Beschei­ni­gung über Zei­ten der Aus­bil­dungsu­che

Einer von der Agen­tur für Arbeit für den Ren­ten­ver­si­che­rungs­trä­ger erstell­ten Beschei­ni­gung über Anrech­nungs­zei­ten der Aus­bil­dungsu­che i.S. des § 58 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3a SGB VI kommt als öffent­li­cher Urkun­de (§ 418 ZPO) hin­sicht­lich des dar­in ver­merk­ten Tages der Anmel­dung des Aus­bil­dungsu­chen­den bei der Berufs­be­ra­tung ein beson­de­rer Beweis­wert zu, der ggf. aber wider­legt wer­den kann (§ 418 Abs. 2 ZPO).

Beschei­ni­gung über Zei­ten der Aus­bil­dungsu­che

Wer­den dem Ren­ten­ver­si­che­rungs­trä­ger mit der Mel­dung nach § 58 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3a SGB VI Zei­ten der Aus­bil­dungsu­che pau­schal bis zum 30. Sep­tem­ber eines Berichts­jah­res beschei­nigt, dient die Mel­dung im Bereich des § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. c EStG grund­sätz­lich nur für drei Mona­te ab dem Tag der Anmel­dung bei der Berufs­be­ra­tung als Nach­weis für das ernst­haf­te Bemü­hen des Kin­des um einen Aus­bil­dungs­platz.

Nach § 62 Abs. 1, § 63 Abs. 1 Satz 2 i.V.m. § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. c EStG besteht für ein über 18 Jah­re altes Kind, das das 27. Lebens­jahr noch nicht voll­endet hat, Anspruch auf Kin­der­geld, wenn es eine Berufs­aus­bil­dung man­gels Aus­bil­dungs­plat­zes nicht begin­nen oder fort­set­zen kann. Der Bun­des­fi­nanz­hof hat bereits in sei­nem Urteil vom 19. Juni 2008 1 dar­ge­legt, wie die­se Vor­aus­set­zun­gen nach­zu­wei­sen oder glaub­haft zu machen sind.

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung erfor­dert die Berück­sich­ti­gung eines Kin­des gemäß § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. c EStG, dass sich die­ses ernst­haft um einen Aus­bil­dungs­platz bemüht 2.

Das Bemü­hen um einen Aus­bil­dungs­platz ist glaub­haft zu machen. Pau­scha­le Anga­ben, das Kind sei im frag­li­chen Zeit­raum aus­bil­dungs­be­reit gewe­sen, es habe sich stän­dig um einen Aus­bil­dungs­platz bemüht oder sei stets bei der Agen­tur für Arbeit als aus­bil­dungsu­chend gemel­det gewe­sen, rei­chen nicht aus. Um einer miss­bräuch­li­chen Inan­spruch­nah­me des Kin­der­gel­des ent­ge­gen zu wir­ken, muss sich die Aus­bil­dungs­be­reit­schaft des Kin­des durch beleg­ba­re Bemü­hun­gen um einen Aus­bil­dungs­platz objek­ti­viert haben 2.

Die Nach­wei­se für die Aus­bil­dungs­wil­lig­keit des Kin­des und für sein Bemü­hen, einen Aus­bil­dungs­platz zu fin­den, hat der Kin­der­geld­be­rech­tig­te bei­zu­brin­gen. Die beson­de­re Mit­wir­kungs­pflicht unter Ein­be­zie­hung des über 18 Jah­re alten Kin­des sieht § 68 Abs. 1 EStG aus­drück­lich vor. Es liegt auch im Ein­fluss­be­reich des Kin­der­geld­be­rech­tig­ten, Vor­sor­ge für die Nach­wei­se der Aus­bil­dungs­wil­lig­keit des Kin­des zu tref­fen 2.

Nach­ge­wie­sen wer­den kann das ernst­haf­te Bemü­hen um einen Aus­bil­dungs­platz z.B. durch eine Beschei­ni­gung der Agen­tur für Arbeit, dass das Kind als Bewer­ber um eine beruf­li­che Aus­bil­dungs­stel­le regis­triert ist 2. Eine sol­che Regis­trie­rung gilt aller­dings nicht zeit­lich unbe­schränkt als Nach­weis, son­dern ist in ihrer Wir­kung auf drei Mona­te beschränkt 3. Um sei­nen kin­der­geld­recht­li­chen Mit­wir­kungs­pflich­ten nach­zu­kom­men, muss sich das Kind nach Ablauf die­ser Frist erneut als Aus­bil­dungsu­chen­der mel­den 4. Der Regis­trie­rung des Kin­des als Aus­bil­dungs­platz­su­chen­der kommt kei­ne (ech­te) Tat­be­stands­wir­kung zu, sie gilt des­halb als Indiz für das Bemü­hen des Kin­des um einen Aus­bil­dungs­platz auch dann drei Mona­te fort, wenn die Agen­tur für Arbeit nach der auch form­los mög­li­chen- Mel­dung des Kin­des die Regis­trie­rung ohne Grund wie­der löscht 5. Eine posi­ti­ve Beschei­ni­gung der Agen­tur über die Regis­trie­rung reicht in aller Regel als Nach­weis der Aus­bil­dungs­wil­lig­keit aus 6.

Eine für den Ren­ten­ver­si­che­rungs­trä­ger bestimm­te Beschei­ni­gung von Zei­ten der Aus­bil­dungsu­che gemäß § 58 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3a SGB – VI ist allen­falls Nach­weis dafür, dass das Kind sich zu Beginn des beschei­nig­ten Zeit­raums bei der Agen­tur für Arbeit als Aus­bil­dungsu­chen­der gemel­det hat, nicht jedoch dafür, dass es sich alle drei Mona­te erneut als Aus­bil­dungsu­chen­der gemel­det hat 7.

Das Finanz­ge­richt hat die Ent­schei­dung, ob sich das Kind ernst­haft um einen Aus­bil­dungs­platz bemüht hat, unter Berück­sich­ti­gung der vor­ge­nann­ten Beweis­an­zei­chen zu tref­fen; ggf. ist das Kind anzu­hö­ren.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 22. Sep­tem­ber 2011 – III R 30/​08

  1. BFH, Urteil vom 19.06.2008 – III R 66/​05, BFHE 222, 343, BSt­Bl II 2009, 1005[]
  2. BFH, Urteil in BFHE 222, 343, BSt­Bl II 2009, 1005, m.w.N.[][][][]
  3. BFH, Urteil in BFHE 222, 343, BSt­Bl II 2009, 1005[]
  4. vgl. BFH, Urtei­le vom 17.07.2008 – III R 95/​07, BFH/​NV 2009, 367; – III R 106/​07, BFH/​NV 2009, 368[]
  5. BFH, Urteil in BFH/​NV 2009, 367[]
  6. BFH, Urtei­le in BFHE 222, 343, BSt­Bl II 2009, 1005, und in BFH/​NV 2009, 368[]
  7. BFH, Urteil vom 03.03.2011 – III R 58/​09, BFH/​NV 2011, 1127[]