Kopf­prä­mi­en für die Arzt-Ansied­lung

Zwi­schen den Auf­wen­dun­gen für die Errich­tung eines Gebäu­des, das an Arzt­pra­xen ver­mie­tet wird, und Zah­lun­gen eines Apo­the­kers an den Ver­mie­ter, damit die­ser das Gebäu­de an Ärz­te ver­mie­tet, besteht kein zum Vor­steu­er­ab­zug nach § 15 Abs. 1 des Umsatz­steu­er­ge­set­zes berech­ti­gen­der direk­ter und unmit­tel­ba­rer Zusam­men­hang. Die­se Zah­lun­gen sind des­halb bei der Auf­tei­lung der Vor­steu­er­be­trä­ge nach Maß­ga­be eines Umsatz­schlüs­sels nicht zu berück­sich­ti­gen ent­schied jetzt der Bun­des­fi­nanz­hof.

Kopf­prä­mi­en für die Arzt-Ansied­lung

Grund­la­ge des Mün­che­ner Urteils war ein Fall, in dem die Klä­ge­rin einen Neu­bau teils steu­er­frei an eine Arzt­pra­xis und teils steu­er­pflich­tig an ein Inge­nieur­bü­ro ver­mie­te­te. Außer­dem erhielt die Klä­ge­rin für einen beschränk­ten Zeit­raum Zah­lun­gen eines benach­bar­ten Apo­the­kers, zu denen sich die­ser zuvor im Fal­le einer Ansied­lung von Arzt­pra­xen ver­pflich­tet hat­te; die­se Zah­lun­gen behan­del­te die Klä­ge­rin als umsatz­steu­er­pflich­tig.

In ihren Umsatz­steu­er­erklä­run­gen mach­te sie Vor­steu­ern im Zusam­men­hang mit der Errich­tung des Gebäu­des gel­tend. Dabei teil­te sie das Vor­steu­er­vo­lu­men im Ver­hält­nis der steu­er­pflich­ti­gen Aus­gangs­um­sät­ze (Inge­nieur­bü­ro und Apo­the­ker) zu den steu­er­frei­en Aus­gangs­um­sät­zen (Arzt­pra­xen) auf. Dem folg­te das Finanz­amt jedoch ím Hin­blick auf die der Zah­lun­gen des Apo­the­kers nicht.

Das erst­in­stanz­lich mit der Kla­ge befass­te Nie­der­säch­si­sche Finanz­ge­richt in Han­no­ver gab der Kla­ge statt, weil die mit der Ansied­lung einer Arzt­pra­xis erbrach­te umsatz­steu­er­pflich­ti­ge Leis­tung bei wirt­schaft­li­cher Betrach­tung einen zusätz­li­chen mit dem Gebäu­de erziel­ten Umsatz dar­stel­le1.

Auf die Revi­si­on des Finanza­tes hat nun jedoch der Bun­des­fi­nanz­hof das Urteil des Nie­der­säch­si­schen Finanz­ge­richts auf­ge­ho­ben. Nach der Recht­spre­chung des Gerichts­ho­fes der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten muss, so der Bun­des­fi­nanz­hof in sei­nen Urteils­grün­den, für den Vor­steu­er­ab­zug ein direk­ter und unmit­tel­ba­rer Zusam­men­hang zwi­schen einem bestimm­ten Ein­gangs­um­satz und einem oder meh­re­ren Umsät­zen der nach­fol­gen­den Stu­fe, die zum Vor­steu­er­ab­zug berech­ti­gen, bestehen. Das vom Nie­der­säch­si­schen Finanz­ge­richt her­an­ge­zo­ge­ne Prin­zip der wirt­schaft­li­chen Zurech­nung mit Vor­rang einer wirt­schaft­li­chen Denk­wei­se vor einer sog. gegen­ständ­li­chen Zurech­nung ist damit, so der Bun­des­fi­nanz­hof aus­drück­lich, nicht ver­ein­bar.

Zwi­schen den Auf­wen­dun­gen für die Errich­tung eines Gebäu­des, das an Arzt­pra­xen ver­mie­tet wird, und Zah­lun­gen eines Apo­the­kers an den Ver­mie­ter, damit die­ser das Gebäu­de an Ärz­te ver­mie­tet, besteht kein zum Vor­steu­er­ab­zug nach § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 UStG 1999 berech­ti­gen­der direk­ter und unmit­tel­ba­rer Zusam­men­hang. Die­se Zah­lun­gen sind des­halb bei der Auf­tei­lung der Vor­steu­er­be­trä­ge nach Maß­ga­be eines Umsatz­schlüs­sels nicht zu berück­sich­ti­gen.

Hin­sicht­lich der Zah­lun­gen des Apo­the­kers bestand danach ein direk­ter und unmit­tel­ba­rer Zusam­men­hang nur mit der Ansied­lung der Ärz­te durch Ver­mie­tung der Räu­me an die Ärz­te. Die Auf­wen­dun­gen für die Errich­tung des Anbaus stan­den dem­ge­gen­über nur mit den Umsät­zen in einem direk­ten und unmit­tel­ba­ren Zusam­men­hang, die aus der Ver­mie­tungs­tä­tig­keit erzielt wur­den. Das Vor­steu­er­vo­lu­men aus der Errich­tung des Gebäu­des teil­te der BFH des­halb ent­spre­chend dem Ver­hält­nis der steu­er­pflich­ti­gen Ver­mie­tungs­um­sät­ze (Inge­nieur­bü­ro) zu den steu­er­frei­en Ver­mie­tungs­um­sät­zen (Arzt­pra­xen) auf.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 15. Okto­ber 2009 – XI R 82/​07

  1. Nie­der­säch­si­sches FG, Urteil vom 22.10.2007 – 16 K 69/​06, EFG 2008, 260 []