Steu­er­erstat­tung auf ein gekün­dig­tes Giro­kon­to

Ein Kre­dit­in­sti­tut muss Steu­er­erstat­tun­gen des Finanz­am­tes, die vom Finanz­amt auf ein gekün­dig­tes Giro­kon­to über­wie­sen wur­den, nicht zurück­er­stat­ten. Mit die­ser Begrün­dung gab jetzt der Bun­des­fi­nanz­hof einer Bank Recht, die sich gewei­gert hat­te, dem Finanz­amt einen Betrag zurück­zu­zah­len, der als Steu­er­erstat­tung auf ein von der Bank bereits gekün­dig­tes Kon­to eines Kun­den über­wie­sen wor­den war. Die Bank hat­te den Betrag zunächst auf die­sem Kon­to ver­bucht, dann auf einem inter­nen Ver­rech­nungs­kon­to hin­ter­legt und ihn spä­ter auf ent­spre­chen­de Anfor­de­rung an den Insol­venz­ver­wal­ter ihres frü­he­ren Kun­den aus­ge­zahlt.

Steu­er­erstat­tung auf ein gekün­dig­tes Giro­kon­to

In ers­ter Instanz vor dem Finanz­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg hat­te die Bank mit ihrer Kla­ge gegen die Rück­for­de­rung des Finanz­amt kei­nen Erfolg [1]. Das Finanz­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg bezog sich dabei auf frü­he­re Ent­schei­dun­gen des Bun­des­fi­nanz­ofs, in denen die Rück­for­de­rung von der Bank für recht­mä­ßig ange­se­hen wor­den war, wenn das Finanz­amt die Erstat­tung auf ein nicht mehr bestehen­des Kon­to über­wie­sen hat­te [2].

Der Bun­des­fi­nanz­hof stell­te nun klar, dass die Bank, die zivil­recht­lich auch nach Kün­di­gung eines Giro­kon­tos berech­tigt ist, ein­ge­hen­de Zah­lun­gen für ihren frü­he­ren Kun­den ent­ge­gen­zu­neh­men, jeden­falls dann als blo­ße Zahl­stel­le zwi­schen dem Finanz­amt und ihrem Kun­den fun­giert, wenn sie den Betrag pflicht­ge­mäß für den Kun­den ver­bucht bzw. an die­sen aus­zahlt. Da folg­lich nicht sie selbst die Emp­fän­ge­rin der Leis­tung des Finanz­am­tes ist – das Finanz­amt woll­te ja nicht an die Bank, son­dern an den Steu­er­pflich­ti­gen zah­len – kann das Finanz­amt von ihr auch kei­ne Rück­zah­lung des über­wie­se­nen Betrags ver­lan­gen.

Der Rück­zah­lungs­an­spruch des Finanz­am­tes gegen die Bank schei­tert dar­an, dass nicht die Bank, son­dern der Steu­er­pflich­ti­ge als Inha­ber des Erstat­tungs­an­spruchs Emp­fän­ge­rin der vom Finanz­amt bewirk­ten Leis­tung ist.

Wie der Bun­des­fi­nanz­hof bereits in frü­he­ren Ent­schei­dun­gen aus­ge­führt hat [3], ist in den Fäl­len, in denen an einem Erstat­tungs­vor­gang meh­re­re Per­so­nen betei­ligt sind, der­je­ni­ge Schuld­ner des abga­ben­recht­li­chen Rück­zah­lungs­an­spruchs, zu des­sen Guns­ten erkenn­bar die Zah­lung geleis­tet wur­de, die zurück­ge­for­dert wird. Dies ist in der Regel der­je­ni­ge, dem­ge­gen­über die Finanz­be­hör­de ihre –ver­meint­li­che oder tat­säch­lich bestehen­de– abga­ben­recht­li­che Ver­pflich­tung erfül­len will. Ein Drit­ter ist folg­lich, obgleich tat­säch­li­cher Emp­fän­ger einer Zah­lung, dann nicht Leis­tungs­emp­fän­ger, wenn er ledig­lich als Zahl­stel­le benannt wor­den ist bzw. das Finanz­amt auf­grund einer Zah­lungs­an­wei­sung des Erstat­tungs­be­rech­tig­ten an ihn eine Erstat­tung gezahlt hat. Denn in einem sol­chen Fall will das Finanz­amt erkenn­bar nicht mit befrei­en­der Wir­kung zu des­sen Guns­ten leis­ten, son­dern es erbringt sei­ne Leis­tung mit dem Wil­len, eine For­de­rung gegen­über dem steu­er­li­chen Rechts­in­ha­ber zu erfül­len.

