Kraft­fahr­zeug­steu­er­be­frei­ung von Sat­tel­zug­ma­schi­nen in der Land- oder Forst­wirt­schaft

Nach § 3 Nr. 7 Satz 1 1. Alter­na­ti­ve Kraft­StG sind Zug­ma­schi­nen von der Kraft­fahr­zeug­steu­er nicht befreit, wenn sie von der Zulas­sungs­be­hör­de als "Sat­tel­zug­ma­schi­ne" (Fahr­zeug­klas­se 88), oder "LOF.Sattelzugmaschine" (Fahr­zeug­klas­se 90) zuge­las­sen wur­den.

Kraft­fahr­zeug­steu­er­be­frei­ung von Sat­tel­zug­ma­schi­nen in der Land- oder Forst­wirt­schaft

Seit dem Ver­kehr­StÄndG vom 05.12 2012 ist die Fest­stel­lung von Fahr­zeug­klas­sen und Auf­bau­ar­ten durch die Zulas­sungs­be­hör­de für Zwe­cke der Kraft­fahr­zeug­steu­er bin­dend. Die durch die Zulas­sungs­be­hör­de in den Fahr­zeug­pa­pie­ren doku­men­tier­te Fest­stel­lung bezüg­lich Fahr­zeug­klas­se und Auf­bau­art stellt seit­her gemäß § 2 Abs. 2 Nr. 2 Kraft­StG einen Grund­la­gen­be­scheid i.S. des § 171 Abs. 10 AO dar.

Von der Kraft­fahr­zeug­steu­er befreit sind nach § 3 Nr. 7 Satz 1 Buchst. a Kraft­StG Zug­ma­schi­nen, mit Aus­nah­me von Sat­tel­zug­ma­schi­nen, solan­ge die­se Fahr­zeu­ge aus­schließ­lich in land- oder forst­wirt­schaft­li­chen Betrie­ben ver­wen­det wer­den.

Seit dem Gesetz zur Ände­rung des Ver­si­che­rungsteu­er­ge­set­zes und des Kraft­fahr­zeug­steu­er­ge­set­zes (Ver­kehr­steu­er­än­de­rungs­ge­setz ‑Ver­kehr­StÄndG-) vom 05.12.2012 1 ist die Fest­stel­lung von Fahr­zeug­klas­sen und Auf­bau­ar­ten durch die Zulas­sungs­be­hör­de gemäß § 2 Abs. 2 Nr. 2 Kraft­StG für Zwe­cke der Kraft­fahr­zeug­steu­er ver­bind­lich 2. Mit die­ser Geset­zes­än­de­rung ist die frü­he­re stän­di­ge Recht­spre­chung bezüg­lich der Bin­dungs­wir­kung von Fahr­zeug­klas­sen und Auf­bau­ar­ten 3 über­holt 4. Die durch die Zulas­sungs­be­hör­de in den Fahr­zeug­pa­pie­ren doku­men­tier­te Fest­stel­lung bezüg­lich Fahr­zeug­klas­se und Auf­bau­art stellt damit einen Grund­la­gen­be­scheid i.S. des § 171 Abs. 10 AO dar 5, an den die Zoll­ver­wal­tung bei der Ver­wal­tung der Kraft­fahr­zeug­steu­er gemäß § 182 Abs. 1 Satz 1 AO gebun­den ist, soweit kei­ne ander­wei­ti­ge Rege­lung getrof­fen wird (vgl. z.B. § 18 Abs. 12 Kraft­StG).

Eigen­stän­di­ge Rege­lun­gen zur Bestim­mung von Zug­ma­schi­nen und Sat­tel­zug­ma­schi­nen ent­hält das Kraft­StG nicht 6.

