Gesetz­li­cher Betei­lig­ten­wech­sel im finanz­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren

Nach dem BFH, Beschluss vom 30.07.1997 [1] kann ein Betei­lig­ten­wech­sel trotz Zustän­dig­keits­wech­sels bei einer Ver­fah­rens­fort­füh­rung durch das bis­her zustän­di­ge Finanz­amt zwar auf­ge­hal­ten wer­den [2]. Dies setzt aller­dings einen Wech­sel in der ört­li­chen Zustän­dig­keit vor­aus, der Gegen­stand einer Ver­ein­ba­rung nach § 26 Satz 2 AO sein kann. Ein Wech­sel in der sach­li­chen Zustän­dig­keit ist vom Tat­be­stand des § 26 AO nicht erfasst [3].

Gesetz­li­cher Betei­lig­ten­wech­sel im finanz­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren

§ 19 Abs. 6 Satz 1 AO und die auf die­ser Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge erlas­se­ne Ein­kom­men­steu­er-Zustän­dig­keits­ver­ord­nung wer­den ent­spre­chend ihrem Wort­laut (s.a. § 1 ESt­Zu­stV) und der sys­te­ma­ti­schen Stel­lung (Zuord­nung zu §§ 17 ff. AO) aus­drück­lich als Rege­lun­gen der ört­li­chen Zustän­dig­keit bezeich­net und ver­stan­den [4]. Kern der Rege­lung ist jedoch, dass die sach­li­che Kom­pe­tenz von ein­schlä­gig befass­ten Finanz­äm­tern räum­lich abwei­chend abge­grenzt wird: Es geht um eine Zustän­dig­keits­kon­zen­tra­ti­on beim Finanz­amt … für die in § 1 ESt­Zu­stV ange­führ­ten Ein­künf­te, "um vor­han­de­nes Fach­wis­sen und Res­sour­cen sinn­voll ein­zu­set­zen" [5]. Damit wird dem Finanz­amt … eine (aus­schließ­li­che) sach­li­che Zustän­dig­keit für die Fäl­le der "(Nur-)Auslandsrentner" [6] zuge­wie­sen. Das bewirkt die Über­tra­gung von Ver­wal­tungs­auf­ga­ben zum Zwe­cke einer Zen­tra­li­sie­rung [7] und recht­fer­tigt die Gleich­be­hand­lung mit einem Orga­ni­sa­ti­ons­akt i.S. des § 17 Abs. 2 Satz 3 des Geset­zes über die Finanz­ver­wal­tung [8].

Der Ver­fah­rens­man­gel bezieht sich auf das ange­foch­te­ne finanz­ge­richt­li­che Urteil und nicht auf die Pro­zess­füh­rung im Revi­si­ons­ver­fah­ren. Daher wird der Man­gel nicht dadurch geheilt [9], dass das Finanz­amt im Revi­si­ons­ver­fah­ren eine Pro­zess­voll­macht des Finanz­amts … vor­ge­legt hat.

Auch die­ser Ver­fah­rens­man­gel ist von Gerichts wegen zu beach­ten. Er führt zur Auf­he­bung der Vor­ent­schei­dung. Das Finanz­ge­richt wird im Rah­men sei­ner fort­be­stehen­den Zustän­dig­keit (§ 38 Abs. 1, § 70 Satz 1 FGO i.V.m. § 17 Abs. 1 Satz 1 GVG) [10] nun­mehr gegen die bereits vor Kla­ge­er­he­bung sach­lich zustän­dig gewor­de­ne Behör­de zu ent­schei­den haben.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 20. August 2014 – I R 43/​12

  1. BFH, Beschluss vom 30.07.1997 – I R 14/​97 ((BFH/​NV 1998, 420[]
  2. zustim­mend BFH, Beschluss vom 24.01.2006 – VI B 98/​05, BFH/​NV 2006, 805[]
  3. z.B. Sun­der-Plass­mann in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, § 16 AO Rz 46 und § 26 AO Rz 12; Schmies­zek in Beermann/​Gosch, AO § 26 Rz 6.1; Kru­se in Tipke/​Kruse, Abga­ben­ord­nung, Finanz­ge­richts­ord­nung, § 26 AO Rz 2[]
  4. z.B. Klein/​Rätke, AO, 12. Aufl., § 19 Rz 14; Stahl, Inter­na­tio­na­le Steu­er-Rund­schau 2013, 8, 11; sowie ‑jeweils mit­tel­bar durch den Hin­weis auf § 27 AO- Schmies­zek in Beermann/​Gosch, AO § 19 Rz 38, und Sun­der-Plass­mann in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, § 19 AO Rz 45[]
  5. BR-Drs. 912/​08, 3[]
  6. Ein­künf­te i.S. des § 49 Abs. 1 Nr. 7 und 10 EStG 2002 n.F.[]
  7. s. inso­weit Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen, Schrei­ben vom 10.10.1995, BStBl I 1995, 664, zu II.[]
  8. s. inso­weit z.B. BFH, Urteil vom 24.02.1987 – VII R 23/​85, BFH/​NV 1987, 283[]
  9. s. zu die­ser Mög­lich­keit BFH, Urteil in BFHE 220, 495, BStBl II 2008, 742[]
  10. vgl. z.B. BFH, Urteil vom 25. Janu­ar 2005 – I R 87/​04, BFHE 209, 9, BStBl II 2005, 575[]