Die Steu­er­erklä­rung auf dem USB-Stick

Eine Steu­er­erklä­rung kann nicht durch Über­ga­be eines Daten­trä­gers (etwa per USB-Stick oder CD) erfol­gen.

Die Steu­er­erklä­rung auf dem USB-Stick

In dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall reich­te eine GmbH ihre Kör­per­schaft- und Gewer­be­steu­er­erklä­run­gen für das Jahr 2012 in Papier­form beim Finanz­amt ein. Die­ses for­der­te die GmbH dar­auf­hin auf, die Erklä­run­gen nach amt­lich vor­ge­schrie­be­nem Daten­satz durch Daten­fern­über­tra­gung elek­tro­nisch zu ermit­teln. Dem kam die GmbH nicht nach. Sie hielt die Daten­über­tra­gung über das Medi­um Inter­net im All­ge­mei­nen und über das von der Finanz­ver­wal­tung ein­ge­rich­te­te Els­ter-Sys­tem im Beson­de­ren im Hin­blick auf Hacker­an­grif­fe und Daten­spio­na­ge für zu unsi­cher. Die GmbH war aller­dings bereit, die elek­tro­nisch auf einem Daten­trä­ger, z.B. einer CD oder einem USB-Stick, gespei­cher­ten Daten durch Über­brin­gung des Daten­trä­gers zu über­mit­teln.

Weder das Finanz­amt noch das spä­ter ange­ru­fe­ne Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Finanz­ge­richt [1] gin­gen dar­auf ein. Und auch der Bun­des­fi­nanz­hof gab der Finanz­ver­wal­tung Recht:

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat zu der mit § 31 Abs. 1a Satz 1 KStG 2002 n.F., § 14a GewStG 2002 n.F. [2] ver­gleich­ba­ren Ver­pflich­tung, Umsatz­steu­er-Vor­anmel­dun­gen grund­sätz­lich elek­tro­nisch und in Här­te­fäl­len aus­nahms­wei­se in Papier­form abzu­ge­ben (§ 18 Abs. 1 UStG i.V.m. § 150 Abs. 7 und 8 AO), ent­schie­den, dass die­se Rege­lung inner­halb des ver­fas­sungs­recht­li­chen Gestal­tungs­spiel­raums des Gesetz­ge­bers liegt und ins­be­son­de­re die Ver­hält­nis­mä­ßig­keit wahrt [3]. Damit ist aber auch zugleich geklärt, dass der Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­satz es nicht gebie­tet, eine alter­na­ti­ve bzw. aus Sicht der GmbH risi­ko­är­me­re Form der Daten­über­mitt­lung, etwa durch Über­ga­be einer CD oder eines USB-Sticks, zuzu­las­sen.

Selbst wenn man zuguns­ten der Beschwer­de von ver­blei­ben­den „Rest­zwei­feln“ aus­ge­hen woll­te, müss­te die Ant­wort auf die Fra­ge nach der Zuläs­sig­keit einer Daten­über­mitt­lung per CD oder USB-Stick so aus­fal­len wie in der ange­grif­fe­nen Ent­schei­dung.

Das Gesetz sieht ein­deu­tig nur zwei alter­na­ti­ve For­men der Kör­per­schaft- oder Gewer­be­steu­er­erklä­rung vor. Die­se Erklä­run­gen sind danach

  1. ent­we­der nach ein­zel­steu­er­ge­setz­li­cher Anord­nung nach amt­li­chem Daten­satz durch Daten­fern­über­tra­gung zu über­mit­teln (§ 150 Abs. 7 AO i.V.m. § 31 Abs. 1 a KStG 2002 n.F. und § 14a GewStG 2002 n.F.)
  2. oder sie sind ‑bei von vorn­her­ein feh­len­der Pflicht zur elek­tro­ni­schen Über­mitt­lung bzw. bei Befrei­ung von der elek­tro­ni­schen Über­mitt­lungs­pflicht (vgl. § 150 Abs. 8 AO i.V.m. dem jewei­li­gen Ein­zel­steu­er­ge­setz)- nach amt­lich vor­ge­schrie­be­nem Vor­druck, also in Papier­form, abzu­ge­ben (§ 150 Abs. 1 Satz 1 Alter­na­ti­ve 1 AO; § 31 Abs. 1a Satz 2 KStG 2002 n.F.; § 14a Satz 2 Halb­satz 2 GewStG 2002 n.F.) [4]
  3. oder sie sind kraft gesetz­li­cher Zulas­sung münd­lich abzu­ge­ben (§ 150 Abs. 1 Satz 1 Alter­na­ti­ve 2 AO). Eine sol­che Zulas­sung ist für Kör­per­schaft- und Gewer­be­steu­er­erklä­run­gen aber nicht gege­ben.