Die Zulas­sungs­be­hör­den stel­len die Fahr­zeug­klas­se und die Auf­bau­art ent­spre­chend dem "Ver­zeich­nis zur Sys­te­ma­ti­sie­rung von Kraft­fahr­zeu­gen und ihren Anhän­gern" des Kraft­fahrt­bun­des­amts (KBA-Ver­zeich­nis) fest. Das KBA-Ver­zeich­nis dient der ein­heit­li­chen Erfas­sung der gemäß § 6 Abs. 7 Nr. 1 und Nr. 7 Buchst. a der Ver­ord­nung über die Zulas­sung von Fahr­zeu­gen zum Stra­ßen­ver­kehr (Fahr­zeug-Zulas­sungs­ver­ord­nung ‑FZV-) in den Fahr­zeug­re­gis­tern zu spei­chern­den und in den Fahr­zeug­pa­pie­ren zu erfas­sen­den Daten 7. Die Zulas­sungs­be­hör­den unter­schei­den dem­nach zwi­schen den Fahr­zeug­klas­sen 87 "Zug­ma­schi­ne", 88 "Sat­tel­zug­ma­schi­ne", 89 "LOF.Zugmaschine" und 90 "LOF.Sattelzugmaschine" 8.

Kraft­fahr­zeug­steu­er­recht­lich wird in § 3 Nr. 7 Kraft­StG ledig­lich zwi­schen "Zug­ma­schi­ne" und "Sat­tel­zug­ma­schi­ne", als deren Unter­fall, unter­schie­den. Das zulas­sungs­recht­li­che Merk­mal "LOF" hat über die zulas­sungs- und ver­kehrs­recht­li­che Bedeu­tung hin­aus (z.B. Agrar­die­sel-Rück­ver­gü­tung, Sonn­tags­fahr­ver­bot, EU-Kon­troll­ge­rät) 9 kei­ne kraft­fahr­zeug­steu­er­recht­li­che Bedeu­tung.

Dem­entspre­chend unter­fal­len dem kraft­fahr­zeug­steu­er­recht­li­chen Begriff der "Zug­ma­schi­ne" i.S. des § 3 Nr. 7 Satz 1 1. Alter­na­ti­ve Kraft­StG alle Fahr­zeu­ge, die von der Zulas­sungs­be­hör­de in den Fahr­zeug­klas­sen 87 "Zug­ma­schi­ne", 88 "Sat­tel­zug­ma­schi­ne", 89 "LOF.Zugmaschine" oder 90 "LOF.Sattelzugmaschine" zuge­las­sen wur­den. Aus­ge­nom­men von der Steu­er­be­frei­ung sind "Sat­tel­zug­ma­schi­nen", wor­un­ter alle Fahr­zeu­ge fal­len, die von der Zulas­sungs­be­hör­de in den Fahr­zeug­klas­sen als 88 "Sat­tel­zug­ma­schi­ne" oder 90 "LOF.Sattelzugmaschine" zuge­las­sen wur­den 10.

An der kraft­fahr­zeug­steu­er­recht­li­chen Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen "Zug­ma­schi­ne" und "Sat­tel­zug­ma­schi­ne" ändert auch die zulas­sungs­recht­li­che Drei­tei­lung in § 2 Nr. 14, 15 und 16 FZV nichts. Ansons­ten wären alle "land- oder forst­wirt­schaft­li­che Zug­ma­schi­nen" nach § 2 Nr. 16 FZV man­gels Nen­nung in § 3 Nr. 7 Kraft­StG nicht von der Steu­er­be­frei­ung erfasst.

