Häus­li­che Arbeits­zim­mer

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat die bestehen­de Rege­lung zur Absetz­bar­keit der Kos­ten eines häus­li­chen Arbeits­zim­mers für ver­fas­sungs­wid­rig erklärt und dem Gesetz­ge­ber auf­ge­ge­ben, eine gesetz­li­che Neu­re­ge­lung rück­wir­kend auf den 1. Janu­ar 2007 vor­zu­neh­men [1].

Häus­li­che Arbeits­zim­mer

Die Ober­fi­nanz­di­rek­ti­on Koblenz hat nun für die Zeit, bis die­se gesetz­li­che Neu­re­ge­lung erfolgt ist, fol­gen­de Ver­fah­rens­wei­se der rhein­land-pfäl­zi­schen Finanz­äm­ter ange­kün­digt:

  • Alle Ein­kom­men­steu­er- und Fest­stel­lungs­be­schei­de für die Jah­re ab 2007, die seit April 2009 ergan­gen sind, wur­den bereits im Hin­blick auf die Abzieh­bar­keit der Auf­wen­dun­gen für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer auto­ma­tisch für vor­läu­fig erklärt. Dies gilt bis zur gesetz­li­chen Neu­re­ge­lung auch für alle künf­ti­gen Beschei­de. Ein Ein­spruch ist inso­weit nicht erfor­der­lich.
  • Bil­det das Arbeits­zim­mer den Mit­tel­punkt der gesam­ten betrieb­li­chen und beruf­li­chen Tätig­keit, ist nach wie vor ein unbe­grenz­ter Abzug der ent­stan­den Kos­ten mög­lich.
  • Bei Berufs­tä­ti­gen, die nur zum Teil von zu Hau­se arbei­ten und denen der Arbeit­ge­ber für die beruf­li­che Tätig­keit kei­nen Arbeits­platz zur Ver­fü­gung stellt, kön­nen Auf­wen­dun­gen bis zu 1.250 Euro als Wer­bungs­kos­ten berück­sich­tigt wer­den. Dies ist ins­be­son­de­re bei Leh­rern der Fall, die in der Schu­le kei­nen ange­mes­se­nen Arbeits­platz für Unter­richts­vor­be­rei­tun­gen und Kor­rek­tur­ar­bei­ten haben. Als Nach­weis soll­te eine Beschei­ni­gung des Arbeit­ge­bers vor­ge­legt wer­den, dass kein eige­ner Arbeits­platz im Betrieb besteht.
  • Der auf 1.250 Euro beschränk­te Abzug gilt auch für neben­be­ruf­lich täti­ge Selbst­stän­di­ge (z. B. neben­be­ruf­li­che Schrift­stel­ler), die für die­se Tätig­keit außer dem häus­li­chen Arbeits­zim­mer kei­nen ande­ren Arbeits­platz haben.
  • Vor­aus­set­zung ist sowohl bei der selbst­stän­di­gen als auch bei der nicht­selbst­stän­di­gen Tätig­keit, dass neben der Nut­zung des Arbeits­zim­mers auch die Höhe der zu berück­sich­ti­gen­den Auf­wen­dun­gen nach­ge­wie­sen oder glaub­haft gemacht wird.
  • In allen ande­ren Fäl­len – auch wenn das Arbeits­zim­mer zu mehr als 50 Pro­zent der gesam­ten betrieb­li­chen oder beruf­li­chen Tätig­keit genutzt wird – ist wei­ter­hin kein Abzug von Auf­wen­dun­gen für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer mög­lich.

Soweit die Steu­er­be­schei­de ab dem Jahr 2007 noch offen sind – sei es, weil sie maschi­nell für vor­läu­fig erklärt oder weil sei­tens des Bür­gers Ein­spruch ein­ge­legt wur­de – ist bis zum Inkraft­tre­ten der gesetz­li­chen Neu­re­ge­lung grund­sätz­lich nichts zu ver­an­las­sen. Bür­ger und Ver­wal­tung soll­ten also abwar­ten, wie der Gesetz­ge­ber sich ent­schei­det.

  1. BVerfG, Beschluss vom 06.07.2010 – 2 BvL 13/​09[]