Kon­kur­renz zwi­schen deut­schem Kin­der­geld­recht und euro­päi­schen Sozi­al­vor­schrif­ten

Für Zeit­räu­me, in denen ein EU-Aus­län­der nicht in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land tätig war, steht die­sem in Deutsch­land kein Kin­der­geld­an­spruch zu, auch wenn er hier lebt, sei­ne Ehe­frau mit den Kin­dern aber im EU-Aus­land ver­bleibt.

Kon­kur­renz zwi­schen deut­schem Kin­der­geld­recht und euro­päi­schen Sozi­al­vor­schrif­ten

Ein Kin­der­geld­an­spruch schei­tert nach § 65 Abs. 1 Nr.2 EStG zunächst dar­an, dass nach die­ser Vor­schrift Kin­der­geld nicht für ein Kind gezahlt wird, für das bereits im Aus­land Leis­tun­gen gezahlt oder bei ent­spre­chen­der Antrag­stel­lung zu zah­len wären, die dem deut­schen Kin­der­geld ver­gleich­bar sind. Die­se Vor­aus­set­zun­gen lagen in einem vom Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf ent­schie­de­nen Ver­fah­ren vor, da die Ehe­frau des Klä­ger pol­ni­sche Fami­li­en­leis­tun­gen für B für den gesam­ten Streit­zeit­raum bezog. Die­se Leis­tun­gen sind dem deut­schen Kin­der­geld auch ver­gleich­bar.

Die Vor­schrift des § 65 Abs. 1 Nr.2 EStG wird in dem frag­li­chen Zeit­räu­men nicht durch die euro­päi­schen Sozi­al­vor­schrif­ten ver­drängt. In den Zeit­räu­men, in denen der Klä­ger nicht in der Bun­des­re­pu­blik als Arbeit­neh­mer tätig war und des­halb auch kei­ne Bei­trä­ge zur Sozi­al­ver­si­che­rung ins­be­son­de­re kei­ne Bei­trä­ge zu einer Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung leis­te­te, war die VO (EWG) 1408/​71 nicht anwend­bar. Dies ergibt sich aus Anhang I, I. Buchst. D. Satz 1 Buchst. a) zur VO (EWG) 1408/​71. Nach die­ser Vor­schrift gilt, wenn ein deut­scher Trä­ger der zustän­di­ge Trä­ger für die Gewäh­rung der Fami­li­en­leis­tun­gen gem. Titel III Kapi­tel 7 der Ver­ord­nung ist, u.a. als Arbeit­neh­mer i.S.v. Art.1 Buchst. a) Zif­fer ii) der Ver­ord­nung, wer für den Fall der Arbeits­lo­sig­keit pflicht­ver­si­chert ist. Dies bedeu­tet, dass aus deut­scher Sicht deut­sche Fami­li­en­leis­tun­gen für Kin­der, die in einem ande­ren euro­päi­schen Land ihren Wohn­sitz haben, nur gezahlt wer­den sol­len, wenn der aus­län­di­sche Arbeit­neh­mer sei­ner­seits in der deut­schen Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung pflicht­ver­si­chert ist. Da der Klä­ger nur in den Zeit­räu­men Juni bis Okto­ber 2005 und Juni bis Okto­ber 2006 in der Bun­des­re­pu­blik sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig tätig war, galt er hier­nach auch nur in die­sen Zeit­räu­men als Arbeit­neh­mer im Sin­ne der Ver­ord­nung. Folg­lich war die Anwen­dung des § 65 Abs. 1 Nr.2 EStG auch nur in die­sen Zeit­räu­men durch die vor­ran­gi­ge VO (EWG) 1408/​71 ver­drängt.

Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 15. Sep­tem­ber 2010 – 7 K 423/​09 Kg