Betriebs­kos­ten­ver­si­che­rung eines Zahn­arz­tes

Auf­wen­dun­gen für die Betriebs­kos­ten­ver­si­che­rung eines Zahn­arz­tes kön­nen nicht als Betriebs­aus­ga­ben nach § 4 Abs. 4 EStG abge­zo­gen wer­den, soweit die Ver­si­che­rung das all­ge­mei­ne Erkran­kungs- oder Unfall­ri­si­ko des Ver­si­che­rungs­neh­mers abdeckt und bei Ein­tritt die­ser Risi­ken die Betriebs­kos­ten des vom Ver­si­che­rungs­neh­mer unter­hal­te­nen Betriebs zahlt. Etwas ande­res gilt, soweit die Ver­si­che­rung auch das Risi­ko einer Betriebs­un­ter­bre­chung durch eine amt­lich ange­ord­ne­te Qua­ran­tä­ne abdeckt, inso­weit ist der ent­stan­de­ne Prä­mi­en­auf­wand als Betriebs­aus­ga­be abzieh­bar.

Betriebs­kos­ten­ver­si­che­rung eines Zahn­arz­tes

Betriebs­kos­ten­ver­si­che­rung

Die Beant­wor­tung der Fra­ge, ob die Auf­wen­dun­gen für eine Betriebs­aus­fall­ver­si­che­rung Betriebs­aus­ga­ben einer frei­be­ruf­li­chen (Zahn­arzt-)Pra­xis sind, ist an der Art des ver­si­cher­ten Risi­kos zu ori­en­tie­ren.

Inso­weit gel­ten für Betriebs­aus­fall- oder Betriebs­un­ter­bre­chungs­ver­si­che­run­gen nach der BFH-Ent­schei­dung in BFHE 225, 119, BSt­Bl II 2010, 168 die­sel­ben Grund­sät­ze wie für ande­re Ver­si­che­run­gen. Bezie­hen sich Ver­si­che­run­gen auf ein betrieb­li­ches Risi­ko, füh­ren sie zu Betriebs­aus­ga­ben und Betriebs­ein­nah­men (so ins­be­son­de­re Ver­si­che­run­gen gegen Zer­stö­rung oder Beschä­di­gung betrieb­lich genutz­ter Gegen­stän­de durch Unfall, Brand, Sturm, Was­ser­ein­bruch oder ähn­li­che Ereig­nis­se) 1.

Betref­fen sie dage­gen außer­be­trieb­li­che Risi­ken, kön­nen Aus­ga­ben allen­falls als Son­der­aus­ga­ben i.S. von § 10 EStG berück­sich­tigt wer­den, wäh­rend even­tu­el­le Ver­si­che­rungs­leis­tun­gen nicht steu­er­bar sind 2. Zu die­sen außer­be­trieb­li­chen Risi­ken gehö­ren ins­be­son­de­re Gefah­ren, die in der Per­son des Betriebs­in­ha­bers begrün­det sind, wie etwa das all­ge­mei­ne Lebens­ri­si­ko, zu erkran­ken oder Opfer eines Unfal­les zu wer­den 3. Denn das Risi­ko krank­heits- oder unfall­be­ding­ter Ver­mö­gens­ein­bu­ßen (Heil­be­hand­lungs­kos­ten, Ver­dienst­aus­fall) ist bei wer­ten­der Betrach­tung der pri­va­ten Lebens­füh­rung zuzu­rech­nen. Eine Aus­nah­me kommt nur in Betracht, wenn durch die Aus­übung des Berufs ein erhöh­tes Risi­ko geschaf­fen wird und der Abschluss des Ver­si­che­rungs­ver­tra­ges ent­schei­dend der Abwen­dung die­ses Risi­kos dient. Daher sind Ver­si­che­run­gen, die Schutz gegen spe­zi­el­le berufs- oder betriebs­spe­zi­fi­sche Gefah­ren (Berufs­krank­hei­ten, Arbeits­un­fäl­le) gewäh­ren, der betrieblichen/​beruflichen Sphä­re zuzu­rech­nen 4.

Die Ein­wen­dun­gen gegen die­se durch die Ent­schei­dung in BFHE 225, 119, BSt­Bl II 2010, 168 bestä­tig­te Recht­spre­chung geben dem Bun­des­fi­nanz­hof kei­ne Ver­an­las­sung zu einer abwei­chen­den Beur­tei­lung.

So kann es für die Ein­ord­nung eines Risi­kos als betrieb­lich oder pri­vat nicht ent­schei­dend sein, wel­che Auf­wen­dun­gen oder Schä­den bei Ein­tritt des Ver­si­che­rungs­fal­les vom Ver­si­che­rer zu erset­zen sind. Gegen die­se Auf­fas­sung – das Risi­ko der Betriebs­un­ter­bre­chung sei schon auf­grund des damit ver­bun­de­nen Aus­falls der Betriebs­ein­nah­men immer betrieb­lich ver­an­lasst 5- spricht jedoch, dass das aus­schließ­li­che Abstel­len auf den Aus­fall von Ein­nah­men auch für Bei­trä­ge zur pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung von Arbeit­neh­mern zum Abzug als Wer­bungs­kos­ten füh­ren müss­te, dass die­se Auf­wen­dun­gen aber nach den Grund­ent­schei­dun­gen des Gesetz­ge­bers dem beschränk­ten Son­der­aus­ga­ben­ab­zug nach § 10 EStG zuge­ord­net wor­den sind 6.

