Feh­ler­haf­te Adres­sie­rung eines an Ehe­gat­ten gerich­te­ten Steu­er­be­scheids

Ein Ver­wal­tungs­akt lei­det an einem schwe­ren und offen­kun­di­gen Man­gel und ist des­halb gemäß § 125 Abs. 1 AO i.V.m. § 119 AO nich­tig, wenn er inhalt­lich nicht so bestimmt ist, dass ihm hin­rei­chend sicher ent­nom­men wer­den kann, was von wem ver­langt wird. Kon­sti­tu­ie­ren­der Bestand­teil jedes Ver­wal­tungs­ak­tes ist daher die Anga­be des Inhalts­adres­sa­ten, d.h. des­je­ni­gen, dem gegen­über der Ein­zel­fall gere­gelt wer­den soll 1. Im Fal­le eines Steu­er­be­schei­des ist inso­weit nach § 157 Abs. 1 Satz 2 AO u.a. die Anga­be des Steu­er­schuld­ners als Inhalts­adres­sa­ten des Beschei­des erfor­der­lich.

Feh­ler­haf­te Adres­sie­rung eines an Ehe­gat­ten gerich­te­ten Steu­er­be­scheids

Dabei reicht es jedoch aus, wenn der Inhalts­adres­sat durch Aus­le­gung anhand der dem Betrof­fe­nen bekann­ten Umstän­de hin­rei­chend sicher bestimmt wer­den kann 2.

Bei der Adres­sie­rung von Umsatz­steu­er­be­schei­den ist daher maß­geb­lich, ob es für den Betrof­fe­nen erkenn­bar war, dass das Finanz­amt von ihm als Unter­neh­mer i.S. des § 2 Abs. 1 UStG und daher als Steu­er­pflich­ti­gen aus­geht und der Bescheid des­halb an ihn gerich­tet ist 3.

Dies gilt nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­hofs auch für einen Steu­er­be­scheid, der eine aus Ehe­leu­ten bestehen­de GbR betrifft und an "Herrn und Frau X." adres­siert ist.

Die­se GbR ist im Streit­fall als Unter­neh­me­rin und damit Steu­er­schuld­ne­rin (§ 13a Abs. 1 Nr. 1 UStG i.V.m. § 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG) Inhalts­adres­sa­tin. Tre­ten bei­de Ehe­gat­ten gemein­sam nach außen auf und erbrin­gen ent­gelt­li­che Leis­tun­gen, bil­den sie eine GbR oder ‑bei der Ver­mie­tung von Grund­stü­cken- eine Bruch­teils­ge­mein­schaft. In bei­den Fäl­len sind nicht die Ehe­gat­ten Unter­neh­mer, son­dern die Gesell­schaft oder Gemein­schaft 4.

Zwei­fel über die Iden­ti­tät der GbR als Steu­er­schuld­ner konn­ten im Streit­fall schon des­halb nicht auf­tre­ten, weil die Klä­ge­rin selbst in ihren Umsatz­steu­er­erklä­run­gen 2002 bis 2005 als Unter­neh­mer und Steu­er­schuld­ner ledig­lich die Vor- und Fami­li­en­na­men der Ehe­leu­te ange­ge­ben hat­te. Unter die­sen Umstän­den reicht es aus, wenn die­se auch als Steu­er­schuld­ner im Umsatz­steu­er­be­scheid ange­ge­ben wer­den. Eines zusätz­li­chen Hin­wei­ses auf die zutref­fen­de recht­li­che Ver­bun­den­heit der Ehe­leu­te (z.B. Ver­mie­ter­ge­mein­schaft oder GbR) ist dann nicht not­wen­dig 5.

Abge­se­hen davon hat das Finanz­amt vor­lie­gend im Tat­be­stand der Ein­spruchs­ent­schei­dung aus­drück­lich erwähnt, dass die Ehe­leu­te "im Rah­men einer Ehe­gat­ten-GbR unter­neh­me­risch im Sin­ne des § 2 UStG … tätig [sind]" und damit klar­ge­stellt, dass sowohl die Ein­spruchs­ent­schei­dung als auch der Umsatz­steu­er­be­scheid 2005 die GbR als Inhalts­adres­sa­tin betref­fen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 23. Okto­ber 2014 – V R 11/​12

  1. BFH, Urteil vom 13.10.2005 – IV R 55/​04, BFHE 211, 387, BSt­Bl II 2006, 404, unter I. 1.[]
  2. BFH, Urtei­le vom 17.11.2005 – III R 8/​03, BFHE 212, 72, BSt­Bl II 2006, 287, unter II. 1.b; und vom 15.04.2010 – IV R 67/​07, BFH/​NV 2010, 1606, unter II. 3.c aa[]
  3. vgl. zuletzt BFH, Urtei­le vom 29.08.2012 – XI R 40/​10, BFH/​NV 2013, 182, unter 1.a; und vom 26.04.2012 – V R 2/​11, BFHE 237, 286, BSt­Bl II 2012, 634, unter II. 1.a bb, m.w.N.[]
  4. vgl. BFH, Urteil vom 18.12 1980 – V R 142/​73, BFHE 132, 497, BSt­Bl II 1981, 408[]
  5. vgl. BFH, Beschluss vom 29.06.1990 – V B 135/​89, BFH/​NV 1991, 278, Leit­satz 1[]