Die fal­sche Tele­fon­aus­kunft des Finanz­am­tes

Die tele­fo­ni­sche Aus­kunft einer Sach­be­ar­bei­te­rin löst kei­ne Bin­dungs­wir­kung gegen­über dem Steu­er­pflich­ti­gen aus.

Die fal­sche Tele­fon­aus­kunft des Finanz­am­tes

Für eine Bin­dung des Finanz­amt an die tele­fo­ni­sche Aus­kunft sei­ner Sach­be­ar­bei­te­rin fehlt es hier schon an der nach stän­di­ger Recht­spre­chung erfor­der­li­chen Ertei­lung der Aus­kunft durch den zustän­di­gen Sach­ge­biets­lei­ter oder Vor­ste­her des Finanz­amts [1]. Die Zustän­dig­keit des han­deln­den Bediens­te­ten oder der han­deln­den Behör­den hat der Bun­des­fi­nanz­hof als Vor­aus­set­zung für die Bin­dungs­wir­kung von Aus­künf­ten oder Zusa­gen auch in jün­ge­rer Zeit unver­än­dert für not­wen­dig erach­tet [2].

Dem Steu­er­pflich­ti­gen steht inso­weit auch kein öffent­lich-recht­li­cher Fol­gen­be­sei­ti­gungs­an­spruch stüt­zen.

Ein sol­cher Fol­gen­be­sei­ti­gungs­an­spruch ent­steht, wenn durch hoheit­li­chen Ein­griff in ein sub­jek­ti­ves Recht ein noch andau­ern­der rechts­wid­ri­ger Zustand geschaf­fen wor­den ist; er ist auf die Wie­der­her­stel­lung des ursprüng­li­chen recht­mä­ßi­gen Zustands gerich­tet [3].

Auf­grund die­ser Beschrän­kung auf die Wie­der­her­stel­lung des ursprüng­li­chen Zustands kann der öffent­lich-recht­li­che Fol­gen­be­sei­ti­gungs­an­spruch in Bezug auf eine –wie hier behaup­tet– feh­ler­haf­te Aus­kunft allen­falls auf die Wie­der­her­stel­lung des vor der fal­schen Aus­kunft bestehen­den Zustands gerich­tet sein [4].

Einen dar­über hin­aus­ge­hen­den „finanz­recht­li­chen Her­stel­lungs­an­spruch“ wie im Sozi­al­recht gibt es im Steu­er­recht nicht [5].

In Betracht käme des­halb allen­falls ein Scha­dens­er­satz­an­spruch wegen einer ver­meint­li­chen Amts­pflicht­ver­let­zung (Art. 34 GG i.V.m. § 839 BGB)). Ein sol­cher Anspruch wäre jedoch vor den Zivil­ge­rich­ten, nicht aber vor den Finanz­ge­rich­ten gel­tend zu machen [6].

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 21. August 2012 – VIII R 33/​09

  1. BFH, Urtei­le vom 13.12.1989 – X R 208/​87, BFHE 159, 114, BStBl II 1990, 274; vom 27.10.1989 – III R 38/​88, BFH/​NV 1990, 369; vom 14.07.1992 – IX R 116/​88, BFH/​NV 1993, 99[]
  2. vgl. BFH, Urteil vom 24.06.1997 – VIII R 74/​94, BFH/​NV 1997, 843; BFH, Beschluss vom 11.02.2011 – V B 83/​09, BFH/​NV 2011, 963[]
  3. BFH, Beschluss vom 27.02.2007 – III B 158/​06, BFH/​NV 2007, 1090; BVerwG, Urtei­le vom 23.05.1989 – 7 C 2/​87, BVerw­GE 82, 76; vom 26.08.1993 – 4 C 24/​91, BVerw­GE 94, 100; und vom 15.06.2011 – 9 C 4/​10, BFH/​NV 2011, 2223[]
  4. BFH, Beschluss in BFH/​NV 2007, 1090; zur Unan­wend­bar­keit des Fol­gen­be­sei­ti­gungs­an­spruchs auf nur mit­tel­ba­re Fol­gen: FG Ham­burg, Urteil vom 17.08.2004 – III 369/​02; FG Mün­chen, Urteil vom 27.04.2006 – 5 K 4680/​03[]
  5. BFH, Urteil vom 24.02.2010 – III R 82/​07, BFH/​NV 2010, 1495, unter Bezug­nah­me auf den BFH, Beschluss vom 31.01.2007 – III B 167/​06, BFH/​NV 2007, 865, m.w.N.; vgl. auch BFH, Urteil vom 01.07.2008 – VII R 37/​07, BFH/​NV 2008, 2062, unter II.05.[]
  6. BFH, Beschlüs­se vom 08.04.1987 – VII B 142/​86, BFH/​NV 1988, 94, m.w.N.; und in BFH/​NV 2007, 1090; BFH, Urtei­le in BFH/​NV 2008, 2062; und in BFH/​NV 2010, 1495[]