Untä­tig­keits­ein­spruch – und die Ablauf­hem­mung der Fest­set­zungs­ver­jäh­rung

Der Untä­tig­keits­ein­spruch nach § 347 Abs. 1 Satz 2 AO führt zu einer Ablauf­hem­mung nach § 171 Abs. 3a AO führt 1. Unter­lässt der Steu­er­pflich­ti­ge die recht­zei­ti­ge Ein­le­gung des Untä­tig­keits­ein­spruchs, kann er sich aller­dings nicht auf Treu und Glau­ben beru­fen, um dann gestellt zu wer­den, wie er stün­de, wenn er Ein­spruch ein­ge­legt hät­te 2.

Untä­tig­keits­ein­spruch – und die Ablauf­hem­mung der Fest­set­zungs­ver­jäh­rung

§ 171 Abs. 3a Satz 1 Halb­satz 2 AO steht im sach­li­chen Zusam­men­hang mit § 169 Abs. 1 Satz 3 AO. Die­se Norm regelt, dass die Fest­set­zungs­frist gewahrt wird, wenn ein Steu­er­be­scheid den Bereich der für die Steu­er­fest­set­zung zustän­di­gen Finanz­be­hör­de vor Ablauf der Fest­set­zungs­frist ver­las­sen hat.

Geschieht dies erst kurz vor Ablauf der Fest­set­zungs­frist, kann die Frist zur Ein­le­gung des Rechts­be­helfs über den Zeit­punkt des Ablaufs der Fest­set­zungs­frist hin­aus­ge­hen. In sol­chen Fäl­len soll das Rechts­be­helfs­ver­fah­ren nicht durch den Ablauf der Fest­set­zungs­frist sinn­los wer­den 3.

Einer Anwen­dung die­ser Spe­zi­al­norm in Untä­tig­keits­fäl­len steht jedoch offen­sicht­lich ent­ge­gen, dass die Finanz­be­hör­de gera­de kei­nen Ver­wal­tungs­akt vor Ablauf der Fest­set­zungs­frist erlas­sen hat, son­dern untä­tig geblie­ben ist.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 11. Novem­ber 2015 – V B 55/​15

  1. BFH, Urteil vom 22.01.2013 – IX R 1/​12, BFHE 239, 385, BSt­Bl II 2013, 663[]
  2. vgl. BFH, Urteil vom 29.06.2011 – IX R 38/​10, BFHE 233, 326, BSt­Bl II 2011, 963[]
  3. BT-Drs. VI/​1982, S. 151[]
  4. BFH, Urteil vom 21.04.1993 – X R 112/​91, BFHE 171, 15, BSt­Bl II 1993, 649[]