Berufs­ori­en­tie­rungs­maß­nah­men für Schü­ler – und die Umsatz­steu­er

Maß­nah­men der Berufs­ori­en­tie­rung für Schü­ler kön­nen als Maß­nah­men zur Berufs­vor­be­rei­tung von der Umsatz­steu­er befreit sein.

Berufs­ori­en­tie­rungs­maß­nah­men für Schü­ler – und die Umsatz­steu­er

Dies ent­schied jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in zwei Fäl­len aus Köln und Aachen: Die Klä­ger, bei denen es sich um pri­va­te Ein­rich­tun­gen han­delt, haben an öffent­li­chen Schu­len in deren Auf­trag Test­ver­fah­ren zur Fest­stel­lung der berufs­über­grei­fend ein­setz­ba­ren Kom­pe­ten­zen der Schü­ler und ihrer Nei­gun­gen durch­ge­führt. Die­se Tests sind Teil der in den Unter­richt inte­grier­ten Maß­nah­men zur beruf­li­chen Ori­en­tie­rung der Schü­ler vor dem Über­gang in den Beruf. Das beklag­te Land lehn­te den Antrag der Klä­ger auf Ertei­lung einer Beschei­ni­gung über die ord­nungs­ge­mä­ße Durch­füh­rung von Maß­nah­men zur Vor­be­rei­tung der Schü­ler auf einen Beruf ab. Die Beschei­ni­gung ist Vor­aus­set­zung für die von der Finanz­ver­wal­tung zu erklä­ren­de Umsatz­steu­er­be­frei­ung.

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len hat die­se Ent­schei­dun­gen bestä­tigt: Die Beschei­ni­gung sei nur vor­ge­se­hen für Maß­nah­men der Vor­be­rei­tung auf einen Beruf. Dabei müs­se nach der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung ein Bezug zu einem bestimm­ten Beruf gege­ben sein. Maß­nah­men der Berufs­wahl­vor­be­rei­tung, durch die die Schü­ler zu einer fun­dier­ten Berufs­wahl erst befä­higt wer­den soll­ten, fie­len nicht dar­un­ter 1

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die Urtei­le des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts auf­ge­ho­ben und die Sachen zur erneu­ten Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Müns­ter zurück­ver­wie­sen. Maß­nah­men zur Vor­be­rei­tung auf einen Beruf schlie­ßen abwei­chend von der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung auch Maß­nah­men zur beruf­li­chen Ori­en­tie­rung im Vor­feld der eigent­li­chen Berufs­wahl ein.

Anlass für die geän­der­te Recht­spre­chung gibt die Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs zu dem Begriff des von der Umsatz­steu­er befrei­ten „Schul­un­ter­richts" im Sin­ne der Mehr­wert­steu­er­sys­tem-Richt­li­nie. Der euro­pa­recht­lich gepräg­te Unter­richts­be­griff schließt über den klas­si­schen Schul­un­ter­richt hin­aus auch ande­re Tätig­kei­ten ein, die dar­auf zie­len, berufs­wahl­re­le­van­te Kennt­nis­se und Fähig­kei­ten der Schü­ler zu ent­wi­ckeln.

Da das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt über die Ord­nungs­ge­mäß­heit der kon­kret in Rede ste­hen­den Leis­tun­gen der kla­gen­den Insti­tu­te kei­ne Fest­stel­lun­gen getrof­fen hat, konn­te das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt kei­ne abschlie­ßen­de Ent­schei­dung tref­fen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 12. Juni 2013 – 9 C 4.12

  1. OVG NRW, Urtei­le vom 05.10.2011 – 14 A 448/​10 und 14 A 2577/​10[]