Vor­steu­er­be­rich­tung im Umlauf­ver­mö­gen

Die Vor­steu­er­be­rich­ti­gung nach § 15a Abs. 1 UStG für vor dem 1. Janu­ar 2005 aus­ge­führ­te Umsät­ze, die zur Anschaf­fung oder Her­stel­lung von Wirt­schafts­gü­tern füh­ren, setzt vor­aus, dass die­se nicht nur ein­ma­lig zur Aus­füh­rung eines Umsat­zes ver­wen­det wer­den. Die ertrag­steu­er­recht­li­che Beur­tei­lung als Umlauf­ver­mö­gen oder Anla­ge­ver­mö­gen ist umsatz­steu­er­recht­lich nicht ent­schei­dend.

Vor­steu­er­be­rich­tung im Umlauf­ver­mö­gen

Dies ent­schied jetzt der Bun­des­fi­nanz­hof in Mün­chen für den Fall eines Grund­stücks, dass nach Erwerb ver­mie­tet und nach 15 Mona­ten wie­der ver­äu­ßert wur­de. Die Anwen­dung des § 15a UStG schei­tert in einem sol­chen Fall, so der Bun­des­fi­nanz­hof in sei­nen Urteils­grün­den, nicht dar­an, dass es sich bei der Ver­äu­ße­rung des ver­mie­te­ten Grund­stücks nach Ansicht der Klä­ge­rin ein­kom­men­steu­er­recht­lich um Umlauf­ver­mö­gen han­delt.

Wie der Bun­des­fi­nanz­hof bereits frü­her ent­schie­den hat, besteht für vor dem 1. Janu­ar 2005 aus­ge­führ­te Umsät­ze kei­ne Mög­lich­keit der Vor­steu­er­be­rich­ti­gung, wenn die­se zur Anschaf­fung oder Her­stel­lung von Wirt­schafts­gü­tern füh­ren, die nur ein­ma­lig zur Aus­füh­rung eines Umsat­zes ver­wen­det wer­den und bei denen es sich "regel­mä­ßig um Gegen­stän­de des Umlauf­ver­mö­gens" han­delt, da auch Art. 20 der Richt­li­nie 77/​388/​EWG kei­ne Mög­lich­keit der Vor­steu­er­be­rich­ti­gung vor­sieht 1. Die Rege­lung des § 15a Abs. 4 UStG 2005, wonach eine Berich­ti­gung des Vor­steu­er­ab­zugs auch bei einem Wirt­schafts­gut vor­zu­neh­men ist, das nur ein­ma­lig zur Aus­füh­rung von Umsät­zen ver­wen­det wird, ist erst für Umsät­ze ab dem 31. Dezem­ber 2004 anwend­bar (§ 27 Abs. 11 UStG).

Aller­dings bestand die feh­len­de gesetz­li­che Kor­rek­tur­mög­lich­keit in § 15a UStG der im Streit­jahr 2001 gel­ten­den Fas­sung ledig­lich für sol­che Wirt­schafts­gü­ter, die nur ein­ma­lig zur Aus­füh­rung von Umsät­zen bestimmt sind 2. Zwar wird es sich dabei in aller Regel auch ein­kom­men­steu­er­recht­lich um Wirt­schafts­gü­ter des Umlauf­ver­mö­gens han­deln. Indes kommt es für die Fra­ge, ob ein län­ger­fris­tig nutz­ba­res "Wirt­schafts­gut" i.S. des § 15a UStG vor­liegt, nicht ent­schei­dend dar­auf an, ob das Wirt­schafts­gut auch ertrag­steu­er­recht­lich als Umlauf­ver­mö­gen zu qua­li­fi­zie­ren ist. Die ertrag­steu­er­recht­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on als Anla­ge- oder Umlauf­ver­mö­gen, die nach § 247 Abs. 2 HGB erfolgt und u.a. mate­ri­ell von Bedeu­tung für das Akti­vie­rungs­ver­bot des § 248 Abs. 2 HGB, die Abschrei­bungs­re­geln des § 253 Abs. 2 HGB und die Anwen­dung des stren­gen Nie­derst­wert­prin­zips des § 253 Abs. 3 Satz 1 und 2 HGB ist 3, folgt ande­ren Regeln. Bei der Unter­schei­dung zwi­schen Anla­ge- und Umlauf­ver­mö­gen han­delt es sich viel­mehr nur um Hilfs­be­grif­fe, die umsatz­steu­er­recht­lich den Blick auf die ent­schei­den­de Zahl der Ver­wen­dungs­um­sät­ze nicht ver­stel­len dür­fen 4.

Im Streit­fall kann daher offen blei­ben, ob es sich bei einem ver­mie­te­ten und spä­ter ver­äu­ßer­ten Grund­stück ein­kom­men­steu­er­recht­lich um Anla­ge- oder Umlauf­ver­mö­gen han­delt 5. Da das vor­lie­gen­de Grund­stück zunächst über einen Zeit­raum von über 15 Mona­ten zu Ver­mie­tungs­zwe­cken genutzt und anschlie­ßend ver­äu­ßert wur­de, war es nicht nur ein­ma­lig zur Erzie­lung von Umsät­zen bestimmt und daher als "Wirt­schafts­gut" i.S. des § 15a Abs. 1 UStG der im Streit­jahr 2001 gel­ten­den Fas­sung anzu­se­hen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 24. Sep­tem­ber 2009 – V R 6/​08

  1. BFH, Urteil vom 12.02.2009 – V R 85/​07, BFHE 224, 473, BFH/​NV 2009, 1048[]
  2. BFH, Urteil vom 20.12.2001 – V R 8/​98, BFHE 197, 347, BSt­Bl II 2002, 557[]
  3. z.B. Walz in Heymann/​Kom­men­tar zum HGB, Band 3 § 247[]
  4. Bir­ken­feld, Das Gro­ße Umsatz­steu­er-Hand­buch, § 193 Rz 73; Lippross, UStG, 22. Aufl., S. 887 und 905; Reiss, Umsatz­steu­er­recht, 10. Aufl. 2009, Rz 346[]
  5. vgl. BFH/​NV 2007, 1128[]