Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid – und sein Inhalt

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ent­hält ein Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid eine Viel­zahl selb­stän­di­ger und damit auch selb­stän­dig anfecht­ba­rer Fest­stel­lun­gen, die eigen­stän­dig in Bestands­kraft erwach­sen und des­halb für die im Bescheid getrof­fe­nen und recht­lich nach­ge­la­ger­ten Fest­stel­lun­gen Bin­dungs­wir­kung ent­fal­ten kön­nen.

Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid – und sein Inhalt

Sol­che selb­stän­di­ge Rege­lun­gen (Fest­stel­lun­gen) sind ins­be­son­de­re auch die Qua­li­fi­ka­ti­on der Ein­künf­te, das Bestehen einer Mit­un­ter­neh­mer­schaft, die Höhe des Gesamt­ge­winns, des lau­fen­den Gewinns (oder Ver­lusts) sowie des­sen Ver­tei­lung auf die Mit­un­ter­neh­mer, das Vor­lie­gen und die Höhe des von einem Mit­un­ter­neh­mer erziel­ten Gewinns aus der Ver­äu­ße­rung sei­nes Mit­un­ter­neh­mer­an­teils oder die Höhe eines Son­der­ge­winns bzw. einer Son­der­ver­gü­tung 1.

Die geson­der­te und ein­heit­li­che Fest­stel­lung von Besteue­rungs­grund­la­gen nach § 180 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a AO ist jedoch von der Fest­stel­lung der steu­er­frei­en, dem Pro­gres­si­ons­vor­be­halt unter­lie­gen­den Ein­künf­te nach § 180 Abs. 5 Nr. 1 AO zu unter­schei­den. Es han­delt sich um jeweils eigen­stän­di­ge Ver­wal­tungs­ak­te (Rege­lun­gen). Lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen bei­der Ver­fah­ren vor, kön­nen die Fest­stel­lun­gen mit­ein­an­der ver­bun­den wer­den 2. Auch die Nach­ho­lung der Fest­stel­lung gemäß § 180 Abs. 5 Nr. 1 AO ist grund­sätz­lich zuläs­sig. Inso­weit kann wäh­rend des finanz­ge­richt­li­chen Ver­fah­rens ein erst­ma­li­ger (ergän­zen­der) Fest­stel­lungs­be­scheid gemäß § 180 Abs. 5 Nr. 1 AO erge­hen, der in einem not­wen­di­gen sach­li­chen Zusam­men­hang zu dem ursprüng­li­chen (ein­heit­li­chen) Bescheid steht, so dass die­ser i.S. von § 68 FGO bzw. § 365 Abs. 3 AO "ersetzt" wur­de und (teil­wei­se) an des­sen Stel­le getre­ten ist 3.

Dem­entspre­chend ist im hier ent­schie­de­nen Fall mit der Ein­spruchs­ent­schei­dung zum einen eine (erneut) geän­der­te geson­der­te Fest­stel­lung gemäß § 180 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a AO ergan­gen sowie (dem hilfs­wei­se gel­tend gemach­ten Kla­ge­be­geh­ren fol­gend) erst­ma­lig ein Fest­stel­lungs­be­scheid gemäß § 180 Abs. 5 Nr. 1 AO. Bei­de Fest­stel­lun­gen ste­hen zuein­an­der in einer Wech­sel­wir­kung. Die geson­der­te und ein­heit­li­che Fest­stel­lung nach § 180 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a AO hät­te bei der dem Kla­ge­be­geh­ren der Klä­ge­rin ent­spre­chen­den Beur­tei­lung der dem Pro­gres­si­ons­vor­be­halt unter­lie­gen­den Ein­künf­te in der spa­ni­schen Betriebs­stät­te zwangs­läu­fig Aus­wir­kun­gen auf die recht­lich ver­selb­stän­dig­te (nach­zu­ho­len­de) Fest­stel­lung nach § 180 Abs. 5 Nr. 1 AO 4. Vor die­sem Hin­ter­grund erstreck­te sich die Kla­ge der Klä­ge­rin auch gegen die erst­ma­li­ge Fest­stel­lung nach § 180 Abs. 5 Nr. 1 AO. Die Kla­ge war inso­weit zuläs­sig, denn eines (geson­der­ten) Vor­ver­fah­rens gemäß § 44 FGO bedurf­te es nicht 5.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 21. Febru­ar 2017 – VIII R 46/​13

  1. vgl. z.B. BFH, Urteil vom 06.02.2014 – IV R 19/​10, BFHE 244, 379, BSt­Bl II 2014, 522, m.w.N.[]
  2. z.B. BFH, Urtei­le vom 20.05.2015 – I R 75/​14, BFH/​NV 2015, 1687; vom 18.12 2002 – I R 92/​01, BFHE 201, 447[]
  3. vgl. BFH, Beschluss vom 04.04.2007 – I R 110/​05, BFHE 217, 535, BSt­Bl II 2007, 521[]
  4. vgl. BFH, Urtei­le vom 25.11.2015 – I R 50/​14, BFHE 253, 52; vom 20.01.2005 – IV R 22/​03, BFHE 209, 108, BSt­Bl II 2005, 559, m.w.N.[]
  5. vgl. z.B. BFH, Beschluss in BFHE 217, 535, BSt­Bl II 2007, 521[]