Tanz­kur­se als Brei­ten­sport

Tanz­kur­se eines gemein­nüt­zi­gen Ver­eins kön­nen eine sport­li­che Ver­an­stal­tung i.S. von § 4 Nr. 22 Buchst. b UStG sein.

Tanz­kur­se als Brei­ten­sport

ach § 4 Nr. 22 Buchst. a UStG sind steu­er­frei die Vor­trä­ge, Kur­se und ande­ren Ver­an­stal­tun­gen wis­sen­schaft­li­cher oder beleh­ren­der Art, die etwa von Ein­rich­tun­gen, die gemein­nüt­zi­gen Zwe­cken die­nen, durch­ge­führt wer­den, wenn die Ein­nah­men über­wie­gend zur Deckung der Kos­ten ver­wen­det wer­den. Dies gilt auch für ande­re kul­tu­rel­le und sport­li­che Ver­an­stal­tun­gen, die von den in § 4 Nr. 22 Buchst. a UStG genann­ten Unter­neh­mern durch­ge­führt wer­den, soweit das Ent­gelt in Teil­neh­mer­ge­büh­ren besteht (§ 4 Nr. 22 Buchst. b UStG).

Die sport­li­chen Ver­an­stal­tun­gen im Sin­ne von § 4 Nr. 22 Buchst. b UStG umfas­sen alle orga­ni­sa­to­ri­sche Maß­nah­men eines Sport­ver­eins, die es akti­ven Sport­lern ermög­li­chen, Sport zu trei­ben, wobei eine bestimm­te Orga­ni­sa­ti­ons­form oder ‑struk­tur nicht vor­ge­ge­ben ist. Nicht steu­er­frei ist aller­dings die blo­ße Nut­zungs­über­las­sung von Sport­ge­gen­stän­den oder Sport­an­la­gen 1.

Das Tat­be­stands­merk­mal der sport­li­chen Ver­an­stal­tun­gen im Sin­ne von § 4 Nr. 22 Buchst. b UStG bezieht sich auf Sport und Kör­per­er­tüch­ti­gung im All­ge­mei­nen. Es beschränkt sich nicht auf bestimm­te Arten von Sport. Es setzt auch nicht vor­aus, dass die sport­li­che Betä­ti­gung auf einem bestimm­ten Niveau, bei­spiels­wei­se auf pro­fes­sio­nel­lem Niveau, oder in einer bestimm­ten Art und Wei­se, näm­lich regel­mä­ßig oder orga­ni­siert oder mit dem Ziel der Teil­nah­me an sport­li­chen Wett­kämp­fen, aus­ge­übt wird, soweit die Aus­übung die­ser Tätig­keit indes­sen nicht rein im Rah­men von Erho­lung oder Unter­hal­tung statt­fin­det. Das Tat­be­stands­merk­mal erfasst viel­mehr alle in engem Zusam­men­hang mit Sport und Kör­per­er­tüch­ti­gung ste­hen­de Dienst­leis­tun­gen, die von Ein­rich­tun­gen, die – wie im Streit­fall der Ver­ein – gemein­nüt­zi­gen Zwe­cken die­nen, an Per­so­nen erbracht wer­den, die Sport oder Kör­per­er­tüch­ti­gung aus­üben. Mit­hin kön­nen auch nicht orga­ni­sier­te und nicht plan­mä­ßi­ge sport­li­che Betä­ti­gun­gen, die nicht auf die Teil­nah­me an Sport­wett­kämp­fen abzie­len, als Aus­übung von Sport im Sin­ne die­ser Vor­schrift ange­se­hen wer­den 2.

Im vor­lie­gen­den Fall erler­nen die Teil­neh­mer der Tanz­kur­se die genann­ten Tän­ze ("die übli­chen Stan­dard- und Latein­ame­ri­ka­ni­schen Tän­ze") mit ihrer jewei­li­gen Abfol­ge an Schrit­ten, Figu­ren und Gleich­ge­wichts­la­gen und der damit ver­bun­de­nen Abfol­ge an Anspan­nung oder Ent­span­nung der jewei­li­gen Berei­che ihrer Mus­ku­la­tur. die Teil­neh­mer wol­len die Tän­ze ein­üben, ver­bes­sern oder ihre Fähig­kei­ten je nach ihrem Alter wenigs­tens erhal­ten oder den Abbau die­ser Fähig­kei­ten ver­lang­sa­men wol­len und auch sol­len. Dass damit auch Erho­lung oder Unter­hal­tung statt­fin­det, ist eher eine Neben­fol­ge, die sich auch im auf Wett­kämp­fe aus­ge­rich­te­ten (Leistungs-)Sport beob­ach­ten und erfah­ren lässt. Es kenn­zeich­net mit­hin nicht nur den sog. Brei­ten­sport, der aber eben­falls bereits als "Sport" im Sin­ne von § 4 Nr. 22 Buchst. b UStG anzu­se­hen ist 3.

Damit sind die strei­ti­gen Tanz­kur­se auch nicht bloß als bestimm­te in "engem" Zusam­men­hang mit Sport und Kör­per­er­tüch­ti­gung ste­hen­de Dienst­leis­tun­gen anzu­se­hen (vgl. Art. 132 Abs. 1 Buchst. m der Mehr­wert­steu­er­richt­li­nie; vgl. hier­zu auch BFH, Urteil vom 09.08.2007 – V R 27/​04, BFH/​NV 2007, 2213, unter II. 3. a, bb, m. w. Nachw. und mit dem Hin­weis, dass die Vor­schrift des § 4 Nr. 22 Buchst. b UStG die gemein­schafts­recht­li­chen Befrei­ungs­be­stim­mun­gen des Art. 13 Teil A Abs. 1 der Sechs­ten Richt­li­nie des Rates vom 17.05.1977 zur Har­mo­ni­sie­rung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Umsatz­steu­ern 77/​388/​EWG [Richt­li­nie 77 /​388 /​EWG] ersicht­lich nicht umsetzt, son­dern an die "sport­li­che Ver­an­stal­tung" im Sin­ne von § 67a AO anknüpft).

Finanz­ge­richt Baden ‑Würt­tem­berg, Urteil vom 30. April 2015 – 12 K 2582/​12

  1. BFH, Urteil vom 20.03.2014, – V R 4/​13, BFH/​NV 2014, 1470, unter II. 2. a[]
  2. EuGH, Urteil vom 21.02.2013 – C‑18/​12, DStR 2013, 407, bei Rdnrn. 21 ff., zu Art. 132 Abs. 1 Buchst. m der Mehr­wert­steu­er­richt­li­nie 2006/​112/​EG[]
  3. vgl. EuGH, Urteil vom 21.02.2013, – C‑18/​12, DStR 2013, 407, bei Rdnr. 23, zu Art. 132 Abs. 1 Buchst. m der Mehr­wert­steu­er­richt­li­nie[]