Erstat­tung zu Unrecht abge­führ­ter Umsatz­steu­er

Gemäß § 37 Abs. 2 AO kann ein Anspruch auf Erstat­tung gezahl­ter Steu­ern gel­tend gemacht wer­den, wenn eine Steu­er ohne recht­li­chen Grund gezahlt wor­den ist. Ist eine durch Bescheid fest­ge­setz­te Steu­er nach mate­ri­el­lem Recht „ohne recht­li­chen Grund“ gezahlt wor­den, so kann der Erstat­tungs­an­spruch nur dann mit Erfolg gel­tend gemacht wer­den, wenn der Steu­er­be­scheid nach for­mel­lem Recht auf­ge­ho­ben oder geän­dert wer­den kann 1. Die for­mel­le Bestands­kraft des Bescheids über­la­gert des­sen mate­ri­el­le Feh­ler­haf­tig­keit. Der Steu­er­pflich­ti­ge kann sich nicht mehr dar­auf beru­fen, dass der fest­ge­setz­te Steu­er­an­spruch nicht besteht 2. Das Rechts­in­sti­tut der Erstat­tung kann nicht dazu benutzt wer­den, ein Rechts­be­helfs­ver­säum­nis wett zu machen 3.

Erstat­tung zu Unrecht abge­führ­ter Umsatz­steu­er

Nach § 14c Abs. 2 Satz 3 UStG kann der­je­ni­ge, der nicht berech­tigt ist in einer Rech­nung Umsatz­steu­er geson­dert aus­zu­wei­sen, die­se Rech­nung berich­ti­gen und die Steu­er zurück­for­dern, wenn eine Gefähr­dung des Steu­er­auf­kom­mens besei­tigt ist. Nach § 14c As. 2 Satz 5 UStG ist die Berich­ti­gung des geschul­de­ten Betrags beim Finanz­amt geson­dert schrift­lich zu bean­tra­gen und nach des­sen Zustim­mung in ent­spre­chen­der Anwen­dung des § 17 Abs. 1 UStG für den Besteue­rungs­zeit­raum vor­zu­neh­men, in dem die Vor­aus­set­zun­gen des Sat­zes 4 ein­ge­tre­ten sind.

Der EuGH erkennt in dem Geni­us-Urteil 4 unter Beru­fung auf das Neu­tra­li­täts­prin­zip, dass jede zu Unrecht in Rech­nung gestell­te Steu­er berich­tigt wer­den kann, wenn der Aus­stel­ler sei­nen guten Glau­ben nach­weist. Spä­ter ent­schied der EuGH auf Vor­la­ge­be­schluss des BFH, dass der Grund­satz der Neu­tra­li­tät der Mehr­wert­steu­er ver­langt, dass die zu Unrecht in Rech­nung gestell­te Mehr­wert­steu­er berich­tigt wer­den kann, wenn eine Gefähr­dung des Steu­er­auf­kom­mens durch die aus­ge­stell­te Rech­nung recht­zei­tig und voll­stän­dig besei­tigt wor­den ist, ohne dass dies vom guten Glau­ben des Aus­stel­lers abhän­gig gemacht wer­den kann (EuGH, Urteil vom 19.09.2000 – C‑454/​98 [Schmeinck & Cofreth & Man­fred Stro­bel], UR 2000, 470; Schlos­ser-Zeu­ner in Bunjes/​Geist, Umsatz­steu­er­kom­men­tar, § 14 c Rz. 27)).

Eine zeit­li­che Beschrän­kung für die Berich­ti­gung nach § 14 c UStG ist im Gesetz nicht vor­ge­se­hen.

Dies gilt frei­lich nicht für Umsatz­steu­er­be­rich­ti­gun­gen inner­halb einer umsatz­steu­er­li­chen Organ­schaft: Für die­sen Fall hat das Finanz­amt die Zustim­mung zur Berich­ti­gung nach § 14 c UStG nach Ansicht des Finanz­ge­richts Baden-Würt­tem­berg zu Recht mit der Begrün­dung abge­lehnt, dass die­ser die Berich­ti­gung einer Rech­nung vor­aus­setzt. Eine Rech­nung liegt aber nach § 14 Abs. 1 Satz 1 UStG nur vor, wenn in dem Doku­ment über eine Lie­fe­rung oder sons­ti­ge Leis­tung abge­rech­net wird und die­ses Doku­ment „bege­ben“ wor­den ist. Die Abrech­nungs­pa­pie­re inner­halb eines Organ­krei­ses sind kei­ne „Rech­nun­gen“ 5. Die dar­in aus­ge­wie­se­ne Umsatz­steu­er wird nicht nach § 14 c Abs. 2 UStG geschul­det 6. Sie kann daher nicht nach § 14c Abs. 2 Satz 3 bis 5 UStG „berich­tigt“ wer­den.

Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 25. Novem­ber 2009 – 1 K 250/​06

  1. BFH, Urteil vom 29.10.2002 – VII R 2/​02, BSt­Bl II 2003, 43[]
  2. Drüen in Tipke/​Kruse, AO, § 37 Rz. 34; Brockmeyer/​Ratschow in Koch, AO-Kom­men­tar, § 37 Rz. 3[]
  3. BFH, Urteil 06.09.1962 – V 166/​59 U, BSt­Bl III 1962, 494; FG Köln, Urteil vom 18.03.2009 – 7 K 2808/​07; FG Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil vom 16.09.2009 – 7 K 7296/​05 B[]
  4. EuGH, Urteil vom 13.12.1987 – C-342/​87[Geni­us Hol­ding], UR 1991, 83[]
  5. Sta­die in Rau/​Dürrwächter, UStG-Komm., § 14c Anm. 44[]
  6. vgl. Abschn. 183 Abs. 4 UStR[]