Steu­er­frei­er Bit­coin-Kauf

Der Umtausch kon­ven­tio­nel­ler Wäh­run­gen in Ein­hei­ten der vir­tu­el­len Wäh­rungBit­coin“ ist von der Mehr­wert­steu­er befreit.

Steu­er­frei­er Bit­coin-Kauf

Nach der Richt­li­nie 2006/​112/​EG des Rates vom 28. Novem­ber 2006 über das gemein­sa­me Mehr­wert­steu­er­sys­tem (ABl.EU L 347, S.1) (Mehr­wert­steu­er­richt­li­nie) unter­lie­gen Lie­fe­run­gen von Gegen­stän­den sowie Dienst­leis­tun­gen, die ein Steu­er­pflich­ti­ger als sol­cher im Gebiet eines Mit­glied­staats gegen Ent­gelt tätigt bzw. erbringt, der Mehr­wert­steu­er. Die Mit­glied­staa­ten müs­sen jedoch u. a. die Umsät­ze von der Steu­er befrei­en, die sich auf „Devi­sen, Bank­no­ten und Mün­zen bezie­hen, die gesetz­li­ches Zah­lungs­mit­tel sind“.

Der jet­zi­gen Ent­schei­dung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on lag ein Fall aus Schwe­den zugrun­de: David Hed­qvist, ein schwe­di­scher Staats­bür­ger, beab­sich­tigt die Erbrin­gung von Dienst­leis­tun­gen, die im Umtausch kon­ven­tio­nel­ler Wäh­run­gen in die vir­tu­el­le Wäh­rung „Bit­coin“ und umge­kehrt bestehen. „Bit­coins“ sind eine vir­tu­el­le Wäh­rung, die im Inter­net für Zah­lun­gen zwi­schen Pri­vat­per­so­nen sowie in bestimm­ten Inter­net­shops, die die­se Wäh­rung akzep­tie­ren, ver­wen­det wird. Die Nut­zer kön­nen die­se und ande­re Wäh­run­gen wie Ripp­le, Lite­coin oder IOTA auf der Grund­la­ge eines Wech­sel­kur­ses kau­fen und ver­kau­fen. Vor der Durch­füh­rung sol­cher Umsät­ze bean­trag­te Herr Hed­qvist beim schwe­di­schen Steu­er­rechts­aus­schuss einen Vor­be­scheid, um in Erfah­rung zu brin­gen, ob beim An- und Ver­kauf von „Bitcoin“-Einheiten Mehr­wert­steu­er zu ent­rich­ten ist. Nach Auf­fas­sung die­ser Kom­mis­si­on sind „Bit­coins“ ein Zah­lungs­mit­tel, das wie gesetz­li­che Zah­lungs­mit­tel ver­wen­det wird. Die von Herrn Hed­qvist geplan­ten Umsät­ze müss­ten daher von der Mehr­wert­steu­er befreit wer­den.

Das Skat­te­verk, die schwe­di­sche Steu­er­be­hör­de, hat gegen den Bescheid der Steu­er­rechts­kom­mis­si­on beim Högs­ta för­valt­nings­dom­stol, dem obers­ten Ver­wal­tungs­ge­richt Schwe­dens, Kla­ge erho­ben. Es macht gel­tend, dass die von Herrn Hed­qvist geplan­ten Umsät­ze nicht unter die in der Mehr­wert­steu­er­richt­li­nie vor­ge­se­he­nen Steu­er­be­frei­un­gen fie­len. Unter die­sen Umstän­den hat der Högs­ta för­valt­nings­dom­stol dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on die Fra­ge vor­ge­legt, ob sol­che Umsät­ze der Mehr­wert­steu­er unter­lie­gen und, falls dies der Fall sein soll­te, ob sie von die­ser Steu­er befreit sind.

Im Wege eines sol­chen Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chens kön­nen die Gerich­te der Mit­glied­staa­ten in einem bei ihnen anhän­gi­gen Rechts­streit dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on Fra­gen nach der Aus­le­gung des Uni­ons­rechts oder nach der Gül­tig­keit einer Hand­lung der Euro­päi­schen Uni­on vor­le­gen. Der Uni­ons­ge­richts­hof ent­schei­det dabei nur über die vor­ge­leg­te Rechts­fra­ge, nicht über den natio­na­len Rechts­streit. Es ist und bleibt viel­mehr Sache des natio­na­len Gerichts, über die Rechts­sa­che im Ein­klang mit der Ent­schei­dung des Uni­ons­ge­richts­hofs zu ent­schei­den. Die­se Ent­schei­dung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on bin­det in glei­cher Wei­se ande­re natio­na­le Gerich­te, die mit einem ähn­li­chen Pro­blem befasst wer­den.

In sei­nem jetzt ver­kün­de­ten Urteil geht der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on davon aus, dass Umsät­ze in Form des Umtauschs kon­ven­tio­nel­ler Wäh­run­gen in Ein­hei­ten der vir­tu­el­len Wäh­rung „Bit­coin“ (und umge­kehrt) Dienst­leis­tun­gen gegen Ent­gelt im Sin­ne der Richt­li­nie dar­stel­len, da sie im Umtausch ver­schie­de­ner Zah­lungs­mit­tel bestehen und ein unmit­tel­ba­rer Zusam­men­hang zwi­schen der von Herrn Hed­qvist erbrach­ten Dienst­leis­tung und dem von ihm erhal­te­nen Gegen­wert besteht, d. h. der Span­ne, die durch die Dif­fe­renz zwi­schen dem Preis, zu dem er die Wäh­run­gen ankauft, und dem Preis, zu dem er sie sei­nen Kun­den ver­kauft, gebil­det wird.

Der Uni­ons­ge­richts­hof ist fer­ner der Auf­fas­sung, dass die­se Umsät­ze nach der Bestim­mung, die sich auf Umsät­ze mit „Devi­sen, Bank­no­ten und Mün­zen …, die gesetz­li­ches Zah­lungs­mit­tel sind“ bezieht, von der Mehr­wert­steu­er befreit sind. Die­se Bestim­mung wür­de näm­lich – im Hin­blick auf den Zweck der Steu­er­be­frei­ung, der dar­in besteht, die Schwie­rig­kei­ten zu besei­ti­gen, die im Rah­men der Besteue­rung von Finanz­ge­schäf­ten bei der Bestim­mung der Bemes­sungs­grund­la­ge und der Höhe der abzugs­fä­hi­gen Mehr­wert­steu­er auf­tre­ten – einen Teil ihrer Wir­kun­gen ver­lie­ren, wenn Umsät­ze wie die von Herrn Hed­qvist geplan­ten aus ihrem Anwen­dungs­be­reich aus­ge­schlos­sen wür­den.

Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on, Urteil vom 22. Okto­ber 2015 – C −264÷14