Die falsche Telefonauskunft des Finanzamtes

Die telefonische Auskunft einer Sachbearbeiterin löst keine Bindungswirkung gegenüber dem Steuerpflichtigen aus.

Die falsche Telefonauskunft des Finanzamtes

Für eine Bindung des Finanzamt an die telefonische Auskunft seiner Sachbearbeiterin fehlt es hier schon an der nach ständiger Rechtsprechung erforderlichen Erteilung der Auskunft durch den zuständigen Sachgebietsleiter oder Vorsteher des Finanzamts1. Die Zuständigkeit des handelnden Bediensteten oder der handelnden Behörden hat der Bundesfinanzhof als Voraussetzung für die Bindungswirkung von Auskünften oder Zusagen auch in jüngerer Zeit unverändert für notwendig erachtet2.

Dem Steuerpflichtigen steht insoweit auch kein öffentlich-rechtlicher Folgenbeseitigungsanspruch stützen.

Ein solcher Folgenbeseitigungsanspruch entsteht, wenn durch hoheitlichen Eingriff in ein subjektives Recht ein noch andauernder rechtswidriger Zustand geschaffen worden ist; er ist auf die Wiederherstellung des ursprünglichen rechtmäßigen Zustands gerichtet3.

Aufgrund dieser Beschränkung auf die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands kann der öffentlich-rechtliche Folgenbeseitigungsanspruch in Bezug auf eine –wie hier behauptet– fehlerhafte Auskunft allenfalls auf die Wiederherstellung des vor der falschen Auskunft bestehenden Zustands gerichtet sein4.

Einen darüber hinausgehenden „finanzrechtlichen Herstellungsanspruch“ wie im Sozialrecht gibt es im Steuerrecht nicht5.

In Betracht käme deshalb allenfalls ein Schadensersatzanspruch wegen einer vermeintlichen Amtspflichtverletzung (Art. 34 GG i.V.m. § 839 BGB)). Ein solcher Anspruch wäre jedoch vor den Zivilgerichten, nicht aber vor den Finanzgerichten geltend zu machen6.

Bundesfinanzhof, Urteil vom 21. August 2012 – VIII R 33/09

  1. BFH, Urteile vom 13.12.1989 – X R 208/87, BFHE 159, 114, BStBl II 1990, 274; vom 27.10.1989 – III R 38/88, BFH/NV 1990, 369; vom 14.07.1992 – IX R 116/88, BFH/NV 1993, 99[]
  2. vgl. BFH, Urteil vom 24.06.1997 – VIII R 74/94, BFH/NV 1997, 843; BFH, Beschluss vom 11.02.2011 – V B 83/09, BFH/NV 2011, 963[]
  3. BFH, Beschluss vom 27.02.2007 – III B 158/06, BFH/NV 2007, 1090; BVerwG, Urteile vom 23.05.1989 – 7 C 2/87, BVerwGE 82, 76; vom 26.08.1993 – 4 C 24/91, BVerwGE 94, 100; und vom 15.06.2011 – 9 C 4/10, BFH/NV 2011, 2223[]
  4. BFH, Beschluss in BFH/NV 2007, 1090; zur Unanwendbarkeit des Folgenbeseitigungsanspruchs auf nur mittelbare Folgen: FG Hamburg, Urteil vom 17.08.2004 – III 369/02; FG München, Urteil vom 27.04.2006 – 5 K 4680/03[]
  5. BFH, Urteil vom 24.02.2010 – III R 82/07, BFH/NV 2010, 1495, unter Bezugnahme auf den BFH, Beschluss vom 31.01.2007 – III B 167/06, BFH/NV 2007, 865, m.w.N.; vgl. auch BFH, Urteil vom 01.07.2008 – VII R 37/07, BFH/NV 2008, 2062, unter II.05.[]
  6. BFH, Beschlüsse vom 08.04.1987 – VII B 142/86, BFH/NV 1988, 94, m.w.N.; und in BFH/NV 2007, 1090; BFH, Urteile in BFH/NV 2008, 2062; und in BFH/NV 2010, 1495[]