Rechts­be­helfs­be­leh­rung – und die Adres­se der Behör­de

Eine Rechts­be­helfs­be­leh­rung ist nicht des­we­gen unrich­tig, weil sich die Anga­ben zu Sitz und Adres­se der Behör­de nur im Brief­kopf des Beschei­des fin­den.

Rechts­be­helfs­be­leh­rung – und die Adres­se der Behör­de

In der finanz­ge­richt­li­che Recht­spre­chung wird eine Rechts­be­helfs­be­leh­rung als unrich­tig i.S. des § 55 Abs. 2 Satz 1 FGO, und damit auch i.S. des § 356 Abs. 2 AO ange­se­hen, wenn sie in einer der gemäß § 55 Abs. 1 Satz 1 FGO oder § 356 Abs. 1 Satz 1 AO wesent­li­chen Aus­sa­gen unzu­tref­fend oder der­art unvoll­stän­dig oder miss­ver­ständ­lich gefasst ist, dass hier­durch ‑bei objek­ti­ver Betrach­tung- die Mög­lich­keit zur Fris­t­wah­rung gefähr­det erscheint [1].

Für die Rechts­be­helfs­be­leh­rung genügt regel­mä­ßig die Anga­be der amt­li­chen Bezeich­nung der den Bescheid erlas­sen­den Behör­de und der Gemein­de, in der die Behör­de ihren Sitz hat, wenn sich bei­des dem streit­be­fan­ge­nen Bescheid ent­neh­men lässt [2]. Das Schrift­tum folgt die­ser Recht­spre­chung [3].

Daher muss sich aus der Rechts­be­helfs­be­leh­rung des ange­foch­te­nen Beschei­des auch nicht die genaue Adres­se der Behör­de erge­ben, wenn sich deren Sitz aus dem ange­foch­te­nen Bescheid selbst ergibt.

Die noch anders­lau­ten­de Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts aus dem Jahr 1978 [4], war bei Erge­hen der zitier­ten finanz­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung über­wie­gend bereits bekannt. Auch hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in sei­ner jün­ge­ren Recht­spre­chung kei­ne von der zitier­ten Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs abwei­chen­den Rechts­grund­sät­ze auf­ge­stellt: So hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ledig­lich ent­schie­den, dass eine Rechts­mit­tel­be­leh­rung jeden­falls dann nicht voll­stän­dig ist, wenn sich der Sitz des Rechts­mit­tel­ge­richts weder der Rechts­mit­tel­be­leh­rung noch dem rest­li­chen Inhalt des ange­foch­te­nen Beschlus­ses ent­neh­men lässt [5]. Die­se Aus­sa­ge steht indes im Ein­klang mit der dar­ge­stell­ten Rechts­auf­fas­sung des Bun­des­fi­nanz­hofs und der ein­schlä­gi­gen Kom­men­tar­li­te­ra­tur.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 18. März 2016 – V B 1/​16

  1. vgl. z.B. BFH, Urteil vom 29.07.1998 – X R 3/​96, BFHE 186, 324, BStBl II 1998, 742; BFH, Beschluss vom 21.12 2005 – XI B 46/​05, unter II. 2.[]
  2. vgl. BFH, Beschlüs­se vom 20.02.1976 – VI R 150/​73, BFHE 118, 417, BStBl II 1976, 477; vom 28.02.1978 – VII R 92/​74, BFHE 124, 487, BStBl II 1978, 390; vom 07.12 1994 – I B 68/​94, BFH/​NV 1995, 849; BFH, Urteil vom 17.05.2000 – I R 4/​00, BFHE 192, 15, BStBl II 2000, 539[]
  3. vgl. z.B. Sie­gers in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, § 356 AO Rz 23; Werth in Beermann/​Gosch, AO § 356 Rz 16; Keß in Schwarz/​Pahlke, AO, § 356 Rz 14, jeweils m.w.N.[]
  4. BVerwG, Beschluss vom 13.03.1978 – 4 B 7/​78[]
  5. BVerwG, Urteil vom 30.04.2009 – 3 C 23/​08, BVerw­GE 134, 41[]