Das Kind ohne inlän­di­schen Wohn­sitz – und das Kin­der­geld

Ein Kind ist beim Kin­der­geld nicht zu berück­sich­ti­gen, wenn es im Streit­zeit­raum weder einen Wohn­sitz im Inland noch in einem Mit­glied­staat der Euro­päi­schen Uni­on noch in einem Staat, auf den das Abkom­men über den Euro­päi­schen Wirt­schafts­raum Anwen­dung fin­det, hat­te (§ 63 Abs. 1 Satz 3 EStG).

Das Kind ohne inlän­di­schen Wohn­sitz – und das Kin­der­geld

Gemäß § 8 AO hat jemand einen Wohn­sitz dort, wo er eine Woh­nung unter Umstän­den inne­hat, die dar­auf schlie­ßen las­sen, dass er die Woh­nung bei­be­hal­ten und benut­zen wird. Ein Wohn­sitz wird durch tat­säch­li­ches Han­deln begrün­det. Nicht ent­schei­dend ist daher die Anmel­dung eines Wohn­sit­zes des Kin­des beim inlän­di­schen Ein­woh­ner­mel­de­amt 1. Danach hat­te das Kind kei­nen inlän­di­schen Wohn­sitz begrün­det, weil es im Streit­zeit­raum aus­schließ­lich im Dritt­land gewohnt hat und erst nach über einem Jahr nach sei­ner Geburt die Woh­nung des Vaters bezog.

Der (zwei­te) Wohn­sitz des Vaters im Inland ist dem Kind nicht zuzu­rech­nen. Es gibt kei­nen Rechts­grund­satz, wonach ein Kind ‑bis es sich per­sön­lich und wirt­schaft­lich vom Eltern­haus gelöst hat- bei mehr­fa­chem Wohn­sitz eines Eltern­teils die­sen auto­ma­tisch mit­be­grün­det 2. Das Gesetz unter­schei­det in § 62 und § 63 EStG zwi­schen dem Wohn­sitz des Kin­der­geld­be­rech­tig­ten und dem Wohn­sitz des Kin­des 3.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 27. Febru­ar 2014 – V R 15/​13

  1. BFH, Urtei­le vom 17.05.1995 – I R 8/​94, BFHE 178, 294, BSt­Bl II 1996, 2; und vom 12.09.2013 – III R 16/​11, BFH/​NV 2014, 320[]
  2. vgl. BFH, Urteil vom 07.04.2011 – III R 77/​09, BFH/​NV 2011, 1351, unter II. 1.c[]
  3. vgl. BFH, Urteil in BFH/​NV 2011, 1351[]