Ist in den Zah­lungs­vor­gang bei einer Steu­er­erstat­tung ein vom Steu­er­pflich­ti­gen ange­ge­be­nes Kre­dit­in­sti­tut ein­ge­schal­tet, so ist im Regel­fall davon aus­zu­ge­hen, dass das Finanz­amt mit der Über­wei­sung nicht zu des­sen Guns­ten, son­dern mit befrei­en­der Wir­kung gegen­über dem Anspruchs­be­rech­tig­ten, der das Kon­to ange­ge­ben hat, leis­ten will. Das Kre­dit­in­sti­tut ist nicht Leis­tungs­emp­fän­ger, son­dern ledig­lich die vom Steu­er­pflich­ti­gen bezeich­ne­te Zahl­stel­le.

So liegt es im Streit­fall. Das Finanz­amt woll­te mit der Über­wei­sung auf das von dem Steu­er­pflich­ti­gen benann­te Kon­to bei der Bank an den Steu­er­pflich­ti­gen leis­ten und die Bank hat sich –wie aus der Ver­bu­chung des Betrags auf das bei ihr noch geführ­te Kon­to des Steu­er­pflich­ti­gen und der spä­te­ren Her­aus­ga­be des Haben­sal­dos an den Insol­venz­ver­wal­ter ersicht­lich– als Zahl­stel­le des Steu­er­pflich­ti­gen ver­stan­den. Sie war nicht Leis­tungs­emp­fän­ge­rin i.S. des § 37 Abs. 2 Satz 1 AO.

Etwas ande­res ergibt sich, so der Bun­des­fi­nanz­hof wei­ter, im Streit­fall nicht dar­aus, dass die Bank das Giro­kon­to des Steu­er­pflich­ti­gen vor Ein­gang der Über­wei­sung des Finanz­am­tes gekün­digt hat­te. Zwar hat der Bun­des­fi­nanz­hof in zwei frü­he­ren Ent­schei­dun­gen [2] die Rück­for­de­rung von einem Kre­dit­in­sti­tut für recht­mä­ßig erach­tet, wenn das Finanz­amt die Erstat­tung auf ein nicht mehr bestehen­des Kon­to über­wie­sen hat. Die die­sen Ent­schei­dun­gen zugrun­de lie­gen­den Sach­ver­hal­te unter­schei­den sich aber vom Streit­fall dadurch, dass dort das Kre­dit­in­sti­tut das Kon­to bereits eini­ge Zeit vor der Über­wei­sung gekün­digt und den Über­wei­sungs­be­trag mit For­de­run­gen aus die­sem Kon­to ver­rech­net hat­te. Dem lag die Erwä­gung zugrun­de, dass das Kre­dit­in­sti­tut, das wegen der nach Kün­di­gung noch fort­be­stehen­den Nach­wir­kun­gen des Giro­ver­trags berech­tigt sei, noch ein­ge­hen­de Über­wei­sungs­be­trä­ge für sei­ne ehe­ma­li­gen Kun­den ent­ge­gen­zu­neh­men, mit der Auf­rech­nung eine eige­ne Zweck­be­stim­mung der Leis­tung gegen­über sei­nen Kun­den tref­fe und nicht ledig­lich als Zahl­stel­le fun­gie­re; dadurch sei es selbst Leis­tungs­emp­fän­ger gewor­den.

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Vor­inst­naz, des Finanz­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg, lässt sich mit die­sen Ent­schei­dun­gen nicht begrün­den, dass auch im Streit­fall die Bank, die das gekün­dig­te Kon­to mit einem Haben­sal­do geschlos­sen und das Geld an den Insol­venz­ver­wal­ter über das Ver­mö­gen der GmbH wei­ter­ge­lei­tet hat, Leis­tungs­emp­fän­ge­rin ist. Die Bank hat sich viel­mehr so ver­hal­ten, wie sie sich nach der zivil­recht­li­chen Rechts­la­ge gegen­über ihrer frü­he­ren Kun­din ver­hal­ten muss­te, näm­lich als blo­ße Zahl­stel­le.