Danach ist mit der stän­di­gen Recht­spre­chung eine betrieb­li­che Ver­an­las­sung von Ver­si­che­rungs­auf­wen­dun­gen nur dann anzu­neh­men, wenn die jeweils ver­si­cher­te Gefahr durch den Betrieb ver­an­lasst wird 7. Das ist bei dem spe­zi­el­len Risi­ko einer Berufs­krank­heit oder bei einer Gefah­rerhö­hung durch eine beson­de­re beruf­li­che oder betrieb­li­che Tätig­keit der Fall, nicht aber beim all­ge­mei­nen Gesund­heits­ri­si­ko, das der Pri­vat­sphä­re zuzu­rech­nen ist. Wel­che finan­zi­el­len Schä­den in Fol­ge der Ver­wirk­li­chung des Risi­kos ein­tre­ten, ist für die Zuord­nung des Risi­kos zur betrieb­li­chen oder pri­va­ten Sphä­re hin­ge­gen uner­heb­lich. Rea­li­siert sich ein betrieb­li­ches Risi­ko, dann sind auch die finan­zi­el­len Fol­gen mit­tel­bar durch den Betrieb ver­ur­sacht. Rea­li­siert sich dage­gen ein Risi­ko in der pri­va­ten Sphä­re, dann wer­den die finan­zi­el­len Fol­gen durch das der Pri­vat­sphä­re zuzu­rech­nen­de Ereig­nis und nicht durch den Betrieb- ver­ur­sacht.

Nach die­sen Grund­sät­zen, an denen der Bun­des­fi­nanz­hof im Anschluss an sei­ne Ent­schei­dung in BFHE 225, 119, BSt­Bl II 2010, 168 in der Fol­ge­zeit fest­ge­hal­ten hat 8, kann der Klä­ger die Abzugs­fä­hig­keit der strei­ti­gen Ver­si­che­rungs­auf­wen­dun­gen nicht dar­auf stüt­zen, dass im Ver­si­che­rungs­fall Ein­nah­me­aus­fäl­le aus frei­be­ruf­li­cher Tätig­keit und damit mit­tel­bar die damit ver­bun­de­nen fort­lau­fen­den Betriebs­aus­ga­ben aus­ge­gli­chen wür­den.

Ver­si­che­rung des Qua­ran­tä­ne­Ri­si­kos

Nach der Ent­schei­dung in BFHE 225, 119, BSt­Bl II 2010, 168 ist aller­dings das im Streit­fall eben­falls ver­si­cher­te Risi­ko einer behörd­lich ver­füg­ten Qua­ran­tä­ne betrieb­lich ver­an­lasst 9.

Der auf das Qua­ran­tä­ne­ri­si­ko ent­fal­len­de Teil des jewei­li­gen Ver­si­che­rungs­bei­trags ist als betrieb­lich ver­an­lasst in Abzug zu brin­gen 10. Die Auf­tei­lung ist nach dem Ver­hält­nis der Prä­mi­en mit und ohne betrieb­li­chen Ver­si­che­rungs­teil vor­zu­neh­men 11. Die dazu erfor­der­li­chen Tat­sa­chen­er­mitt­lun­gen wird das Finanz­ge­richt im zwei­ten Rechts­zug nach­ho­len.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 24. August 2011 – VIII R 36/​09

  1. vgl. BFH, Urtei­le vom 18.07.1968 – I 224/​65, BFHE 93, 233, BSt­Bl II 1968, 737; vom 09.12.1982 – IV R 54/​80, BFHE 137, 453, BSt­Bl II 1983, 371[]
  2. BFH, Urtei­le vom 06.02.1992 – IV R 30/​91, BFHE 167, 366, BSt­Bl II 1992, 653; vom 26.08.1993 – IV R 35/​92, BFH/​NV 1994, 306[]
  3. BFH, Urtei­le vom 22.05.1969 – IV R 144/​68, BFHE 95, 447, BSt­Bl II 1969, 489; vom 07.10.1982 – IV R 32/​80, BFHE 137, 19, BSt­Bl II 1983, 101; in BFHE 167, 366, BSt­Bl II 1992, 653; in BFH/​NV 1994, 306[]
  4. vgl. BFH, Urtei­le in BFHE 137, 19, BSt­Bl II 1983, 101; in BFH/​NV 1994, 306[]
  5. so Bei­ser, DB 2009, 2237[]
  6. so zu Recht Fis­se­ne­wert in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 12 EStG Rz 96[]
  7. BFH, Urtei­le in BFHE 167, 366, BSt­Bl II 1992, 653; in BFH/​NV 1994, 306[]
  8. vgl. BFH, Urtei­le vom 18.08.2009 – X R 21/​07, BFH/​NV 2010, 192; vom 03.03.2011 – IV R 45/​08, BFHE 233, 137, BSt­Bl II 2011, 552; zustim­mend Alvermann/​Potsch, Finanz­rund­schau FR- 2009, 1132; Kanz­ler, FR 2009, 1141[]
  9. eben­so Alvermann/​Potsch, FR 2008, 119, 120[]
  10. vgl. BFH, Urteil in BFHE 225, 119, BSt­Bl II 2010, 168 ins­be­son­de­re zur Ver­ein­bar­keit mit § 12 Nr. 1 EStG[]
  11. vgl. BFH, Urteil in BFHE 225, 119, BSt­Bl II 2010, 168[]