Betriebs­aus­flü­ge als steu­er­pflich­ti­ge Umsät­ze

Die Ver­an­stal­tung der Betriebs­aus­flü­ge kann, wie ein aktu­el­les Urteil des Finanz­ge­richts Müns­ter zeigt, zu steu­er­ba­ren Umsät­zen nach § 3 Abs. 9a Nr. 2, 2. Alt. UStG füh­ren, wenn die Auf­wen­dun­gen hier­für ein gewis­ses Maß über­stei­gen. Hier­nach wird die unent­gelt­li­che Erbrin­gung einer sons­ti­gen Leis­tung durch einen Unter­neh­mer für den pri­va­ten Bedarf sei­nes Per­so­nals einer sons­ti­gen Leis­tung gegen Ent­gelt gleich­ge­stellt, sofern kei­ne Auf­merk­sam­kei­ten vor­lie­gen.

Betriebs­aus­flü­ge als steu­er­pflich­ti­ge Umsät­ze

Da die Vor­schrift bei richt­li­ni­en­kon­for­mer Aus­le­gung (Art. 5 Abs. 6, Art. 6 Abs. 2 Buchst. a der Sechs­ten Umsatz­steu­er-Richt­li­nie 1) nicht anwend­bar ist, wenn die Zuwen­dung des Unter­neh­mers im Hin­blick auf beson­de­re Umstän­de gebo­ten ist 2, ent­fällt die Steu­er­bar­keit, wenn die Befrie­di­gung des pri­va­ten Bedarfs der Arbeit­neh­mer durch die mit der Maß­nah­me ver­folg­ten betrieb­li­chen Zwe­cke über­la­gert wird 3.

Für die Fra­ge, wann bei einer Betriebs­ver­an­stal­tung die Befrie­di­gung des pri­va­ten Bedarfs von betrieb­li­chen Zwe­cken über­la­gert wird, ist nach Auf­fas­sung des Finanz­ge­richts Müns­ter die Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs zur lohn­steu­er­recht­li­chen Behand­lung von Betriebs­ver­an­stal­tun­gen her­an­zu­zie­hen. Die lohn­steu­er­recht­li­chen Abgren­zungs­kri­te­ri­en für die Fra­ge, wann bei einer Betriebs­ver­an­stal­tung Arbeits­lohn vor­liegt, sind mit den umsatz­steu­er­recht­li­chen Abgren­zungs­kri­te­ri­en nahe­zu deckungs­gleich. Steu­er­pflich­ti­ger Arbeits­lohn liegt näm­lich dann nicht vor, wenn die Zuwen­dung im ganz über­wie­gen­den eigen­be­trieb­li­chen Inter­es­se des Arbeit­ge­bers erfolgt 4.

Im Hin­blick auf Betriebs­ver­an­stal­tun­gen hat der Bun­des­fi­nanz­hof für die Jah­re 1983 bis 1986 ent­schie­den, dass bei der Über­schrei­tung eines Höchst­be­tra­ges von 150,- DM pro Teil­neh­mer einer Betriebs­ver­an­stal­tung steu­er­pflich­ti­ger Arbeits­lohn vor­liegt 5. Für die Jah­re 1996 und 1997 hat er unter grund­sätz­li­cher Bestä­ti­gung die­ser Recht­spre­chung den Höchst­be­trag auf 200,- DM ange­ho­ben 6.

Das Finanz­ge­richt Müns­ter hält es aus Grün­den der Prak­ti­ka­bi­li­tät für erfor­der­lich, die Fra­ge des eigen­be­trieb­li­chen Inter­es­ses bei Betriebs­ver­an­stal­tun­gen für Zecke der Umsatz­steu­er eben­falls nach einer betrags­mä­ßi­gen Gren­ze zu beur­tei­len. Eine Prü­fung der unter­neh­mens­be­zo­ge­nen und regio­na­len Beson­der­hei­ten in jedem Ein­zel­fall ist aus Sicht des erken­nen­den Senats nicht durch­führ­bar. Es sind auch kei­ne ande­ren objek­ti­ven Kri­te­ri­en ersicht­lich, nach denen im Hin­blick auf Betriebs­ver­an­stal­tun­gen eine Prü­fung mit ange­mes­se­nem Auf­wand durch­ge­führt wer­den könn­te.

