Pfle­ge­auf­wen­dun­gen als Nach­lass­ver­bind­lich­keit

Nach § 10 Abs. 5 Nr. 1 ErbStG sind die vom Erb­las­ser her­rüh­ren­den Schul­den als Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten abzieh­bar. Dies sind nur die aus Rechts­grün­den bestehen­den Erb­las­ser­schul­den1. Hier­un­ter fal­len alle ver­trag­li­chen, außer­ver­trag­li­chen und gesetz­li­chen Ver­pflich­tun­gen, die in der Per­son des Erb­las­sers begrün­det wor­den und mit sei­nem Tod nicht erlo­schen sind2.

Pfle­ge­auf­wen­dun­gen als Nach­lass­ver­bind­lich­keit

Ein Abzug von Auf­wen­dun­gen des Erben für gegen­über dem Erb­las­ser erbrach­te Pfle­ge­leis­tun­gen als Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten kommt daher nur in Betracht, wenn zwi­schen dem Erb­las­ser und dem Erben ein Schuld­ver­hält­nis bestan­den hat­te, auf­grund des­sen dem Erben gegen den Erb­las­ser ein Anspruch auf Ver­gü­tung für die Erbrin­gung von Pfle­ge­leis­tun­gen zustand3.

Man­gelt es an einer ‑und sei es auch unwirk­sa­men- Dienst­leis­tungs­ver­ein­ba­rung für die vom Erben erbrach­ten Pfle­ge­leis­tun­gen, kommt auch ein Anspruch des Erben auf die übli­che Ver­gü­tung nach § 612 Abs. 1 i.V.m. Abs. 2 des Bür­ger­li­chen Gesetz­buchs (BGB) nicht in Betracht4. Denn § 612 BGB ersetzt nicht die Dienst­leis­tungs­ver­ein­ba­rung, son­dern, falls die Leis­tun­gen nicht unent­gelt­lich erbracht wer­den soll­ten, die feh­len­de, recht­lich bin­den­de Eini­gung über die Ver­gü­tung5. Der Abzug einer ange­mes­se­nen Ver­gü­tung als Erb­las­ser­schuld setzt daher vor­aus, dass aus den Umstän­den ein ein­deu­ti­ger ver­trag­li­cher Bin­dungs­wil­le zur ent­gelt­li­chen Erbrin­gung der Pfle­ge­leis­tun­gen erkenn­bar wird6. Leis­tun­gen des Erben, die die­ser auf­grund einer von ihm ange­nom­me­nen mora­li­schen Ver­pflich­tung erbringt, sind nicht gemäß § 10 Abs. 5 Nr. 1 ErbStG als Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten abzieh­bar7.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 26. Febru­ar 2014 – II B 125/​13

  1. BFH, Urteil vom 15.06.1988 – II R 165/​85, BHFE 154, 380, BSt­Bl II 1988, 1006
  2. BFH, Urteil vom 09.11.1994 – II R 111/​91, BFH/​NV 1995, 598
  3. vgl. BFH, Urteil in BFH/​NV 1995, 598
  4. vgl. BFH, Urteil in BHFE 154, 380, BSt­Bl II 1988, 1006
  5. BFH, Urteil vom 09.11.1994 – II R 110/​91, BFHE 176, 48, BSt­Bl II 1995, 62
  6. vgl. BFH, Urtei­le in BFHE 176, 48, BSt­Bl II 1995, 62; und vom 28.06.1995 – II R 80/​94, BFHE 178, 218, BSt­Bl II 1995, 784
  7. BFH, Urtei­le in BHFE 154, 380, BSt­Bl II 1988, 1006, und in BFH/​NV 1995, 598; BFH, Beschluss vom 29.06.2009 – II B 149/​08, BFH/​NV 2009, 1655