Umsatz­steu­er­vor­aus­zah­lung für das IV. Quar­tal

Als "kur­ze Zeit" i.S. des § 11 EStG gilt ein Zeit­raum von bis zu zehn Tagen. Eine Ver­län­ge­rung des Zehn-Tage-Zeit­raums kommt auch im Hin­blick auf die nach § 108 Abs. 3 AO hin­aus­ge­scho­be­ne Fäl­lig­keit von Umsatz­steu­er­vor­aus­zah­lun­gen nicht in Betracht.

Umsatz­steu­er­vor­aus­zah­lung für das IV. Quar­tal

Aus­ga­ben sind gemäß § 11 Abs. 2 Satz 1 EStG für das Kalen­der­jahr abzu­set­zen, in dem sie geleis­tet wor­den sind.

Nach § 11 Abs. 2 Satz 2, Abs. 1 Satz 2 EStG gel­ten regel­mä­ßig wie­der­keh­ren­de Aus­ga­ben, die bei dem Steu­er­pflich­ti­gen kur­ze Zeit vor Beginn oder kur­ze Zeit nach Been­di­gung des Kalen­der­jah­res ange­fal­len sind, zu dem sie wirt­schaft­lich gehö­ren, als in die­sem Kalen­der­jahr abge­flos­sen.

Im Streit­fall sind die­se Vor­aus­set­zun­gen für den Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2009 hin­sicht­lich der vom Klä­ger, einem Rechts­an­walt, am 11.01.2010 geleis­te­ten Umsatz­steu­er­vor­aus­zah­lung nicht erfüllt.

Nach stän­di­ger höchst­rich­ter­li­cher Recht­spre­chung, wel­cher der Bun­des­fi­nanz­hof folgt, sind Umsatz­steu­er­vor­aus­zah­lun­gen regel­mä­ßig wie­der­keh­ren­de Aus­ga­ben, deren Wie­der­ho­lung bei der Art der von dem Klä­ger erbrach­ten Leis­tun­gen von vorn­her­ein fest­steht 1.

Nach § 18 Abs. 1 Satz 1 UStG hat der Unter­neh­mer bis zum zehn­ten Tag nach Ablauf jedes Vor­anmel­dungs­zeit­raums eine Vor­anmel­dung abzu­ge­ben (so im Streit­jahr) bzw. auf elek­tro­ni­schem Weg zu über­mit­teln; die Vor­aus­zah­lung ist gemäß § 18 Abs. 1 Satz 4 UStG am zehn­ten Tag nach Ablauf des Vor­anmel­dungs­zeit­raums fäl­lig 2.

Im Streit­fall ist die Umsatz­steu­er­vor­aus­zah­lung zwar frist­ge­recht am Mon­tag, den 11.01.des dem Streit­jahr fol­gen­den Jah­res geleis­tet wor­den. Sie ist indes nicht i.S. von § 11 EStG kur­ze Zeit nach Been­di­gung des Kalen­der­jah­res abge­flos­sen; als "kur­ze Zeit" gilt ein Zeit­raum von bis zu zehn Tagen 3. Der Klä­ger hat die Umsatz­steu­er­vor­aus­zah­lung unstrei­tig erst am 11.01.2010, d.h. nach Ablauf des Zehn-Tage-Zeit­raums, ent­rich­tet.

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Klä­ger kommt eine Ver­län­ge­rung des Zehn-Tage-Zeit­raums nicht in Fra­ge. Es ent­spricht der stän­di­gen BFH-Recht­spre­chung, dass eine Erwei­te­rung die­ser Höchst­gren­ze unter Beru­fung auf beson­de­re Ver­hält­nis­se des Ein­zel­falls nicht in Betracht kommt 4. In sei­nen bis­lang zu der hier zu ent­schei­den­den Fra­ge ergan­ge­nen Ent­schei­dun­gen hat der BFH als "kur­ze Zeit" stets einen Zeit­raum von "höchs­tens zehn Tagen" ange­se­hen 5; eini­ge Ent­schei­dun­gen wei­sen die For­mu­lie­rung "in der Regel ein Zeit­raum bis zu zehn Tagen" auf 6; in ande­ren Ent­schei­dun­gen ist der BFH still­schwei­gend von einem zehn Tage nicht über­schrei­ten­den Zeit­raum aus­ge­gan­gen 7.

Eine ande­re recht­li­che Beur­tei­lung ist auch unter dem Gesichts­punkt der Rege­lun­gen in § 108 Abs. 1 AO i.V.m. § 193 BGB nicht gebo­ten. Ist danach an einem bestimm­ten Tage oder inner­halb einer Frist eine Wil­lens­er­klä­rung abzu­ge­ben oder eine Leis­tung zu bewir­ken und fällt der bestimm­te Tag oder der letz­te Tag der Frist auf einen Sonn­tag, einen am Erklä­rungs- oder Leis­tungs­ort staat­lich aner­kann­ten all­ge­mei­nen Fei­er­tag oder einen Sonn­abend, so tritt an die Stel­le eines sol­chen Tages der nächs­te Werk­tag. Zwar gilt die­se Vor­schrift nach § 108 Abs. 1 AO auch im Steu­er­ver­fah­rens­recht. Zutref­fend ver­neint das Finanz­ge­richt indes die Anwen­dung der Nor­men auf Fäl­le der vom Zu- und Abfluss­prin­zip abwei­chen­den zeit­li­chen Zurech­nung regel­mä­ßig wie­der­keh­ren­der Ein­nah­men oder Aus­ga­ben in § 11 Abs. 1 Satz 2 und Abs. 2 Satz 2 EStG. Es fehlt bereits an der Vor­aus­set­zung, dass eine Leis­tung "zu bewir­ken ist". § 11 Abs. 1 Satz 2 und Abs. 2 Satz 2 EStG regeln näm­lich kei­ne Zah­lungs­pflicht, son­dern knüp­fen nur an eine tat­säch­lich in dem dort nicht näher bestimm­ten Zeit­raum geleis­te­te Zah­lung an, um danach im Rah­men der Ein­kom­mens­er­mitt­lung eine vom Grund­satz abwei­chen­de peri­oden­ge­rech­te zeit­li­che Zurech­nung von Ein­nah­men und Aus­ga­ben für die Gewinn- bzw. Über­schus­s­ein­künf­te zu bestim­men.