Für eine „Zwi­schen­form“, wie sie der von der GmbH ins Spiel gebrach­te Weg der Daten­über­mitt­lung per Aus­hän­di­gung eines Daten­trä­gers dar­stellt, ist damit kein Raum. Die­se Form der Daten­über­mitt­lung ist allein im Anwen­dungs­be­reich des § 150 Abs. 6 AO abs­trakt vor­ge­se­hen. Dies geht aus dem Wort­laut der genann­ten Vor­schrift ein­deu­tig her­vor („Daten ganz oder teil­wei­se durch Daten­fern­über­tra­gung oder auf maschi­nell ver­wert­ba­ren Daten­trä­gern über­mit­telt wer­den kön­nen“). Auf der Grund­la­ge der Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung des § 150 Abs. 6 AO, die ledig­lich Steu­er­erklä­run­gen betrifft, die nicht zwin­gend elek­tro­nisch abzu­ge­ben sind [5], und folg­lich für die streit­ge­gen­ständ­li­chen Kör­per­schaft- und Gewer­be­steu­er­erklä­run­gen nicht gilt (§§ 31 Abs. 1a KStG 2002 n.F., 14a Satz 1 GewStG 2002 n.F.), ist die Steu­er­da­ten-Über­mitt­lungs­ver­ord­nung (StDÜV) vom 28.01.2003 [6] erlas­sen wor­den. Dort wird der Über­tra­gungs­weg „Über­ga­be eines Daten­trä­gers“ nicht ange­spro­chen, d.h. der Ver­ord­nungs­ge­ber hat von der Mög­lich­keit, die Daten­trä­ger­über­ga­be als Form der Steu­er­erklä­rung zuzu­las­sen, kei­nen Gebrauch gemacht (§ 1 Abs. 1 Satz 1 StDÜV; Klein/​Rätke, a.a.O., § 150 Rz 6 und 16).

Damit stellt sich die Rechts­la­ge zusam­men­fas­send so dar, dass nach den Steu­er­ge­set­zen die Daten­über­mitt­lung per Daten­trä­ger­über­ga­be nicht zuläs­sig ist und der ver­fas­sungs­recht­li­che Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit die Zulas­sung die­ses Über­tra­gungs­wegs nicht gebie­tet.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 17. August 2015 – I B 133/​14

  1. FG Schles­wig-Hol­stein, Urteil vom 06.11.2014 – 1 K 184/​13[]
  2. jeweils i.d.F. des Geset­zes zur Moder­ni­sie­rung und Ent­bü­ro­kra­ti­sie­rung des Steu­er­ver­fah­rens ‑Steu­er­bü­ro­kra­tie­ab­bau­ge­setz- vom 20.12 2008, BGBl I 2008, 2850[]
  3. BFH, Urteil vom 14.03.2012 – XI R 33/​09, BFHE 236, 283, BStBl II 2012, 477[]
  4. Seer in Tipke/​Kruse, Abga­ben­ord­nung, Finanz­ge­richts­ord­nung, § 150 AO Rz 43; Klein/​Rätke, AO, 12. Aufl., § 150 Rz 34 a.E.; Gosch, KStG, 3. Aufl., § 31 Rz 45[]
  5. Klein/​Rätke, a.a.O., § 150 Rz 16; Heu­er­mann in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, § 150 AO Rz 50; Seer in Tipke/​Kruse, a.a.O., § 150 AO Rz 36[]
  6. BGBl I 2003, 139[]