Danach hat der Unter­neh­mer durch die Ver­an­stal­tung von Betriebs­aus­flü­gen sons­ti­ge Leis­tun­gen unent­gelt­lich an sei­ne Arbeit­neh­mer erbracht. Die Leis­tun­gen diens­ten auch dem pri­va­ten Bedarf der Arbeit­neh­mer, da bei Betriebs­aus­flü­gen typi­scher­wei­se Leis­tun­gen der Frei­zeit­ge­stal­tung und Ver­pfle­gung erbracht wer­den. Die pri­va­ten Zwe­cke wer­den auch nicht durch betrieb­li­che Zwe­cke des Unter­neh­mers über­la­gert. Im Streit­fall belau­fen sich die Gesamt­auf­wen­dun­gen für die Betriebs­aus­flü­ge auf 3.694,22 € (2003) bzw. 4.610,85 € (2004) brut­to. Geht man zuguns­ten der Klä­ge­rin davon aus, dass jeweils alle 18 Arbeit­neh­mer teil­ge­nom­men haben, betra­gen die Auf­wen­dun­gen pro Teil­neh­mer und Ver­an­stal­tung ca. 200,- € bis 250,- €. Der vom Bun­des­fi­nanz­hof auf­ge­stell­te Höchst­be­trag wäre selbst dann deut­lich über­schrit­ten, wenn man auf­grund gestie­ge­ner Prei­se vom Erfor­der­nis einer wei­te­ren Anhe­bung der Frei­gren­ze aus­gin­ge.

Dar­über hin­aus lie­gen kei­ne beson­de­ren Umstän­de vor, die die Zuwen­dung der Betriebs­ver­an­stal­tun­gen als gebo­ten erschei­nen las­sen. Der Umstand, dass Betriebs­aus­flü­ge zur Ver­bes­se­rung des Arbeits­kli­mas und damit mög­li­cher­wei­se auch der Stei­ge­rung der Leis­tungs­be­reit­schaft der Arbeit­neh­mer die­nen, sieht der Senat nicht als beson­de­res Erfor­der­nis an, das eine Über­la­ge­rung der pri­va­ten Belan­ge der Arbeit­neh­mer durch betrieb­li­che Inter­es­sen der Klin. recht­fer­ti­gen wür­de.

Bei der Ver­an­stal­tung der Betriebs­aus­flü­ge han­delt es sich auch nicht um Auf­merk­sam­kei­ten. Auf­merk­sam­kei­ten sind Zuwen­dun­gen des Arbeit­ge­bers, die ihrer Art nach und ihrem Wert Geschen­ken ent­spre­chen, die im gesell­schaft­li­chen Ver­kehr übli­cher­wei­se aus­ge­tauscht wer­den und zu kei­ner ins Gewicht fal­len­den Berei­che­rung des Arbeit­neh­mers füh­ren 7. Hier­von kann aus­ge­gan­gen wer­den, wenn eine Wert­gren­ze von 40,- € nicht über­schrit­ten wird 8. Die­se wird im Streit­fall deut­lich über­schrit­ten.

Finanz­ge­richt Müns­ter, Urteil vom 6. Mai 2010 – 5 K 3950/​07 U

  1. Sechs­te Richt­li­nie des Rates vom 17. Mai 1977 zur Har­mo­ni­sie­rung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Umsatz­steu­ern 77/​388/​EWG[]
  2. EuGH, Urteil vom 16.10.1997 – C‑258/​95 [Fil­li­beck], Slg. 1997, I‑5577, HFR 1998, 61[]
  3. BFH, Urtei­le vom 28.05.1998 – V R 26/​95, BFHE 186, 154, BSt­Bl II 1998, 589; vom 09.07.1998 – V R 105/​92, BFHE 186, 157, BSt­Bl II 1998, 635; vom 16.12.1999 – V R 43/​99, HFR 2000, 596, BFH/​NV 2000, 994; und vom 29.05.2008 – V R 17/​07, HFR 2008, 1271, BFH/​NV 2008, 1893[]
  4. z.B. BFH, Urteil vom 20.05.1983 – VI R 39/​81, BFHE 138, 555, BSt­Bl II 1983, 712[]
  5. BFH, Urteil vom 25.05.1992 – VI R 85/​90, BFHE 167, 542, BSt­Bl II 1992, 655[]
  6. BFH, Urteil vom 16.11.2005 – VI R 151/​00, BFHE 211, 325, BSt­Bl II 2006, 442[]
  7. BFH, Urteil vom 24.11.1992 – V R 44/​88, BFH/​NV 1994, 200[]
  8. Michl in Offerhaus/​Söhn/​Lange, Umsatz­steu­er Kom­men­tar, § 3 Rn. 74c; Klenk in Sölch/​Ringleb, Umsatz­steu­er­ge­setz, § 3 Rn. 366; Abschn. 12 Abs. 3 Satz 2 UStR 2008[]