Die Gegen­rü­ge des Revi­si­ons­be­klag­ten

Das Insti­tut der Gegen­rü­ge ermög­licht es einem Revi­si­ons­be­klag­ten, der auf­grund sei­nes Obsie­gens in der Vor­in­stanz dazu bis­lang kei­nen Anlass und kei­ne Mög­lich­keit hat­te, Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen der Vor­in­stanz anzu­grei­fen, um zu ver­hin­dern, dass die Revi­si­ons­in­stanz bei einer für ihn ungüns­ti­gen recht­li­chen Beur­tei­lung des Streit­falls auf der Grund­la­ge der von der Vor­in­stanz getrof­fe­nen, aus sei­ner Sicht aber unzu­tref­fen­den Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen eine ihm nach­tei­li­ge Revi­si­ons­ent­schei­dung trifft.

Die Gegen­rü­ge des Revi­si­ons­be­klag­ten

Mit die­sem Inhalt ist die Gegen­rü­ge, die unbe­fris­tet bis zum Schluss der Revi­si­ons­in­stanz erho­ben wer­den kann, all­ge­mein aner­kannt 1. Sind die tat­säch­li­chen Grund­la­gen der Ent­schei­dung im Urteil falsch dar­ge­stellt, so ist die­ser Man­gel zwar grund­sätz­lich nicht mit der Ver­fah­rens­rüge gel­tend zu machen, son­dern mit dem Antrag auf Tat­be­stands­be­rich­ti­gung 2.

Eine Aus­nah­me gilt jedoch für ein Urteil, das ohne münd­li­che Ver­hand­lung ergan­gen ist, weil bei die­sem § 108 FGO nicht anwend­bar ist 3.

An die Zuläs­sig­keit der Gegen­rü­ge sind die glei­chen for­mel­len Anfor­de­run­gen zu stel­len wie an die Ver­fah­rens­rüge des Revi­si­ons­klä­gers. Wird ‑wie im Streit­fall- gel­tend gemacht, der Sach­ver­halt bedür­fe ange­sichts des vom Revi­si­ons­ge­richt ein­ge­nom­me­nen Rechts­stand­punkts noch wei­te­rer Auf­klä­rung, ist vor­zu­tra­gen, wel­che Tat­sa­chen noch einer Auf­klä­rung bedür­fen und sich bei einer wei­te­ren Sach­auf­klä­rung oder Beweis­auf­nah­me durch das Finanz­ge­richt vor­aus­sicht­lich erge­ben wür­den 4.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 5. Febru­ar 2015 – III R 30/​1

  1. BVerwG, Urteil vom 27.09.2006 – 9 C 4/​05, BVerw­GE 126, 378 bis 387, Rz. 18; Lan­ge in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, § 118 FGO Rz 227[]
  2. BFH, Beschluss vom 31.08.2006 – III B 14/​06, BFH/​NV 2007, 46[]
  3. BFH, Beschluss vom 27.04.2009 – II B 173/​08, BFH/​NV 2009, 1272; Gräber/​Ruban, Finanz­ge­richts­ord­nung, 7. Aufl., § 119 Rz 23[]
  4. vgl. BFH, Urteil vom 03.04.2008 – V R 76/​05, BFHE 221, 443, BSt­Bl II 2008, 905, unter II. 5.[]