Grund­er­werb­steu­er als geson­dert und ein­heit­lich fest­zu­stel­len­de Besteue­rungs­grund­la­ge

Bei der von einer Grund­stücks­ge­sell­schaft zu tra­gen­den Grund­er­werb­steu­er nach § 1 Abs. 2a GrEStG han­delt es sich ein­kom­men­steu­er­lich um eine geson­dert und ein­heit­lich fest­zu­stel­len­de Besteue­rungs­grund­la­ge die­ser Gesell­schaft.

Grund­er­werb­steu­er als geson­dert und ein­heit­lich fest­zu­stel­len­de Besteue­rungs­grund­la­ge

Nach § 179 Abs. 2 Satz 2, § 180 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a AO wer­den ein­kom­men­steu­er­pflich­ti­ge Ein­künf­te geson­dert und ein­heit­lich fest­ge­stellt, wenn an den Ein­künf­ten meh­re­re Per­so­nen betei­ligt und die Ein­künf­te die­sen Per­so­nen steu­er­lich zuzu­rech­nen sind. Im Bereich der Ein­künf­te aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung ist eine geson­der­te und ein­heit­li­che Fest­stel­lung vor­zu­neh­men, wenn meh­re­re Per­so­nen –wie hier als Objekt­ge­sell­schaft in der Form einer Kom­man­dit­ge­sell­schaft– gemein­schaft­lich den Tat­be­stand der Ver­mie­tung und Ver­pach­tung (§ 21 EStG) ver­wirk­li­chen und dadurch Ein­künf­te erzie­len [1]. Die Fest­stel­lungs­wir­kung gemäß § 180 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a AO bezieht sich auf die gemein­schaft­lich ver­wirk­lich­ten Tat­be­stands­merk­ma­le, nicht hin­ge­gen auf sol­che, die außer­halb der Betei­li­gung im Bereich der per­sön­li­chen Ein­kunfts­er­zie­lung lie­gen [2].

Bei der nach Maß­ga­be des § 1 Abs. 2a GrEStG fest­ge­setz­ten Grund­er­werb­steu­er han­delt es sich um eine gemein­schaft­lich ver­wirk­lich­te Besteue­rungs­grund­la­ge. Dies folgt schon dar­aus, dass Schuld­ne­rin der Grund­er­werb­steu­er nach § 13 Nr. 6 GrEStG die Objekt­ge­sell­schaft ist. Hier­bei han­delt es sich nicht um Auf­wen­dun­gen, die wegen der Nicht­an­wend­bar­keit von § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG im Bereich der Über­schuss­ein­kunfts­ar­ten der Sphä­re der per­sön­li­chen Ein­künf­te­er­zie­lung zuzu­ord­nen sind. Abge­se­hen davon, dass die Tat­be­stän­de des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG hier ersicht­lich nicht erfüllt wären, sind nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs auch Son­der­wer­bungs­kos­ten im Rah­men der geson­der­ten und ein­heit­li­chen Fest­stel­lung zu berück­sich­ti­gen [3].

Über­dies führt die Grund­er­werb­steu­er nicht des­halb zu Son­der­wer­bungs­kos­ten, weil sie die Erwer­be­rin nach den gesell­schafts­in­ter­nen Ver­ein­ba­run­gen –also im Rechts­ver­hält­nis der Gesell­schaf­ter unter­ein­an­der– allein zu tra­gen hat­te. Es han­delt sich viel­mehr um Auf­wand der Objekt­ge­sell­schaft und nicht um einen sol­chen des Gesell­schaf­ters [4]. Allein die Objekt­ge­sell­schaft ist nach § 13 Nr. 6 GrEStG Steu­er­schuld­ne­rin, die ihren dar­aus ent­ste­hen­den Auf­wand auch abwei­chend vom all­ge­mei­nen Gewinn­ver­tei­lungs­schlüs­sel auf ihre Gesell­schaf­ter auf­tei­len kann [5].

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 19. Sep­tem­ber 2012 – IX B 65/​12

  1. BFH, Urteil vom 09.10.2008 – IX R 72/​07, BFHE 223, 199, BStBl II 2009, 231[]
  2. BFH, Urteil vom 18.04.2012 – X R 34/​10, BFHE 237, 135[]
  3. vgl. z.B. die BFH, Urtei­le vom 23.08.2011 – IX R 8/​11, BFH/​NV 2012, 2; vom 25.02.2009 – IX R 43/​07, BFH/​NV 2009, 1235, und vom 07.12.1993 – IX R 134/​92, BFH/​NV 1994, 547[]
  4. vgl. zum Begriff der Son­der­wer­bungs­kos­ten BFH, Urteil vom 23.04.1991 – IX R 303/​87, BFH/​NV 1991, 653[]
  5. s. dazu auch BFH, Urteil vom 16.10.2008 – IV R 82/​06, BFH/​NV 2009, 581[]