Die Unter­schei­dung zwi­schen "Zug­ma­schi­ne" und "Sat­tel­zug­ma­schi­ne" bedarf ent­ge­gen der Vor­ent­schei­dung auch kei­ner teleo­lo­gi­schen Reduk­ti­on. Denn es ent­spricht den Vor­stel­lun­gen des Gesetz­ge­bers, dass die Steu­er­be­frei­ung "[…] nach ihrem Sinn und Zweck so weit wie nur mög­lich auf den Bereich der Land- und Forst­wirt­schaft beschränkt blei­ben" soll­te 11. Im Inter­es­se die­ser Beschrän­kung soll­ten Sat­tel­zug­ma­schi­nen und Sat­tel­an­hän­ger aus­drück­lich von der Befrei­ung aus­ge­schlos­sen sein, da die­se auch ander­wei­tig, ins­be­son­de­re im Güter­kraft­ver­kehrs­ge­wer­be und in Gewer­be­be­trie­ben auf dem Gebiet der Land- und Forst­wirt­schaft ver­wend­bar sind 12. Die­se Ver­wen­dung selbst steht aber nicht in einem unmit­tel­ba­ren Zusam­men­hang mit dem eigent­li­chen land­wirt­schaft­li­chen Betrieb, son­dern kann z.B. auch von einem Han­dels­be­trieb ver­an­lasst wer­den und recht­fer­tigt somit kei­ne Befrei­ung von der Kraft­fahr­zeug­steu­er 13.

Damit unter­fal­len von der Zulas­sungs­be­hör­de in der Fahr­zeug­klas­se 90 als "LOF.Sattelzugmaschinen" ein­grup­pier­te Fahr­zeu­ge als "Sat­tel­zug­ma­schi­ne" nicht der Steu­er­be­frei­ung in § 3 Nr. 7 Satz 1 1. Alter­na­ti­ve Kraft­StG.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 21. Febru­ar 2019 – III R 20/​18

  1. BGBl I 2012, 2431[]
  2. BFH, Beschluss vom 22.10.2014 – II B 111/​13, BFH/​NV 2015, 357, Rz 7; vgl. BT-Drs. 17/​10039, S. 24[]
  3. seit dem BFH, Urteil vom 30.09.1981 – II R 56/​78, BFHE 134, 367, BSt­Bl II 1982, 82; vgl. auch BFH, Urtei­le vom 26.11.1991 – VII R 88/​90, BFH/​NV 1992, 414; vom 03.04.2001 – VII R 7/​00, BFHE 194, 477, BSt­Bl II 2001, 451, unter II. 1.[]
  4. so bereits Nie­der­säch­si­sches FG, Urteil vom 30.06.2016 – 14 K 16/​16, EFG 2016, 1671; Strodthoff, Kraft­fahr­zeug­steu­er­ge­setz, § 2 Rz 2a, 13b, § 3 Rz 67, 68, 74, § 8 Rz 8a, 8b; Halac­zin­sky, Umsatz­steu­er- und Ver­kehr­steu­er-Recht 2016, 364; Bey­me, Agrar­be­trieb 2017, 39, 40[]
  5. bereits bis­her zur Schad­stoff­klas­se: BFH, Urteil vom 17.10.2006 – VII R 13/​06, BFHE 215, 562, BSt­Bl II 2007, 134, unter II. 4.b[]
  6. s. Strodthoff, a.a.O., § 3 Rz 68[]
  7. Dau­er in Hentschel/​König/​Dauer, Stra­ßen­ver­kehrs­recht, 44. Aufl.2017, § 11 FZV Rz 4, § 12 FZV Rz 8; KBA-Ver­zeich­nis, S. 7[]
  8. KBA-Ver­zeich­nis, S. 46[]
  9. vgl. Höner, top agrar 10/​2016, S. 86[]
  10. so auch Strodthoff, a.a.O., § 3 Rz 74; Vau­pel, LAND&Forst 9/​2017, S. 41 f.; Höner, top agrar 10/​2016, S. 86[]
  11. vgl. BT-Drs. IV/​1690[]
  12. vgl. 25. Sub­ven­ti­ons­be­richt vom 27.08.2015, BT-Drs. 18/​5940, S. 240[]
  13. BFH, Urteil vom 22.06.2004 – VII R 42/​03, BFHE 206, 383, BSt­Bl II 2004, 903, unter II. 1.[]
  14. BGBl. I S. 1979[]