Meh­re­re Ver­hand­lungs­ter­mi­ne am glei­chen Tag – und die Fest­set­zung der Rei­se­kos­ten

Dient eine Geschäfts­rei­se meh­re­ren Geschäf­ten, sind nach Vor­be­mer­kung 7 Abs. 3 Satz 1 VV-RVG die dabei ent­stan­de­nen Aus­la­gen nach den Nr. 7003 bis 7006 VV-RVG nach dem Ver­hält­nis der Kos­ten zu ver­tei­len, die bei geson­der­ter Aus­füh­rung der ein­zel­nen Geschäf­te ent­stan­den wären.

Meh­re­re Ver­hand­lungs­ter­mi­ne am glei­chen Tag – und die Fest­set­zung der Rei­se­kos­ten

Der Anwen­dungs­be­reich der Vor­schrift ist auch eröff­net, wenn der Rechts­an­walt meh­re­re Geschäf­te (hier: zwei Ver­hand­lungs­ter­mi­ne vor dem Bun­dese­fi­nanz­hof) an ein und dem­sel­ben Ort erle­digt 1.

  • Zur Auf­tei­lung sind die tat­säch­li­chen Aus­la­gen nach Nr. 7003 bis 7006 VV-RVG zunächst ins­ge­samt für sämt­li­che Geschäf­te, vor­lie­gend also für die bei­den münd­li­chen Ver­hand­lun­gen am 19.03.2014, zu berech­nen.
  • Nun­mehr ist für jedes Geschäft iso­liert zu ermit­teln, wel­che Aus­la­gen ersatz­fä­hig sind und in wel­cher Höhe sie ange­fal­len wären, wenn aus­schließ­lich die­se Ange­le­gen­heit erle­digt wor­den wäre.
  • Anschlie­ßend sind die­se (fik­ti­ven) Ein­zel­kos­ten zu addie­ren, so dass sich fik­ti­ve Gesamt­kos­ten erge­ben.
  • . Die tat­säch­lich ange­fal­le­nen Aus­la­gen nach Nr. 7003 bis 7006 VV-RVG sind dann nach dem Ver­hält­nis der fik­ti­ven Ein­zel­kos­ten zu den fik­ti­ven Gesamt­kos­ten auf das ein­zel­ne Ver­fah­ren auf­zu­tei­len 2.

Wäre vor­lie­gend von den bei­den am 19.03.2014 beim BFH durch­ge­führ­ten münd­li­chen Ver­hand­lun­gen fik­tiv nur eine durch­ge­führt wor­den, wären die fik­ti­ven strei­ti­gen Aus­la­gen nach Nr. 7003 bis 7006 VV-RVG für jedes ein­zel­ne der bei­den ver­han­del­ten Ver­fah­ren exakt gleich hoch gewe­sen (gleich hohe Fahrt­kos­ten zum iden­ti­schen Gerichts­ort, gleich hohes Tage­geld, ggf. gleich hohe Über­nach­tungs­kos­ten). Es ent­fällt daher wie vom Beklag­ten zutref­fend vor­ge­tra­gen jeweils die Hälf­te der strei­ti­gen Aus­la­gen auf jedes der zwei am 19.03.2014 ver­han­del­ten Ver­fah­ren.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 25. März 2015 – X K 8/​13

  1. vgl. Mayer/​Kroiß, RVG, 6. Aufl., Vor­be­mer­kung 7 Rz 5[]
  2. vgl. z.B. Hart­mann, Kos­ten­ge­set­ze, 45. Aufl.2015, Vor­be­mer­kung 7 VV, Rz 10; Maser/​Kroiß, a.a.O., Vor­be­mer­kung 7 Rz 7 ff., mit Rechen­bei­spie­len; Rehberg/​Schons/​Vogt/​Feller/​Hellstab/​Jungbauer/​Bestelmayer/​Frankenberg, RVG, 6. Aufl., "Rei­se­kos­ten des Rechts­an­walts", Tz 7, "Rei­sen zur Aus­füh­rung meh­re­rer Geschäf­te"[]