Nach § 18 Abs. 1 Satz 4 UStG ist eine Umsatz­steu­er­vor­aus­zah­lung am zehn­ten Tag nach Ablauf des Vor­anmel­dungs­zeit­raums fäl­lig. Nach § 108 Abs. 3 AO ver­län­gert sich die Zah­lungs­frist bis zum fol­gen­den Werk­tag, sofern deren Ende auf einen Sonn­tag, einen gesetz­li­chen Fei­er­tag oder einen Sonn­abend fällt. Für den Zeit­raum des § 11 EStG ‑dar­auf weist auch das Finanz­amt zutref­fend hin- hat die­se Ver­län­ge­rung indes kei­ne Bedeu­tung. Denn § 11 Abs. 1 Satz 2 und Abs. 2 Satz 2 EStG regeln kei­ne Frist, son­dern schaf­fen ledig­lich eine gesetz­lich nor­mier­te Zufluss- bzw. Abfluss­fik­ti­on.

Soweit die Klä­ger rügen, bei der Umsatz­steu­er han­de­le es sich um eine indi­rek­te Steu­er und ver­ein­nahm­te und abzu­füh­ren­de Umsatz­steu­er­be­trä­ge sei­en im Ergeb­nis neu­tral und müss­ten bei der Ein­kom­mens­be­steue­rung außer Ansatz blei­ben, andern­falls lie­ge ein Ver­stoß gegen Art. 12 GG bzw. gegen Art. 14 GG vor, ist die Revi­si­on unsub­stan­ti­iert. Nach stän­di­ger BFH-Recht­spre­chung stellt die vom Über­schuss­rech­ner gezahl­te Umsatz­steu­er (Vor­steu­er/​Zahllast) im Zeit­punkt der Ver­aus­ga­bung eine Betriebs­aus­ga­be dar, wäh­rend die ver­ein­nahm­te bzw. ver­rech­ne­te Umsatz­steu­er im Zeit­punkt der Ver­ein­nah­mung als Betriebs­ein­nah­me zu erfas­sen ist 8.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 11. Novem­ber 2014 – VIII R 34/​12

  1. vgl. BFH, Urteil vom 01.08.2007 – XI R 48/​05, BFHE 218, 372, BSt­Bl II 2008, 282, m.w.N.; Schmidt/​Krüger, EStG, 33. Aufl., § 11 Rz 25; Schmid­t/We­ber-Grel­let, a.a.O., § 22 Rz 13; eben­so Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs vom 10.07.1986 – III ZR 133/​85, BGHZ 98, 174[]
  2. zur Not­wen­dig­keit der Fäl­lig­keit kurz vor oder nach Ende des Kalen­der­jah­res vgl. BFH, Urteil vom 06.07.1995 – IV R 63/​94, BFHE 178, 326, BSt­Bl II 1996, 266; Trz­as­ka­lik, in: Kirchhof/​Söhn/​Mellinghoff, EStG, § 11 Rz B 88; Pust in Littmann/​Bitz/​Pust, Das Ein­kom­men­steu­er­recht, Kom­men­tar, § 11 Rz 61[]
  3. BFH, Urteil in BFHE 218, 372, BSt­Bl II 2008, 282, m.w.N.; Schmidt/​Krüger, a.a.O., § 11 Rz 26[]
  4. vgl. BFH, Beschluss vom 06.11.2002 – X B 30/​02, BFH/​NV 2003, 169[]
  5. BFH, Ent­schei­dun­gen vom 13.03.1964 – VI 152/​63, Steu­er­recht­spre­chung in Kar­tei­form, Ein­kom­men­steu­er­ge­setz bis 1974, § 11, Rechts­spruch 50; vom 09.05.1974 – VI R 161/​72, BFHE 112, 373, BSt­Bl II 1974, 547; in BFH/​NV 2003, 169[]
  6. BFH, Urtei­le vom 10.12 1985 – VIII R 15/​83, BFHE 145, 538, BSt­Bl II 1986, 342; vom 24.07.1986 – IV R 309/​84, BFHE 147, 419, BSt­Bl II 1987, 16[]
  7. BFH, Urtei­le in BFHE 178, 326, BSt­Bl II 1996, 266; vom 06.07.1995 – IV R 72/​94, BFH/​NV 1996, 209; vom 06.03.1997 – IV R 47/​95, BFHE 183, 78, BSt­Bl II 1997, 509; vom 23.09.1999 – IV R 1/​99, BFHE 190, 335, BSt­Bl II 2000, 121[]
  8. vgl. Schmidt/​Heinicke, a.a.O., § 4 Rz 520 Stich­wort Umsatz­steu­er, m.w.N.; Blümich/​Wied, § 4 EStG Rz 211; H 9b der Ein­kom­men­steu­er-Hin­wei­se 2012[]
  9. BFH, Urteil vom 06.07.1995 – IV R 63/​94, BFHE 178, 326, BSt­Bl II 1996, 266[]