Vor­steu­er­auf­tei­lung nach Umsatz­schlüs­sel

Vor­steu­ern, die auf die Her­stel­lungs­kos­ten eines gemischt­ge­nutz­ten Gebäu­des ent­fal­len, wer­den gemäß § 15 Abs. 4 S. 3 UStG typi­scher­wei­se nach dem Ver­hält­nis der jewei­li­gen Woh­nungs­flä­chen bzw. Büro­flä­chen auf die umsatz­steu­er­pflich­ti­gen und die umsatz­steu­er­frei­en Umsät­ze auf­ge­teilt. Eine sol­che Auf­tei­lung nach Flä­chen­schlüs­sel ist nach zwei aktu­el­len Urtei­len des Finanz­ge­richts Müns­ter jedoch nicht zwin­gend, viel­mehr kann die Auf­tei­lung nach Ansicht der Müns­te­ra­ner Finanz­rich­ter auf­grund zwin­gen­der Vor­schrif­ten der 6. USt-Richt­li­nie auch nach dem Ver­hält­nis der jewei­li­gen Umsät­ze zuein­an­der auf­ge­teilt wer­den.

Vor­steu­er­auf­tei­lung nach Umsatz­schlüs­sel

Die Klä­ger bei­der Ver­fah­ren hat­ten die von ihnen errich­te­ten Wohn- und Geschäfts­häu­ser jeweils zum Teil umsatz­steu­er­frei bzw. ‑steu­er­pflich­tig ver­mie­tet. Die des­halb erfor­der­li­che Auf­tei­lung der auf die Bau­kos­ten ent­fal­len­den Vor­steu­ern ermit­tel­ten die beklag­ten Finanz­äm­ter nach dem Ver­hält­nis der steu­er­frei und der steu­er­pflich­tig ver­mie­te­ten Flä­chen. Zur Begrün­dung ver­wie­sen sie auf die seit dem Jahr 2004 gel­ten­de Rege­lung in § 15 Abs. 4 Satz 3 UStG, wonach eine Vor­steu­er­auf­tei­lung nur dann nach dem Umsatz­ver­hält­nis erfol­ge dür­fe, wenn kei­ne ande­re wirt­schaft­li­che Zurech­nung mög­lich sei.

Die Klä­ger bean­spruch­ten dage­gen die – wirt­schaft­lich für sie güns­ti­ge­re – Auf­tei­lung nach Umsatz­zah­len. Und das Finanz­ge­richt Müns­ter gab ihnen nun Recht: Die natio­na­le Vor­schrift des § 15 Abs. 4 Satz 3 UStG sei, so das Finanz­ge­richt Müns­ter in sei­nen Urteils­grün­den, nicht mit EU-Recht ver­ein­bar sei. Art. 17 Abs. 5 der Sechs­ten EG-Richt­li­nie 1 sehe als Regel­auf­tei­lungs­maß­stab den Umsatz­schlüs­sel vor. In der EG-Richt­li­nie fin­de sich kei­ne hin­rei­chen­de Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge für den deut­schen Gesetz­ge­ber, ledig­lich im Aus­nah­me­fall den jewei­li­gen Umsatz als Auf­tei­lungs­maß­stab für Vor­steu­ern bei gemisch­ter Nut­zung eines Unter­neh­mens­ge­gen­stands zuzu­las­sen. Infol­ge EU-rechts­wid­ri­ger Geset­zes­la­ge könn­ten sich die Klä­ger unmit­tel­bar auf die für sie güns­ti­ge Auf­tei­lungs­re­ge­lung von Art. 17 Abs. 5 Richt­li­nie 77/​388/​EWG beru­fen.

Finanz­ge­richt Müns­ter, Urtei­le vom 8. Dezem­ber 2009 – 15 K 5079/​05 U und 15 K 1271/​06 U

  1. 77/​388/​EWG[]