Der Bun­des­fi­nanz­hof teilt inso­weit aus­drück­lich die Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs, dass die Bank des Über­wei­sungs­emp­fän­gers im mehr­glied­ri­gen Über­wei­sungs­ver­kehr regel­mä­ßig nur als Leis­tungs­mit­t­le­rin, d.h. als Zahl­stel­le des Über­wei­sungs­emp­fän­gers han­delt und als sol­che in kei­ner­lei Leis­tungs­ver­hält­nis zu dem Über­wei­sen­den steht, so dass sie grund­sätz­lich auch nicht in die berei­che­rungs­recht­li­che Rück­ab­wick­lung einer Fehl­über­wei­sung nach § 812 Abs. 1 BGB ein­ge­bun­den ist. Dem Umstand, dass ein Giro­ver­trag bei Ein­gang des Über­wei­sungs­be­trags bereits durch Kün­di­gung erlo­schen ist, hat der BGH inso­weit kei­ne Bedeu­tung bei­gemes­sen. Mit dem Erlö­schen des Giro­ver­trags ver­lie­re das lau­fen­de Kon­to aller­dings sei­ne Eigen­schaft als Zah­lungs­ver­kehrs­kon­to. Die kon­to­füh­ren­de Bank sei danach grund­sätz­lich nicht ver­pflich­tet, nach­träg­lich ein­ge­hen­de Beträ­ge auf dem Kon­to zu ver­bu­chen. Dar­aus fol­ge jedoch nicht, dass die Bank des Begüns­tig­ten nach Erlö­schen des Giro­ver­trags nicht mehr als des­sen Zahl­stel­le fun­gie­ren kön­ne. Viel­mehr sei sie auch bei einem erlo­sche­nen Giro­ver­trag in des­sen Nach­wir­kung noch befugt, im Inter­es­se ihres frü­he­ren Kun­den ein­ge­hen­de Zah­lun­gen wei­ter­hin für ihn ent­ge­gen­zu­neh­men, müs­se sie dann aber auf dem bis­he­ri­gen Kon­to ent­spre­chend § 676f Satz 1 BGB ver­bu­chen bzw. nach § 667 BGB her­aus­ge­ben. Han­de­le die Bank dem­entspre­chend, so sei die­ses Vor­ge­hen als blo­ße Zahl­stel­len­tä­tig­keit zu wer­ten: Es ste­he außer Zwei­fel, dass sie bei der Ent­ge­gen­nah­me des Über­wei­sungs­be­trags und des­sen Ver­bu­chung auf dem inter­nen wei­ter­ge­führ­ten Kon­to für den frü­he­ren Kon­to­in­ha­ber han­de­le und die Über­wei­sung nicht etwa als Zah­lun­gen an sich anse­he. Die von der Bank zunächst vor­ge­nom­me­ne Ver­rech­nung des ein­ge­gan­ge­nen Über­wei­sungs­be­trags mit dem Debet auf dem Kon­to des Kun­den und die anschlie­ßen­de Her­aus­ga­be an den Insol­venz­ver­wal­ter kön­ne nicht anders ver­stan­den wer­den [4].

Die­se Aus­füh­run­gen des Bun­des­ge­richts­hof sind nicht aus­schließ­lich auf das Innen­ver­hält­nis zwi­schen Bank und Bank­kun­den bezo­gen, da sie aus­drück­lich den Berei­che­rungs­an­spruch des Über­wei­sen­den betref­fen und die Bank inso­weit als blo­ße Zahl­stel­le aus­wei­sen. Sie sind auch auf den Rück­zah­lungs­an­spruch nach § 37 Abs. 2 AO über­trag­bar. Zwar kön­nen die §§ 812 ff. BGB auf den öffent­lich-recht­li­chen Rück­zah­lungs­an­spruch aus § 37 Abs. 2 AO kei­ne unmit­tel­ba­re Anwen­dung fin­den, da die­ser Anspruch Aus­druck eines über­ge­ord­ne­ten und all­ge­mein herr­schen­den Prin­zips ist, dass der­je­ni­ge, der vom Staat ohne Rechts­grund etwas erhal­ten hat, grund­sätz­lich ver­pflich­tet ist, das Erhal­te­ne zurück­zu­zah­len. Jedoch ist der Rechts­ge­dan­ke des § 812 Abs. 1 BGB auch im Rah­men des § 37 Abs. 2 AO zu beach­ten [5].

Aus­drück­lich offen gelas­sen hat der Bun­des­fi­nanz­hof, ob im auf die­se Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs für den hier nicht vor­lie­gen­den Fall einer nach Auf­lö­sung des Kon­tos vor­ge­nom­me­nen Ver­rech­nung eines ein­ge­hen­den Erstat­tungs­be­trags mit eige­nen For­de­run­gen der Bank an der in sei­nen bei­den frü­he­ren Ent­schei­dun­gen ange­nom­me­nen Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung der Bank noch fest­zu­hal­ten sei.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 10. Novem­ber 2009 – VII R 6/​09

  1. FG Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil vom 04.06.2008 – 15 K 6215/​05 B[]
  2. BFH, Beschlüs­se vom 28.01.2004 – VII B 139/​03, BFH/​NV 2004, 762; und vom 06.06.2003 – VII B 262/​02, BFH/​NV 2003, 1532, m.w.N.[][]
  3. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. BFH, Urteil vom 30.08.2005 – VII R 64/​04, BFHE 210, 219, BStBl II 2006, 353, m.w.N.[]
  4. BGH, Urteil vom 05.12.2006 – XI ZR 21/​06, BGHZ 170, 121, NJW 2007, 914[]
  5. vgl. BFH, Urteil in BFHE 210, 219, BStBl II 2006, 353, m.w.N.[]