Getrenn­te Ver­an­la­gung, nur um dem Ex zu scha­den

In einem Ver­fah­ren zur Aus­set­zung der Voll­zie­hung eines Ein­kom­men­steu­er­be­schei­des hat­te sich das Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz in Neu­stadt mit der Fra­ge zu befas­sen, wie ein nach Erge­hen der Ein­kom­men­steu­er­be­schei­de gestell­ter Antrag auf getrenn­te Ver­an­la­gung zu beur­tei­len ist. Und ent­schied, dass eine Aus­set­zung der Voll­zie­hung des ursprüng­li­chen (zusam­men­ver­an­la­gen­den) Ein­kom­men­steu­er­be­schei­des nicht in Betracht kommt, wenn getrenn­te Ver­an­la­gung nur des­we­gen bean­tragt wird, um dem Ex zu scha­den

Getrenn­te Ver­an­la­gung, nur um dem Ex zu scha­den

In dem vom Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz ent­schie­de­nen Streit­fall wur­de die Antrag­stel­le­rin (A) von ihrem Ehe­mann (Z) im Jah­re 2007 geschie­den, seit Juni 2005 leb­ten sie getrennt. Bei­de waren in den Streit­jah­ren 2001 bis 2005 Arbeit­neh­mer mit Brut­to­ar­beits­löh­nen von rd. 132.500,- DM bis rd. 106.800,- € (Z), wäh­rend die A Brut­to­ar­beits­löh­ne von 19.500,- DM (2001) und danach (2002 bis 2005) jeweils unter 10.000.- € erziel­te. Ein­kom­men­steu­er­erklä­run­gen für die Jah­re 2001 bis 2005 wur­den nicht ein­ge­reicht. Nach­dem gegen Z im Jah­re 2007 ein Straf­ver­fah­ren wegen des Ver­dachts der Hin­ter­zie­hung von u.a. Ein­kom­men­steu­er ein­ge­lei­tet wor­den war, ergin­gen im Okto­ber 2010 Ein­kom­men­steu­er­be­schei­de für die Streit­jah­re 2001 bis 2005, mit denen die fest­ge­stell­ten Ein­künf­te aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit unter Durch­füh­rung einer Zusam­men­ver­an­la­gung (Split­ting­ta­bel­le) erfasst wur­den. Mit der Begrün­dung, sie bean­tra­ge getrenn­te Ver­an­la­gung, leg­te die A gegen die Beschei­de 2001 bis 2005 jeweils Ein­spruch ein und bean­trag­te bei dem Finanz­amt die Aus­set­zung der Voll­zie­hung der ergan­ge­nen Beschei­de. Der Antrag auf AdV wur­de vom Finanz­amt jedoch mit der Begrün­dung abge­lehnt, die A kön­ne ja die Auf­tei­lung der Steu­er­schuld gem. § 268 AO bean­tra­gen, denn dann ent­fal­le auf sie in allen Streit­jah­ren eine Steu­er­schuld von 0,- €.

Der dage­gen an das Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz gerich­te­te Antrag auf Aus­set­zung der Voll­zie­hung hat­te kei­nen Erfolg: das Finanz­ge­riht hielt den Antrag für unzu­läs­sig, da die A kein Recht­schutz­be­dürf­nis habe. Sie kön­ne mit einem Antrag gem. § 268 AO auf Auf­tei­lung der Gesamt­schuld errei­chen, dass auf sie für alle Streit­jah­re jeweils eine Steu­er­schuld von Null € ent­fal­le. Der Antrag auf getrenn­te Ver­an­la­gung – in des­sen Fol­ge die ungüns­ti­ge­re Grund­ta­bel­le anzu­wen­den wäre – die­ne somit allei­ne dem Zweck, dem frü­he­ren Ehe­mann Scha­den zuzu­fü­gen, denn die getrenn­te Ver­an­la­gung wür­de für ihn zu höhe­ren Steu­er­fest­set­zun­gen füh­ren.

Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Beschluss vom 16. März 2011 – 6 V 1158/​11