Erst­gut­ach­ter­be­spre­chun­gen in der Steu­er­be­ra­ter­prü­fung

Wie der BFH bereits ent­schie­den hat, kann aus dem Umstand, dass "Erst­gut­ach­ter­be­spre­chun­gen" in der DVStB nicht erwähnt sind, nicht auf ihre Unzu­läs­sig­keit geschlos­sen wer­den1. Es steht den Prü­fern frei, unab­hän­gig von der Bewer­tung einer bestimm­ten Klau­sur all­ge­mei­ne Fra­gen und Pro­ble­me, die sich mit der Bewer­tung der Auf­sichts­ar­bei­ten stel­len, mit ande­ren Prü­fern zu bespre­chen.

Erst­gut­ach­ter­be­spre­chun­gen in der Steu­er­be­ra­ter­prü­fung

Ein Ver­bot, sich unter den Prü­fern aus­zu­tau­schen, bevor die Auf­sichts­ar­bei­ten vom jeweils zustän­di­gen Prü­fer durch­ge­se­hen und bewer­tet wer­den, ent­hal­ten die Vor­schrif­ten der DVStB nicht.

Die Ver­pflich­tung des Prü­fers, die ihm zuge­teil­te Auf­sichts­ar­beit per­sön­lich zu bewer­ten (§ 24 Abs. 2 Satz 1 DVStB), wird durch einen sol­chen Mei­nungs­aus­tausch über all­ge­mei­ne, die Prü­fungs­ar­beit betref­fen­de Fra­gen nicht tan­giert.

Im Übri­gen han­delt es sich bei einer "Erst­gut­ach­ter­be­spre­chung" um einen all­ge­mei­nen Mei­nungs- und Erfah­rungs­aus­tausch, der das Prü­ferer­mes­sen nicht in unzu­läs­si­ger Wei­se ein­schränkt. Dar­an kann der Umstand nichts ändern, dass Ver­tre­ter von Minis­te­ri­en oder der zustän­di­gen Steu­er­be­ra­ter­kam­mer an sol­chen Bespre­chun­gen teil­neh­men, die nicht zu Prü­fern bestellt wor­den sind. Denn es geht in die­sen Bespre­chun­gen nicht um die Bewer­tung ein­zel­ner Prü­fungs­leis­tun­gen bestimm­ter Kan­di­da­ten.

Auch ist der DVStB kein Ver­bot zu ent­neh­men, nach dem es den für die fach­li­che Bewer­tung der Klau­su­ren und den für die Orga­ni­sa­ti­on der Steu­er­be­ra­ter­prü­fung Ver­ant­wort­li­chen ver­wehrt sein soll, sich in all­ge­mei­ner Form über Pro­ble­me im Zusam­men­hang mit der Abnah­me sol­cher Prü­fun­gen aus­zu­tau­schen. Auch im Inter­es­se der Prü­fungs­teil­neh­mer erscheint es viel­mehr sinn­voll, dass alle Betei­lig­ten im Rah­men einer gemein­sa­men Bespre­chung über orga­ni­sa­to­ri­sche bzw. prak­ti­sche Schwie­rig­kei­ten infor­miert wer­den, so dass sie gemein­sam über Maß­nah­men zur Ver­bes­se­rung der Prü­fungs­or­ga­ni­sa­ti­on und der Ver­fah­rens­ab­läu­fe bera­ten kön­nen.

Hier­an ändert auch nichts, dass "Erst­gut­ach­ter­be­spre­chun­gen" in den ein­zel­nen Bun­des­län­dern in unter­schied­li­cher Wei­se abge­hal­ten wer­den. Der Bun­des­fi­nanz­hof hat kei­ne ein­heit­li­chen Regeln für sol­che Prü­fer­tref­fen auf­zu­stel­len, son­dern ledig­lich zu ent­schei­den, ob der­ar­ti­ge Tref­fen und Bespre­chun­gen nach den Prü­fungs­vor­schrif­ten unzu­läs­sig sind2.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 8. Juli 2014 – VII B 129/​13

  1. BFH, Beschluss vom 28.08.2012 – VII B 15/​12, BFH/​NV 2013, 265 []
  2. BFH, Beschluss vom 14.01.2013 – VII B 110/​12 []