Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid – und die Kla­ge­be­fug­nis aus­ge­schie­de­ner Gesell­schaf­ter

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung kann ein Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid eine Viel­zahl selb­stän­di­ger und damit auch selb­stän­dig anfecht­ba­rer Fest­stel­lun­gen ent­hal­ten, die eigen­stän­dig in Bestands­kraft erwach­sen und des­halb für die in dem näm­li­chen Bescheid getrof­fe­nen und recht­lich nach­ge­la­ger­ten Fest­stel­lun­gen Bin­dungs­wir­kung ent­fal­ten kön­nen.

Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid – und die Kla­ge­be­fug­nis aus­ge­schie­de­ner Gesell­schaf­ter

Sol­che selb­stän­di­gen Rege­lun­gen (Fest­stel­lun­gen) sind ins­be­son­de­re die Qua­li­fi­ka­ti­on der Ein­künf­te, das Bestehen einer Mit­un­ter­neh­mer­schaft, die Höhe des lau­fen­den Gesamt­hands­ge­winns sowie des­sen Ver­tei­lung auf die Mit­un­ter­neh­mer und die Höhe eines Son­der­ge­winns bzw. einer Son­der­ver­gü­tung.

Selb­stän­dig anfecht­bar ist auch die Fest­stel­lung eines Ver­äu­ße­rungs- oder Auf­ga­be­ge­winns jeden­falls des ein­zel­nen Mit­un­ter­neh­mers (z.B. aus der Ver­äu­ße­rung sei­nes Mit­un­ter­neh­mer­an­teils). Davon zu unter­schei­den ist ‑als wei­te­re selb­stän­di­ge Fest­stel­lung- die Qua­li­fi­ka­ti­on des Auf­ga­be- oder Ver­äu­ße­rungs­ge­winns (sowohl der Gesamt­hand als auch des ein­zel­nen Mit­un­ter­neh­mers) als Bestand­teil der außer­or­dent­li­chen Ein­künf­te i.S. des § 34 Abs. 2 Nr. 1 EStG 1.

Kei­ne selb­stän­di­ge Fest­stel­lung ist hin­ge­gen der sich aus den ein­zel­nen Fest­stel­lun­gen erge­ben­de Gesamt­ge­winn. Inso­weit han­delt es sich ledig­lich um eine Rechen­grö­ße, die nicht selb­stän­dig anfecht­bar ist. Soweit in älte­ren Ent­schei­dun­gen auch die­se Grö­ße im Rah­men bei­spiel­haf­ter Auf­zäh­lun­gen selb­stän­di­ger Besteue­rungs­grund­la­gen auf­ge­führt wur­de, hält der Bun­des­fi­nanz­hof dar­an jeden­falls nicht mehr fest.

Nach § 48 Abs. 1 Nr. 3 FGO kön­nen gegen Fest­stel­lungs­be­schei­de auch aus­ge­schie­de­ne Gesell­schaf­ter Kla­ge erhe­ben.

Auch wenn die Vor­schrift nach ihrem Wort­laut ledig­lich vor­aus­setzt, dass gegen den Gesell­schaf­ter ein Fest­stel­lungs­be­scheid ergan­gen ist oder zu erge­hen hät­te, ver­mit­telt § 48 Abs. 1 Nr. 3 FGO nur ein beschränk­tes Kla­ge­recht, wes­halb der Gesell­schaf­ter nur die Fest­stel­lun­gen angrei­fen kann, die ihn selbst betref­fen und ‑ihre Rechts­wid­rig­keit unter­stellt- ihn in sei­nen eige­nen Rech­ten (§ 40 Abs. 2 FGO) ver­let­zen 2.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 16. März 2017 – IV R 31/​14

  1. zu letz­te­rem z.B. BFH, Urtei­le vom 17.12 2014 – IV R 57/​11, BFHE 248, 66, BSt­Bl II 2015, 536; und vom 28.05.2015 – IV R 26/​12, BFHE 249, 536, BSt­Bl II 2015, 797[]
  2. z.B. BFH, Urteil vom 17.10.2013 – IV R 25/​10[]