/NV 2006, 1839; vom 13.12.2017 – XI R 12/16, Rz 16, jeweils m.w.N.[↩]
- BFH, Urteile vom 23.10.1991 – I R 52/90, BFH/NV 1992, 271; vom 17.09.1992 – IV R 78/90, BFH/NV 1993, 398; vom 17.05.2006 – VIII R 21/04, BFH/NV 2006, 1839; und vom 13.12.2017 – XI R 12/16, Rz 17[↩]
- BFH, Urteil vom 13.12.2017 – XI R 12/16, Rz 17, m.w.N.[↩]
- vgl. z.B. BFH, Urteil vom 08.11.2017 – IX R 35/15, Rz 23; BFH, Beschlüsse vom 28.12.2021 – X B 135/20, Rz 15; und vom 30.11.2020 – VIII B 138/19, Rz 4, m.w.N.[↩]
- vgl. BFH, Urteile vom 07.08.1990 – VII R 120/89, BFH/NV 1991, 569, unter II. 3.b; und vom 13.12.2017 – XI R 12/16, Rz 20[↩]
- vgl. BFH, Urteile vom 13.12.2017 – XI R 12/16, Rz 20; vom 08.11.1983 – VII R 141/82, BFHE 140, 11, BStBl II 1984, 317, unter II. 2.; BFH, Beschlüsse vom 22.02.2006 – I B 145/05, BFHE 213, 29, BStBl II 2006, 546, unter II. 2.d bb; vom 11.01.2007 – XI B 22/06, BFH/NV 2007, 909, unter 1.d; und vom 23.01.2019 – V B 103/18, Rz 16[↩]
- vgl. z.B. GemS-OBG, Beschluss vom 06.02.1973 – GmS-OGB 1/72, BFHE 109, 206, unter 4.; BFH (GrS), Beschluss vom 04.10.1973 – GrS 8/70, BFHE 110, 322, BStBl II 1974, 12; BFH, Beschluss vom 28.06.2024 – I B 75/22, Rz 36, m.w.N.[↩]
- z.B. BFH, Beschluss vom 02.05.1997 – I B 117/96, BFH/NV 1998, 18, unter 1.a[↩]










